Hamit Altintop muss erst einige Sekunden nachdenken. Dann sagt er: "Für die Mannschaft auf jeden Fall und ja, für mich auch." Die Frage war, ob es sich um das Spiel seines Lebens handelt, am Samstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) im Estadio Santiago Bernabeu gegen Inter Mailand.

Und gezögert hat er deshalb, weil ihm noch niemand gesagt hat, dass er sicher in der Startaufstellung steht. Doch da muss sich der 27-jährige Mittelfeldspieler wohl keine großen Sorgen machen.

Allzu viele Einsätze hatte der türkische Nationalspieler zwar nicht gehabt in dieser Saison, 15 waren es in der Bundesliga, davon nur einmal über 90 Minuten. Doch im Viertelfinale gegen Manchester United sprang er für Arjen Robben ein und im Halbfinal-Rückspiel der Champions League bei Olympique Lyon zeigte er besonders eindrucksvoll, dass er trotz der geringen Spielpraxis in bester Form und eingespielt ist.

Für Zielstrebigkeit belohnt

Mit Altintop gelang es in Lyon, über links genauso viel Druck zu machen wie über Bayerns Sahne-Seite, besetzt von Philipp Lahm und Robben. Dabei ist es für Altintop die ungewohnte Seite und die Erwartungen waren hoch gewesen - immerhin musste er Franck Ribery ersetzen. Es war jenes Spiel, das der Präsident des FC Bayern als "fast perfekt" bezeichnete.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist Uli Hoeneß nicht aus dem Schwärmen heraus gekommen. So wird Altintop wohl auch am kommenden Samstag auf links spielen, nachdem der Franzose nach dem CAS-Urteil nun endgültig nicht mit von der Partie sein wird. "Wir hatten in dieser Saison Höhen und Tiefen. Aber wer ehrlich und zielstrebig arbeitet, der wird belohnt, und deswegen genießen wir es auch einfach nur, im Finale zu stehen", sagt Altintop - doch es hört sich ein bisschen so an, als ob er auch sich selbst damit meint.

"Wollen als Mannschaft erfolgreich sein"

Altintop sieht sich in der Rolle des geduldigen Reservisten. "Wir haben in den letzten Wochen und Monaten alle Eitelkeiten zur Seite gelegt. Nur so ist es uns gelungen, immer wieder die entscheidenden Tore zu machen. Die Stimmung und die Harmonie sind einfach gut", sagt er. Harmonisch geht es für ihn auch in Madrid zu: Sechs Familienmitglieder werden im Stadion sein, wenn Hamit Altintop aufläuft.

Was seine Zukunft im Verein angeht, so findet der Mittelfeldspieler, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei, darüber zu reden. "Das wäre fatal. Wir wollen als Mannschaft erfolgreich sein und Geschichte schreiben." Doch nur wenige Wochen danach läuft sein Vertrag aus. Erste Gespräche seien bereits geführt worden, und diese seien gut verlaufen. "Ich hänge sehr an diesem Club. Aber die Perspektive muss dann auch stimmen", sagt er.

Im Moment weiß der FC Bayern nur, dass trotz des Ausfalls von Franck Ribery die Perspektiven für das Finale in Madrid auch dank Hamit Altintop ebenfalls nicht die schlechtesten sind.

Christoph Leischwitz