Gelsenkirchen - Es war der erste Sieg für 1899 Hoffenheim seit November, dazu der erste Erfolg unter Marco Pezzaiuoli - und für den neuen Trainer findet Marvin Compper nach dem 1:0-Erfolg in Schalke auch viele lobende Worte.

Im Interview mit bundesliga.de erklärt Hoffenheims Innenverteidiger, warum Pezzaiuoli so gut bei der Mannschaft ankommt und welche Ziele Team und Trainer sich gemeinsam gesteckt haben. Der Sieg auf Schalke war dabei auch für Marvin Compper ein viel versprechender Schritt in die richtige Richtung - doch der 25-Jährige findet auch kritische Worte über den Auftritt von 1899.

bundesliga.de: Marvin Compper, Sie dürften sehr zufrieden sein: Erster Sieg in der Rückrunde, dazu eine richtig gute Leistung - Hoffenheim hat das Spiel über 90 Minuten klar dominiert.

Marvin Compper: Ganz so gut ist es in meinen Augen gar nicht gewesen. Wir haben nur mit einem Tor geführt. Mit etwas Pech, das wir in dieser Saison schon ein paar Mal hatten, hätten wir durchaus in der Schlussphase noch einen Treffer kassieren können. Zum Glück ist es diesmal gut gegangen. Wir haben zwar gut gespielt, aber wir müssen lernen, den Deckel drauf zu machen. Gerade dann, wenn wir ein Spiel so gut kontrollieren und dominieren. Hätten wir das zweite Tor nachgelegt, wäre es sicher einfacher geworden. Wir müssen daran arbeiten, dass wir vor dem Tor kaltschnäuziger werden.

bundesliga.de: Haben Sie sich richtig geärgert, als Sie von hinten mit ansehen mussten, wie Ihre Kollegen beste Chancen vergeben haben?

Compper: Man hat zum Glück keine Zeit, sich darüber zu ärgern. Wenn ich anfange, mich zu ärgern, verliere ich die Konzentration. Als Verteidiger habe ich mich gegen Schalke in erster Linie darauf konzentriert, dass wir zu Null spielen. Dass uns das nach langer Zeit endlich mal wieder gelungen ist, freut mich wirklich.

bundesliga.de: Sie wirkten in der Innenverteidigung zusammen mit Isaac Vorsah sehr sicher.

Compper: Isaac und ich teilen uns auch ein Zimmer. Wir verstehen uns sehr gut. Ich denke, man sieht auch auf dem Platz, dass wir miteinander harmonieren, gut zusammen arbeiten und uns gegenseitig den Rücken frei halten. Aber grundsätzlich sieht man derzeit bei uns, dass wir als Team eine gute Entwicklung durchmachen nach der unruhigen Zeit mit dem Trainerwechsel und den Ab- und Zugängen im Kader. Gegen Schalke war der Trend sehr positiv, aber wir dürfen auch keinen Deut nachlassen. Wir müssen jetzt in der Woche gut arbeiten, um diese Richtung zu bestätigen.

bundesliga.de: Sie haben den Trainerwechsel angesprochen: Welchen Anteil hat der neue Coach Marco Pezzaiuoli am Aufschwung? Was macht seine Arbeit aus?

Compper: Der Trainer ist sehr gewissenhaft in der Analyse von Spielen. Er verlangt, dass wir das, was wir nicht so gut gemacht haben, im nächsten Spiel besser machen und diese Verbesserungen konsequent umsetzen. Ihm geht es sehr darum, dass wir als Team wachsen und dabei lernen, Kontrolle über das Spiel zu übernehmen. Das ist gegen Schalke schon in weiten Teilen gelungen. Das will er mit uns weiter entwickeln und ausbauen. Ziel ist es, die Bundesligaspiele in der Mehrzahl zu kontrollieren - so dass wir entscheiden, welches Tempo gespielt wird und dass wir entscheiden, ob nach vorne gespielt wird oder wir den Ball auch mal in den eigenen Reihen halten.

bundesliga.de: Das klingt alles sehr überlegt und Marco Pezzaiuoli wirkt auch am Spielfeldrand sehr ruhig. Ist er trotzdem auch ein emotionaler Typ?

Compper: Er kann emotional werden, aber grundlegend ist er sehr ruhig und sachlich. Nach der Niederlage im Pokal in Cottbus hat er nicht auf uns drauf gehauen, sondern klar und sachlich analysiert, dass wir das Spiel eigentlich hätten gewinnen müssen, es selbst in der Hand hatten und nur die Tore nicht gemacht haben. So sachlich zu kritisieren und zu analysieren ist eine Qualität des Trainers, die wir als Mannschaft sehr zu schätzen wissen.

bundesliga.de: Nicht nur der Trainer ist neu, auch einige Spieler. Ryan Babel hat gegen Schalke sein Bundesligadebüt gegeben. Wie haben Sie sein Spiel gesehen?

Compper: Er hat unheimlich viel Qualität hat und ist immer in der Lage ist, den Gegner zu beschäftigen. Er kann auch mal zwei Gegenspieler ausspielen, wie er es gegen Schalke gezeigt hat. Wir müssen jetzt nur noch sehen, dass wir aus diesen guten Offensivaktionen mehr Kapital schlagen.

bundesliga.de: Wenn die Chancenverwertung besser wird, sind Sie für die nächsten Wochen also ganz optimistisch?

Compper: Wir müssen vor allem diesen Spirit und den Einsatz, den wir gegen Schalke auf den Platz gebracht haben, aufrechterhalten. Der Wille, das Spiel zu gewinnen, war gut zu sehen und mit ausschlaggebend für den Erfolg. Das muss bei uns die Normalität werden. Und dann müssen wir dazu aus den Chancen, die wir in der Lage sind zu kreieren, auch die Tore machen.

bundesliga.de: Was ist dann für Hoffenheim noch möglich bis zum Saisonende?

Compper: Wir sind noch nie gut damit gefahren, zu sehr auf die Tabelle zu schauen und uns irgendwelche Möglichkeiten auszurechnen. Der Erfolg in Schalke war der erste Sieg seit November. Gerade deshalb sollten wir uns zwar freuen, aber nicht gleich zu weit voraus schauen. Wir müssen den Trend jetzt vielmehr am nächsten Wochenende gegen Kaiserslautern bestätigen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte