Wolfsburg - 18 Pflichtspiele in Folge war es in keinem Wettbewerb einem Klub gelungen, Borussia Mönchengladbach zu bezwingen. Selbst Tabellenführer Bayern München hatten die Rheinländer beim 0:0 im Borussia Park am Rande einer Niederlage.

Erinnerungen an die legendäre Fohlen-Elf, die zwischen 1970 und 1977 fünfmal die Meisterschale auf den Bökelberg holte, wurden wach. Würde sich die Borussia wieder zum ernsthaften Konkurrenten des großen Widersachers der 70er Jahre aufschwingen können? Diese Hoffnungen erhielten zuletzt einige herbe Dämpfer. Das 0:1 im Verfolger-Duell des Tabellen-Dritten beim -Zweiten VfL Wolfsburg war die dritte Niederlage der Borussen in der Liga in Folge.

Gladbach erneut in der Krise?

Und wieder werden Erinnerungen wach - an weniger weit zurückliegende Zeiten. In der Vorsaison gelang der Borussia zwischen dem 16. und 24. Spieltag kein Dreier. Das Team büßte Champions-League-Rang vier ein, schaffte an den letzten zehn Spieltagen aber immerhin noch den Sprung in die Europa League.
"Wir wollten so lange wie möglich die Null halten", verriet Christoph Kramer nach der Partie in Wolfsburg.

"Kein unnötiges Risiko gehen, auf Fehler des Gegners warten." Ein Plan, der aus Sicht der Gladbacher gerade mal elf Minuten Bestand hatte. Nach einer Flanke von Marcel Schäfer sah Keeper Yann Sommer wenig glücklich aus, als er dem vor ihm stehenden Robin Knoche vor die Füße faustete. Der Wolfsburger Innenverteidiger stocherte den Ball zur 1:0-Pausenführung über die Linie.

"Wir lassen uns keine Krise einreden"

"Auf dem Niveau dieser beiden Mannschaften entscheiden Kleinigkeiten und am Ende auch das Glück. Das haben wir derzeit nicht", so Patrick Herrmann. "Vor ein paar Wochen wäre mein Kopfball wohl reingegangen. So ist das nun mal", ärgerte sich der Nationalspieler daüber, dass VfL-Keeper Diego Benaglio seinen Kopfball aus fünf Metern überragend pariert hatte.

Aber "es gibt jetzt aber keinen Grund, die Arbeit der Saison in Frage zu stellen." Auch Team-Kollege Roel Brouwers macht sich "keine Sorgen, dass wir in einen Negativ-Trend geraten. Wir haben uns leider nicht belohnt. In Dortmund kann man verlieren und gegen Frankfurt waren wir die bessere Mannschaft, haben uns mit unseren Fehlern selbst geschlagen", erinnert der Innenverteidiger an die aktuellen Niederlagen in der Liga und stellt kämpferisch klar: "Wir lassen uns keine Krise einreden!"

"Waren die bessere Mannschaft"

Eine Kerbe, in die auch Lucien Favre schlägt. "Daran denke ich nicht", reagierte der Gladbach-Trainer auf die Frage, ob eine Negativ-Serie drohe. "Wir waren heute in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. 67 Prozent Ballbesitz und 62 Prozent gewonnene Zweikämpfe belegen das. Leider haben wir uns zu wenige Chancen erarbeitet und die dann nicht genutzt." Auf fünf Positionen hatte der Gladbach-Coach seine Startelf gegenüber dem 2:2 gegen Villarreal in der Europa League verändert.

Während die Einsätze von André Hahn, Oscar Wendt, Patrick Herrmann und Max Kruse der Rotation geschuldet waren, für die Favre bekannt ist, musste er gezwungenermaßen auf den Gelb-Rot gesperrten Granit Xhaka, der nicht nur mit seinem Freistoß-Treffer zum 2:2-Endstand in Spanien glänzte, verzichten.
Der Schweizer ist in der Fohlen-Elf der Aufsteiger der Saison. 17 Pflichtspiele hat er seit Saisonbeginn bereits absolviert - so viele wie in der gesamten Spielzeit 2013/14.

Von Jürgen Blöhs