Nach der entspanntesten Saison seit Jahren frei von jeglichen Abstiegssorgen haben sich die Kicker des 1. FC Köln mit Tabellenplatz 12 im Endklassement in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet. Während die Spieler relaxen, bastelt die sportliche Leitung am Kader für die kommende Saison, in der offiziell ein Platz im gesicherten Mittelfeld angepeilt wird.

"Es wird jetzt keine heiße Phase geben, sondern eine Realisationsphase", sagt Kölns Geschäftsführer Michael Meier gelassen. "Wir haben schon im Laufe des Jahres Sebastian Freis und Lukas Podolski frühzeitig verpflichten können und bereits in der Winterpause Derek Boateng geholt."

Zukunft von Vucicevic noch offen

Weitere Transfers sollen getätigt werden. Sicher ist, dass neben Matthias Scherz, der seine Karriere beendet hat und dem Club als Laufbahnberater für die Nachwuchsspieler erhalten bleibt, auch Thomas Broich und Sergiu Radu vor dem letzten Heimspiel gegen den VfL Bochum (1:1) mit einem Blumenstrauß verabschiedet wurden.

Dagegen musste Nemanja Vucicevic auf die Blumen verzichten, obwohl auch sein Vertrag ausläuft. "Meine Zukunft ist noch nicht entschieden. Es gab noch kein Gespräch. Ich fliege ich jetzt erst einmal in Urlaub", sagte der Serbe nach dem letzten Schlusspfiff der Saison.

"Vucicevic wurde noch nicht verabschiedet. Das ist ein Zeichen dafür, dass noch keine Entscheidung getroffen wurde", nahm Michael Meier zur Personalie Vucicevic Stellung. "Wir sind dabei, den Kader, den wir uns vorstellen, zu realisieren. Wir geben aber keine weiteren Wasserstandsmeldungen ab."

"Wir haben unser Ziel übertroffen"

Es ist kein Geheimnis, dass die Kölner speziell nach Verstärkungen für die Außenbahnen suchen und nach einem Spielmacher fahnden. Die Scouting-Abteilung um Paul Steiner hat eine Liste mit einigen Kandidaten erstellt und Michael Meier vorgelegt, der nicht nur in der vergangenen Saison sein großes Verhandlungsgeschick u.a. bei der Verpflichtung von Hochkarätern wie Innenverteidiger Pedro Geromel oder dem defensiven Mittelfeldspieler Petit bewies.

Doch auch wenn der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, lohnt auch ein kurzer Rückblick auf die aus Kölner Sicht wohltuend unspektakuläre, weil sportlich für den Aufsteiger äußerst erfolgreiche Saison. "Wir wollten die Klasse halten und uns in der Bundesliga etablieren. Das haben wir mit Bravour geschafft", zog Kölns Co-Trainer Roland Koch zufrieden Bilanz.

"Wir haben unser Ziel übertroffen. Wir haben in keiner Phase der Meisterschaft auf einem Abstiegsplatz gestanden", urteilte auch Michael Meier positiv über die Saison. "Ein entscheidender Punkt ist auch, dass Christoph Daum diesem Team eine Handschrift gegeben hat, indem er auch den Mut hatte, junge Spieler zu bringen."

Junge Spieler rücken nach

Fünf Spieler fallen Meier spontan ein: "Ob das nun Taner Yalcin in der Schlussphase war, Kevin Pezzoni, der als einziger in der Bundesliga gilt, der als 20-Jähriger von Anfang alle Spieler gemacht hat, wenn er nicht verletzt oder gesperrt war.

Daniel Brosinski hat seine Einsatzzeiten bekommen, die er auch nicht unbedingt erwarten konnte. Und mit Thomas Kessler und Adil Chihi sind wieder Eigengewächse herangekommen, was dem 1. FC Köln gut zu Gesicht steht."

Keine Frage, der 1. FC Köln hat eine gute Saison gespielt. Vor allem auswärts überzeugten die Domstädter und holten in fremden Stadien sogar mehr Punkte als Meister Wolfsburg.

Overath: "Es darf auch gerne ein bisschen mehr sein"

Dagegen wurden die Erwartungen bei den Heimspielen oft enttäuscht. Nur 17 Punkte im RheinEnergieStadion bedeuteten die zweitschlechteste Ausbeute der Liga, die dabei lediglich erzielten 14 Tore waren sogar Minusrekord.

Für die kommende Saison sieht sich der 1. FC Köln gut aufgestellt. Publikumsliebling Lukas Podolski kehrt zurück an den Rhein, die Fans strömen in Scharen ins Stadion, finanziell muss der FC laut Meier trotz der Wirtschaftskrise dank der Sponsoren keine Einbußen hinnehmen. So soll 2010 wieder ein gesicherter Mittelfeldplatz herausspringen. "Es darf aber gerne auch ein bisschen mehr sein." Sagt kein Geringerer als FC-Präsident Wolfgang Overath.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski