Bundesliga

Gerald Asamoah: "Wir wollen Borussia Dortmund ärgern"

Köln - Am Samstagabend kommt es in Dortmund zum 89. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. In seiner erfolgreichen Karriere bestritt Gerald Asamoah unzählige Derbys für die Knappen und feierte dabei große Siege, musste aber auch bittere Niederlagen einstecken. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Vizeweltmeister von 2002 über die Bedeutung des Derbys, seine persönlichen Erinnerungen und die Favoritenrolle 2016.

"Ich denke gerne an das 4:0 im Jahr 2000 zurück"

bundesliga.de: Gerald Asamoah, für die Fans beider Mannschaften ist das Revierderby das Spiel des Jahres. Ist es das auch für die Spieler?

Gerald Asamoah: Für mich ja. Wenn du zu einem Verein wie Schalke 04 kommst, musst du schon wissen, was das Derby bedeutet. Man bekommt das zwar auch von seinen Mitspielern mit. Aber man merkt das erst richtig, wenn man zwei, drei Jahre für den Verein spielt. Das Derby ist in der Kabine das große Thema, der Trainer spricht es an. Und die Spieler lesen auch die Zeitung. Jeder weiß, um was es im Derby geht.

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bundesliga.de: Was für einen Stellenwert hatte das Derby für Sie persönlich? Auch einen höheren als Spiele gegen den FC Bayern München oder Partien mit der Nationalmannschaft?

Asamoah: Länderspiele schön und gut - aber das Derby war für mich etwas ganz Besonderes. Ich habe jahrelang für Schalke gespielt und wusste, wie gesagt, immer, um was es geht. Ich habe in Marl gelebt, und um mich herum waren nur Schalke-Fans. Schon Wochen vorher wurdest du beim Bäcker aufs Derby mit den Worten angesprochen: "Dann wollen wir aber einen Sieg sehen." Du warst unter Druck und wusstest, dass du alles dafür tun musst, um mit einem Derbysieg nach Hause zu kommen. Sonst konnte man sich am nächsten Tag nicht an der Tankstelle oder beim Bäcker sehen lassen. (lacht)

"Ich rechne uns aber trotzdem gute Chancen aus"

bundesliga.de: Kommen wir auf das aktuelle Derby des Jahres 2016 zu sprechen. Beide Clubs haben vor der Saison einen Umbruch vollzogen. Der BVB hat viele neue Spieler geholt und wichtige verloren. Schalke hat einen neuen Manager und einen neuen Trainer installiert und ebenfalls auf dem Transfermarkt kräftig zugeschlagen. Wie beurteilen Sie die Ausgangslage vor dem Revierderby?

Asamoah: Wir Schalker sind froh, dass wir wieder in die Spur gekommen sind. Wir sind nicht gut gestartet, die Dortmunder dagegen schon. Auch wenn sie jetzt ein paar Verletzungsprobleme im Kader haben, sehe ich sie mit dem Spielermaterial als leichten Favoriten an. Ich rechne uns aber trotzdem gute Chancen aus, weil unsere Mannschaft im Moment gut drauf ist. Ich hoffe, dass wir die Leistungen der vergangenen Wochen wieder abrufen können, dann können wir auch aus Dortmund etwas mitnehmen.

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bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Dortmunder Tiefstapelei betreiben, indem sie sich in dieser Saison nicht als Bayern-Verfolger sehen? Oder ist das eine realistische Selbsteinschätzung?

Asamoah: Als ich am Anfang der Saison gesehen habe, welche Mannschaft sie aufgeboten haben und wie sie gespielt haben, war ich mir sicher, dass sie oben mitspielen und ein Konkurrent für die Bayern sein würden. In den letzten Spielen waren sie aber auch wegen der Verletzungen nicht mehr so effektiv und haben Punkte liegen lassen. Man weiß im Moment gar nicht, wer der Verfolger der Bayern ist. Uns ist das egal. Wir wollen die Dortmunder weiter ärgern.

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