Dortmund - Der Ärger über den späten Gegentreffer in Dortmund verraucht in Hoffenheim nur langsam. Dabei gibt es genug Grund zur Zufriedenheit: 1899 weiß trotz Verletzungssorgen zu überzeugen - und will das auch im DFB-Pokal gegen den FC Ingolstadt (Mi., ab 18:45 Uhr im Live-Ticker) fortsetzen.

Das größte Lob nach dem 1:1-Remis beim BVB kam vom Gegner: "Hoffenheim war die absolut beste Mannschaft, gegen die wir in dieser Saison bislang gespielt haben", zollte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp der Leistung der Kraichgauer Respekt.

Ausgleich fällt in der Nachspielzeit

Erst in der dritten Minute der Nachspielzeit hatte 1899 nach einem Freistoß noch den Ausgleich hinnehmen müssen. Das fühlte sich nicht nur für Tom Starke zunächst "an wie eine 0:5-Niederlage. Die Stimmung ist am Boden. Ärgerlich wäre dafür ein viel zu milder Ausdruck". Doch der Keeper gab noch in Dortmund die Richtung vor: "Mit ein wenig Abstand können wir diesen Punktgewinn genießen und stolz auf uns sein."

Eine breite Brust kann Hoffenheim dabei nicht nur aus der Tatsache ziehen, sich mit 15 Punkten aus neun Spielen im oberen Tabellendrittel festgesetzt zu haben. Vielmehr präsentierte sich die Elf von Ralf Rangnick beim BVB spielerisch und technisch stark, bot eine offensiv gute und defensiv überzeugende Leistung, die auf einen gehörigen Lernprozess schließen lässt. "Wir haben von Anfang an umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben sehr gut gestanden und kaum etwas anbrennen lassen", lobte Starke seine Vorderleute.

Umstellungen in der Viererkette

Noch in Mainz hatte man mit einer gewohnt offensiveren Gangart vier Gegentreffer kassiert und mit 2:4 verloren. Jetzt zog man sich weiter zurück, agierte dadurch defensiv deutlich kompakter und unterband so zum Großteil das Kombinationsspiel des Gegners. "Die Mannschaft hat richtig gut verteidigt", meinte auch der Trainer.

Die reife Defensivleistung der Hoffenheimer ist umso höher einzuordnen, da Rangnick die Mannschaft in Dortmund auch in der Defensive erneut umbauen musste. Nach den Ausfällen von Ibertsberger und Simunic war Compper in die Innenverteidigung gerückt, rechts verteidigte Beck und links überraschte der Coach mit Luiz Gustavo.

Das erwies sich als Glücksgriff: Der Brasilianer agierte im Zweikampf kompromisslos und setzte zugleich Akzente im Offensivspiel. Es war kein Zufall, dass er mit 68 Prozent der gewonnen Zweikämpfe den besten Wert aller Profis aufwies und auch die meisten Ballkontakte auf Seiten der Gäste verzeichnete. Zudem leitete er mit seiner Balleroberung und seinem Vorstoß das frühe Führungstor von Demba Ba ein.

Rangnick plant Veränderungen

Im DFB-Pokal am Mittwoch gegen den Zweitligisten FC Ingolstadt könnte Rangnick Luiz Gustavo trotzdem eine Pause gönnen. Es sei "gut möglich, dass wir ein paar Wechsel vornehmen und einigen Spielern eine Ruhepause gönnen", hat der Trainer angekündigt.

Eines aber will 1899 auf jeden Fall mitnehmen - den Schwung, den die Mannschaft in Dortmund an den Tag legte. Das Pokalduell gilt dabei aber nur als Pflichtaufgabe, denn schon am Sonntag steigt daheim das nächste Spitzenspiel: Dann trifft Hoffenheim als 4. der Liga auf den Tabellendritten Hannover 96. Und dann soll es auch nach 93 Minuten noch für drei Punkte reichen.

Dietmar Nolte