Hamburg - Es geht also auch ohne Schönspielerei. Mit einem letztlich zwar verdienten, aber auch mühsamen 1:0 hat die deutsche Nationalmannschaft im Wembley-Stadion gegen England das Spieljahr 2013 siegreich abgeschlossen. Zum sechsten Mal in Serie blieb das DFB-Team damit im Wohnzimmer des Erzrivalen erfolgreich - Deutschland, der Albtraum für das Mutterland des Fußballs.

Dass mit Per Mertesacker ein Legionär vom FC Arsenal aus London das Tor des Tages köpfte, setzte dem ganzen noch die Krone auf. Mertesacker, der im 95. Länderspiel zum vierten Mal traf, freute sich wohl deshalb auch schon auf die Rückkehr in den Kollegenkreis bei seinem Verein. "Jetzt habe ich gute Argumente auf meiner Seite. Da muss ich keinen Spott fürchten", meinte der deutsche Abwehrchef.

Rotierer Löw zufrieden



Dabei tat sich Deutschland im letzten Freundschaftsspiel des Jahres lange schwer. Im Spielaufbau wollte kaum was gelingen. Ein Grund dafür war jedoch schnell gefunden: die Rotation.

Joachim Löw wechselte im Vergleich zum Italien-Spiel vom Freitag gleich auf acht Positionen. Trotz des Stotterstarts war der Bundestrainer am Ende mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden.

"Wir waren sehr, sehr ballsicher, haben gut umgeschaltet. Alle haben in der Defensive mitgearbeitet. Man hatte nicht das Gefühl, dass die Engländer uns ausspielen können", erklärte Löw.

DFB-Team glänzt in der Schlussphase



Erst zum Ende der Partie zeigte das DFB-Team wieder die gewohnte Dominanz und hätte das Ergebnis gut und gerne noch um ein oder zwei Tore ausbauen können. "Wir hätten das 2:0 machen und das Spiel viel früher entscheiden müssen", haderte auch Löw.

Letztlich waren die Hausherren aber eine Klasse schlechter als die Gäste. Zur Weltspitze durften die Engländer aber schon vor dem Anpfiff nicht mehr gezählt werden.

Roman Weidenfeller wird diese Einstufung völlig egal gewesen sein. Der Dortmunder Torwart kam mit 33 Jahren zu seiner Premiere im Dress mit dem Adler auf der Brust. Nur vier Spieler waren in der DFB-Historie bei ihrem Debüt älter.

Weidenfeller überglücklich, BVB-Duo verletzt



Und Weidenfeller durfte die gut 90 Minuten ausgiebig genießen. Denn bis auf einen Pfostenschuss passierte nicht viel vor seinem Kasten. "Ich bin überglücklich, dabei gewesen zu sein. Ich sauge alles auf. Besser geht es gar nicht", freute er sich nach dem Schlusspfiff.

Sein Vereinskollege Mats Hummels hatte da weniger Grund zum Lachen. Der Innenverteidiger kam zur zweiten Halbzeit in der Partie, verdrehte sich nach einem Kopfball bei der Landung den Fuß und musste nach 20 Minuten schon wieder raus. Hummels fehlt genauso gegen die Bayern wie Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Auch Jerome Boateng musste mit Fersenproblemen zur Pause in der Kabine.

Wackelkandidaten drängten sich nicht auf



Im Hinblick auf den möglichen WM-Kader hat sich dieses Mal aber zum Glück kein Profi ernsthaft verletzt. Sami Khedira zog sich in Mailand einen Kreuzbandriss zu und muss um seine Teilnahme bangen.

Richtig viele, neue Aufschlüsse gab der Auftritt im Wembley Stadion für die Vergabe der Tickets für Brasilien sowieso nicht. Von den Wackelkandidaten konnte sich niemand wirklich aufdrängen. Auch nicht die Bender-Zwillinge Lars und Sven, die zusammen im defensiven Mittelfeld agierten.

Mertesacker wollte nach dem Spiel aber dennoch nicht in der Haut seines Chefs stecken. "Das wird sehr interessant für den Bundestrainer, zu entscheiden, wer mit darf. Wir haben so viele gute Spieler, aber wir wollen erst im Sommer auf einem Toplevel sein. Das Spiel in England war nur ein kleines Warmwerden, mehr nicht", sagte er.

Nächster Test gegen Chile



Für die Nationalmannschaft steht nun erst einmal eine längere Pause an, ehe Löw seine Kicker wieder zusammenruft. Der nächste Test ist für den 5. März 2014 in Nürnberg gegen Chile terminiert.

Weitere Begegnungen stehen noch nicht fest. "Da warten wir die Auslosung ab. Danach bestimmen wir unsere Testspielgegner", verkündete Löw. Am 6. Dezember werden die Gruppen der WM in Rio de Janeiro ausgelost, am 10. Mai muss der Bundestrainer den Kader benennen.

Michael Reis