Nein, ganz verdrängen können sie es nicht. 0:1 beim Hamburger SV, ein Rückstand von sechs Punkten an die Bundesliga-Spitze. Und jetzt? Einfach zur Tagesordnung übergehen?

Es ist ein schwieriges Unterfangen beim FC Bayern, aber was bleibt den Münchenern anderes übrig. "Die Champions League ist ein anderer Wettbewerb", sagt Trainer Louis van Gaal vor dem Duell mit Juventus Turin am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

Die Enttäuschung nach der knappen Niederlage im Norden sei riesig. "Aber jetzt wir müssen zurückkommen", sagt van Gaal. Zurück auf die Erfolgsspur, die bei den erfolgreichen Spielen gegen Wolfsburg, Haifa und Dortmund aufgebaut wurde. Der Rückschlag gegen Hamburg hat aber den Bayern-Trainer wohl nicht ganz unerwartet getroffen.

Van Gaal erkennt Parallelen

"Wir sind in einem Prozess. Und da noch ganz am Anfang. Ich bin erst zweieinhalb Monate beim FC Bayern und wir haben noch einen weiten Weg vor uns", so van Gaal. Auch bei seinen früheren Stationen Alkmaar, Amsterdam oder Barcelona gab es Startprobleme. "Da gibt es vielleicht Parallelen."

Ein Erfolgserlebnis würde den Lernprozess sicherlich beschleunigen. Etwa gegen Juventus, auf das man zuletzt 2004 in der "Königsklasse" traf: Zwar ein schwerer Brocken für den Rekordmeister, aber in der Champions League fühlen sich die Münchener aus gutem Grund ganz wohl. "Hier sind wir Tabellenführer", sagt van Gaal.

Größerer Druck bei Juventus

Die Spitzenstellung könnten die Bayern vor ausverkauftem Haus sogar ausbauen. "Wenn wir gewinnen, haben wir schon fünf Punkte Vorsprung auf Juventus. Das wäre schon mal ein wichtiger Schritt", sagt Bastian Schweinsteiger.

Arjen Robben stimmt die gleichen Töne an: "Ein Sieg und wir können zuversichtlich sein, was die nächste Runde angeht. Es ist ein großes Spiel zweier großer Mannschaften." Ein dreifacher Punktgewinn soll her - vor allem nach dem Rückschlag in Hamburg, doch Robben sieht da den größeren Druck beim Gegner. "Juventus hat im ersten Spiel nur einen Punkt geholt und deswegen ist die Partie wichtiger für Turin."

Hoffnungsträger Diego

Die Italiener kamen am 1. Spieltag nicht über ein 1:1 gegen Girondins Bordeaux hinaus und stehen in der Tat unter Zugzwang. Die Mannschaft von Ciro Ferrara schwächelte auch zuletzt in der Serie A, spielte so am vergangenen Wochenende nur 1:1 gegen Bologna. Zurückgekehrt ist allerdings der große Hoffnungsträger: Diego.

Der Ex-Bremer laborierte an einer Oberschenkelverletzung und fiel zehn Tage aus. Zuletzt spielte er 60 Minuten gegen Bologna, in München sollte der Brasilianer wieder in der Startelf stehen. "Es ist natürlich ein Unterschied, ob im Mittelfeld Diego oder Christian Poulsen spielt", sagt FCB-Trainer van Gaal.

Salihamidzic nur als Tourist mit dabei

Auch seine Profis wissen um die Stärke des Spielmachers. "Er hat wie in Bremen eine Schlüsselrolle eingenommen. Wenn wir ihn ausschalten, ist das Spiel zwar noch nicht gewonnen, aber wir hätten schon viel erreicht", sagt Schweinsteiger. Während Diego spielen kann, wird Hasan Salihamidzic das Spiel nur auf der Tribüne verfolgen können.

Der Bosnier, der zwischen 1998 und 2007 für den FC Bayern spielte und eines der Publikumslieblinge war, fehlt aufgrund einer Verletzung im Kader, reiste aber mit der Mannschaft in seine alte Heimatstadt. "Es ist schade, dass Brazzo nicht spielen kann. Er hat darum gekämpft, mit dabei zu sein, aber vielleicht klappt es ja im Rückspiel", so Schweinsteiger.

Toni fehlt erneut

Definitiv mit dabei sind auf Seiten der Münchner Franck Ribery und Arjen Robben. Das Duo trainierte am Monntag zwar nicht mit, aber Trainer van Gaal gab Entwarnung. Noch nicht im Kader ist Luca Toni, der zuletzt zwei Mal für die zweite Mannschaft des FC Bayern spielte. "Es wird langsam langweilig es immer zu wiederholen, aber er ist noch nicht bei 100 Prozent", sagt van Gaal.

Einsatzhoffnungen könnte sich indes wieder der Brasilianer Breno machen. "Er hat gegen den HSV sehr gut gespielt und Elia ausgeschaltet", so van Gaal, der aber nicht verraten wollte, mit welcher Taktik er spielen will. Für den Niederländer steht nur fest: "Wir haben in der Champions League auswärts gewonnen, also müssen wir jetzt auch zuhause gewinnen."

Aus München berichtet Fatih Demireli