München - Giovane Elber ist immer wieder zu Besuch in Deutschland. Vor drei Wochen war er in der Allianz-Arena, als sich der FC Bayern Münchengegen den FC Porto fürs Halbfinale der Champions League qualifizierte. Bundesliga.de sprach mit dem ehemaligen Stürmer des Rekordmeisters am vergangenen Wochenende über das anstehende Halbfinal-Duell der Münchner beim FC Barcelona (Mittwoch, ab 20:30 Uhr im Liveticker).

bundesliga.de: Herr Elber, wie sehen Sie dieses Halbfinale zwischen dem FC Barcelona und Bayern München?

Giovane Elber: Ich finde, dass es für den FC Bayern besser ist auf Barca zu treffen, als zum Beispiel auf Juventus Turin, denn die Italiener sind unangenehmer zu spielen. Die Bayern-Spieler kennen ihre Gegner in- und auswendig. Ich bin nicht pessimistisch, auch weil die Spanier nach vorne spielen, was Bayern liegen wird.

"Es geht um alles"

bundesliga.de: Obwohl Bayern ohne Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba, Holger Badstuber und vielleicht ohne Robert Lewandowski im Camp Nou antreten wird, im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund ausgeschieden ist und in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen verlor?

Elber: Für den FC Bayern ist es kein Problem, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Es ist eine Situation, in der man auf die Zähne beißen und alles geben muss. Es geht um alles. Man hat die Möglichkeit, sich für ein Finale in der Champions League zu qualifizieren. Es ist klar, dass diese Ausfälle keine gute Nachricht sind, aber die anderen Spieler müssen noch mehr Gas geben, um mit dem nötigen Glück das Finale zu erreichen.

bundesliga.de: Ist der Kader groß genug um diese Ausfälle zu kompensieren?

Elber: Das glaube ich schon. Die Spieler, die die meiste Zeit auf der Bank sitzen, haben eine große Erfahrung. Sie wissen wo es lang geht. Dementsprechend müssen sie noch mehr konzentriert sein, um wenige Tore zu kassieren und um sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel zu erarbeiten. Der FC Bayern ist sowieso in der Lage in Barcelona Tore zu erzielen.

"Thiago ist der pure Wahnsinn"

bundesliga.de: Wird viel von Thiago abhängen, der beim fulminanten 6:1-Sieg gegen den FC Porto der überragende Mann war?

Elber: Der Junge ist der pure Wahnsinn. Gegen Porto habe ich nur Augen für ihn gehabt. Es ist toll, wie schnell er sich nach seiner langen Verletzung zurückgekämpft hat und sein Top-Niveau erreicht hat. Wie er das Spiel nach vorne trägt und wie er den Ball behandelt, ist einfach einmalig. Für den FC Bayern ist er definitiv ein großer Pluspunkt. Es ist sehr wichtig, dass er wieder bei 100% seiner Leistungsfähigkeit ist.

bundesliga.de: Kann der FC Bayern eine solche Leistung wie gegen Porto nun auch gegen Barca bringen?

Elber: Gegen Porto hat alles gepasst, insbesondere die zwei schnellen Tore am Anfang waren entscheidend. Gegen Barcelona kann man eine solche Partie nicht erwarten. Es ist in meinen Augen das Duell zwischen den momentan besten zwei Mannschaften in Europa. Ich gehe davon aus, dass nicht viele Tore fallen werden. Es wird knapp, weil der Respekt beider Teams sehr groß ist.

"Man darf Messi oder Neymar keinen Zentimeter lassen"

bundesliga.de: Wie sehen Sie das Duell der besten Offensive der Welt mit Luis Suarez, Lionel Messi und Neymar gegen den besten Torwart der Welt, Manuel Neuer?

Elber: Manuel wird es nicht allein schaffen, er braucht die Unterstützung seiner Kollegen, und dabei meine ich nicht nur die Abwehrspieler. Es fängt ganz vorne an, bei Robert Lewandowski  - oder Claudio Pizarro - der viel nach hinten arbeiten muss, ansonsten wird es sehr schwer zu bestehen. Man darf einem Spieler wie Messi oder Neymar keinen Zentimeter Platz lassen, ansonsten sieht es schlecht aus. Denn dann kann Barca machen was es will.

bundesliga.de: Der FC Bayern könnte mit dem Einzug ins Finale, zum vierten Mal in nur sechs Jahren dabei sein. Was würde dieses Ergebnis bedeuten?

Elber: Was dieser Verein in den letzten Jahren leistet, ist großartig. Davor habe ich einen großen Respekt. Mein Lob gilt dem Vorstand, dem Trainerstab und den Spielern. 1999 waren wir im Finale der Champions League und haben dann schnell reagiert mit dem Triumph zwei Jahre später. Ich weiß wie schwer das ist. Um ins Finale zu kommen, muss alles passen und bei den Bayern hat in letzter Zeit vieles gepasst. Aber man hat beim Aus im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund gesehen, dass die Mannschaft bitter enttäuscht ist, das Finale verpasst zu haben.

bundesliga.de: Kann dieses Aus gegen den BVB in Barcelona in den Köpfen der Spieler eine Rolle spielen?

Elber: Nein, in keinem Fall. Nach zwei Tagen ist das abgehakt. Klar wissen die Spieler, dass sie einen Titel vergeigt haben, aber da bleibt nichts hängen. Nun gilt der Fokus auf Barcelona.

Das Interview führt Alexis Menuge