München - Meister Dortmund vor der Brust und Lionel Messi im Kopf: Innerhalb von vier Tagen kann Bayer Leverkusen in der Bundesliga und im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Titelverteidiger FC Barcelona viel gewinnen, aber auch schon alles verlieren. Die Bayern wollen derweil nach dem überzeugenden Sieg im Pokalviertelfinale nun gegen den FCK nachlegen.

In Stuttgart kämpfen der VfB und die Hertha um eine Trendwende. Markus Babbel feiert in Bremen sein Debüt als Hoffenheim-Coach. Und Hannover will auch in Mainz weiter ohne Niederlage im Jahr 2012 bleiben. Im Live-Ticker von bundesliga.de sind Sie bei den Samstagspartien ab 15 Uhr live dabei. So ist es um die Stimmung und die Personalsituation bei den Vereinen bestellt:

Neun Punkte beträgt der Abstand der Leverkusener vor dem Liga-Spitzenspiel in Dortmund zu den ersten vier Plätzen, die zum Start in der lukrativen "Königsklasse" berechtigen. "Man muss sich nur die Tabellen anschauen, wir müssen endlich eine Serie starten, um den Anschluss zu halten", sagte Bayer-Torjäger Stefan Kießling. Trainer Robin Dutt versucht derweil, Barcelona - zumindest bis Samstag 17:15 Uhr - aus dem Wortschatz zu streichen. "Wir konzentrieren uns nur auf Dortmund", sagte der Bayer-Trainer. Der BVB, so Dutt, spiele den derzeit besten und erfolgreichsten Fußball in Deutschland und man wolle mit den eigenen Stärken punkten. "In den letzten zehn Spielen hat nur eine Mannschaft gegen uns gewonnen - und das war Nürnberg", erklärte Dutt und redete seine Mannschaft stark. Kießling hingegen hatte die Erklärung für die fehlenden Siege und Punkte parat: "Fußballerisch hinken wir in dieser Saison hinterher."

Bender schon wieder einsatzbereit

Bei den Borussen läuft es hingegen derzeit wie geschmiert. Drei Spiele, drei Siege und der Einzug ins Pokal-Halbfinale - so die Bilanz der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp in der Rückrunde. Der BVB will zudem seine Serie von 14 Spielen ohne Niederlage (36 Punkte) ausbauen und Verfolger Bayern München auf Distanz halten. "Wir spielen gegen einen unfassbar starken Gegner", warnte Klopp voller Respekt. Immerhin ist Bayer seit sechs Auswärtsspielen unbesiegt und entschied drei der letzten sechs Auftritte in Dortmund für sich. Von den letzten neun Duellen gewann Bayer jedoch nur eines, mit 2:0 am 11. August 2010 beim Start ins Dortmunder Meisterjahr. Danach blieb der BVB bis zur Herbstmeisterschaft 15 Runden ungeschlagen. Klopp ist taktisch gerüstet. Daran änderten zuletzt auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Sven Bender (Sprunggelenk) und Mario Götze (Schambeinentzündung) nichts. Für Bender sprang der 19 Jahre alte Moritz Leitner im Pokalspiel bei Holstein Kiel (4:0) in die Bresche und verdiente sich Bestnoten. Gegen Leverkusen könnte Bender aber bereits in wieder in die Startelf zurückkehren - nur eine Woche nach seiner Verletzung (Anriss des Außenbandes im Sprunggelenk, Dehnung des Syndesmosebandes). Die gute Bank ist derzeit Klopps größtes Pfund. Nicht ausgeschlossen, dass Joker Ivan Perisic für Dauerläufer Kevin Großkreutz im Mittelfeld zum Einsatz kommen wird.

Nach nur vier Punkten aus drei Rückrundenspielen sah sich FCB-Coach Jupp Heynckes beim Pokalspiel in Stuttgart zu Umstellungen in der Offensive gezwungen. Der 66-Jährige setzte Arjen Robben auf die Bank, zog Thomas Müller auf rechts und ließ Toni Kroos hinter den Spitzen ran. Die Umstellung brachte den gewünschten Erfolg - die verloren geglaubte Dominanz war zurück. In ähnlich souveräner Manier wollen die Münchner in den kommenden Wochen Dortmund die Tabellenführung abjagen. Gegen den FCK steht Heynckes allerdings wieder vor der Frage: Thomas Müller oder Arjen Robben? Denn auf eines hat sich Heynckes am Freitag bereits festgelegt: Auf den Positionen vor der Abwehr, die nach dem Ausfall von Bastian Schweinsteiger von Luiz Gustavo und David Alaba besetzt wurden, wechselt er erst mal nicht. Er denke, "dass ich da nichts ändern muss." Also wird auch Toni Kroos nicht zurückgezogen, um damit einen Platz in der Dreierreihe hinter Angreifer Mario Gomez freizumachen. Neben Schweinsteiger fehlen die verletzten Breno, van Buyten und Contento.

"Schwieriger als im letzten Jahr"

FCK-Trainer Marco Kurz bewertet die Lage beim Tabellen-16. vor dem schweren Auswärtsspiel als kritisch. "Den Moment, für einen Schwung im Umfeld zu sorgen, haben wir verpasst. Die Situation ist schwieriger als im letzten Jahr", sagte Kurz dem "kicker". Dass sein Team wie beim jüngsten Platzverweis von Neuzugang Ariel Borysiuk im Abstiegskampf die Nerven verliert, glaubt der 42-Jährige aber nicht. "Diese Situationen kommen vor. Wir müssen sie meistern", sagte Kurz, der aber einräumte: "Gelingt uns das nicht, dann haben wir auch nicht die Qualität für diese Liga nachgewiesen." Trotz der schwierigen Aufgabe rechnet Kurz mit einer Überraschung seines Teams beim deutschen Rekordmeister. "Wir werden nicht ehrfürchtig sein und uns gut präsentieren. Auch in München sind Punkte zu vergeben, die man sich erarbeiten kann." Personell muss Kurz auf die noch angeschlagenen Jan Simunek und Dorge Kouemaha sowie auf Pierre De Wit verzichten, der nach überstandener Grippeerkrankung auf dem Weg der Genesung ist. Fraglich ist zudem der Einsatz von Alexander Bugera.

VfB-Trainer Bruno Labbadia hat seine Mannschaft nach der Pokalpleite gegen Bayern München und vor dem Krisengipfel in Schutz genommen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass man einige Spieler am Flutlichtmast aufgehängt sehen will. Aber wir gestehen jedem Fehler zu", sagte der 46-Jährige. Beim 0:2 gegen den deutschen Rekordmeister hatten die Schwaben einen spielerischen Offenbarungseid abgeliefert. "Aus diesem Spiel können wir wirklich nichts Positives mitnehmen", sagte Angreifer Julian Schieber gegenüber bundesliga.de: "Wir fragen uns alle, warum das passiert ist." Labbadia hat viele Gespräche mit seinen Spielern geführt hat, um diesen Rückschlag aufzuarbeiten. Gegen Berlin, das in der Rückrunde noch ohne Punkt ist, müsse der VfB an die Leistung bei Bayer Leverkusen (2:2) anknüpfen. "Hertha BSC strotzt auch nicht vor Selbstvertrauen", sagte Labbadia. Stuttgart, das als Tabellen-Elfter mit 23 Zählern nur fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, kann sich durch einen Sieg gegen den Tabellen-15. Luft verschaffen. Bei der Jagd nach dem ersten Rückrundensieg kommt der Japaner Gotoku Sakai zu seinem Bundesliga-Debüt. Der Winter-Neuzugang rückt für den rot-gesperrten Cristian Molinaro in die Viererkette.

"Müssen nach vorne schauen"

Die Gäste aus der Hauptstadt bezogen beim Pokalaus gegen Borussia Mönchengladbach (0:2) die vierte Pflichtspielniederlage unter Trainer Michael Skibbe und befinden sich ebenfalls im Sinkflug. Hertha-Trainer Michael Skibbe ist nach dem Pokalaus noch immer bedient. "Es ist schade, dass wir auf unwürdige Weise verloren haben, aber wir müssen jetzt nach vorne schauen", sagte der 46-Jährige mit Blick auf das wichtige Auswärtsspiel beim VfB. Dort muss Skibbe, der mit seinem Team nach vier Pleiten in vier Pflichtspielen unter seiner Leitung unter Druck steht, auf Fabian Lustenberger verzichten. Der Schweizer zog sich im Spiel gegen Gladbach eine schwere Fußprellung zu und steht nicht zur Verfügung. Gebrochen sei aber nichts, sagte Skibbe. Lustenberger hatte sich in der Vergangenheit bereits zwei Mal den Mittelfuß gebrochen.

Die zu Saisonbeginn so heimschwachen Mainzer holten aus den letzten vier Heimspielen zehn von zwölf möglichen Punkten. Diesen Trend wollen die 05er gegen Hannover bestätigen. Mit einem Erfolg würden die Rheinhessen die Abstiegszone zumindest ein Stück weit hinter sich lassen. Thomas Tuchel weiß aber um die Schwere der Aufgabe gegen die 2012 noch unbesiegten Gäste. "Unser Ziel ist auf jeden Fall mindestens ein Tor zu schießen", sagte der Mainzer Trainer: "Hannover ist und bleibt taktisch hervorragend organisiert, extrem laufstark, stark im Umschalten, brandgefährlich in der Offensive", so der 05-Coach über die Gäste. Um gegen sie zu bestehen gelte es unter anderem "Umschaltsituationen zu verhindern und gegnerische Flanken zu unterbinden". Adam Szalai steht wieder zur Verfügung. Der Ungar hat seine Oberschenkelverhärtung auskuriert und wieder mit der Mannschaft trainiert. Andreas Ivanschitz wird wahrscheinlich wieder im Kader stehen. Weiterhin fehlen Marcel Risse, Bo Svensson und Stefan Bell.

Schulz auf der Kippe

Hannover 96 bangt vor dem Gastspiel in Mainz um den Einsatz von Christian Schulz. Der Abwehrspieler, der beim 1:0-Sieg Hannovers am vergangenen Wochenende in Berlin wegen eines Hexenschusses nach einer halben Stunde ausgewechselt worden war, klagt noch immer über Rückenprobleme. "Ich weiß noch nicht, ob er auflaufen kann", sagte 96-Trainer Mirko Slomka am Donnerstag. Sicher wieder dabei ist hingegen Karim Haggui. Nach dem Ausscheiden seines Teams beim Afrika-Cup ist der tunesische Innenverteidiger nach Hannover zurückgekehrt. Der Tabellensiebte will seinen positiven Trend in Mainz fortsetzen. "Wenn wir auch in der nächsten Saison international spielen wollen, müssen wir öfter auswärts gewinnen", sagte Slomka. Auf Didier Ya Konan muss er dabei verzichten, der Stürmer steht mit der ivorischen Auswahl im Finale des Afrika Cups.

Ohne Torjäger Claudio Pizarro peilt Werder gegen 1899 Hoffenheim drei Punkte an. Die Bremer wollen im Kampf ums internationale Geschäft nachlegen. "Die Qualität, die Claudio besitzt, haben wir sonst nicht auf dem Platz", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf: "Jetzt müssen sich andere Spieler in den Vordergrund spielen." Für den gelbgesperrten Pizarro, der mit 15 Treffern in dieser Saison bislang fast die Hälfte aller 33 Bremer Saisontore erzielt hat, wird wohl der Österreicher Marko Arnautovic stürmen. Verzichten muss Schaaf neben den Langzeitverletzten Tim Borowski und Aron Hunt auch weiterhin auf die Abwehrspieler Naldo und Sebastian Prödl. Dagegen kehrt Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede nach abgesessener Gelbsperre in die Mannschaft zurück. Schaaf bedauert die Entlassung seines Kollegen Holger Stanislawski in Hoffenheim. "Ich habe ihn als guten Typen und engagierten Trainer kennenglernt", sagte Schaaf und ergänzte: "Ob der neue Mann für Ruhe und Klarheit sorgen wird, kann ich nicht sagen." Er werde jedoch mit neuen Ideen Bewegung in den Kader bringen und Veränderungen vornehmen.

Debüt für Trainer Markus Babbel

Hoffenheims neuer Trainer Markus Babbel will beim strauchelnden Kraichgau-Club für die Kehrtwende sorgen. "Wir wollen versuchen, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Dafür müssen wir aber alle an einem Strang ziehen. Wenn ich nicht überzeugt wäre, hätte ich es ohnehin nicht gemacht. Wir müssen die Mannschaft wieder auf ihre Stärken besinnen", sagte Babbel. Nach nur einem Sieg aus den letzten zehn Spielen und dem unrühmlichen Pokal-Aus gegen Zweitligist SpVgg Greuther Fürth (0:1) ist die Moral bei 1899 derzeit am Boden. "Es ist sicher ein negativer Trend da, den müssen wir jetzt stoppen. Wir werden richtig hart arbeiten", sagte Babbel. Das Amt des Co-Trainers bekleidet künftig Rainer Widmayer, mit dem Babbel bereits beim VfB Stuttgart und Hertha BSC zusammengearbeitet hatte. Verzichten muss das neue Trainerteam auf Ryan Babel, Sejad Salihovic (beide gelbgesperrt), Matthias Jaissle, Andreas Ibertsberger (beide Aufbautraining) und Isaac Vorsah (Afrika-Cup).