Mailand/Hamburg - Das Ergebnis in Mailand machte den Tross des Deutschen Fußball-Bundes nur bedingt glücklich. Noch weniger erfreut waren die Verantwortlichen und Spieler über das verletzungsbedingte Ausscheiden von Mittelfeldstratege Sami Khedira. Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat das 1:1 in Italien aber dennoch wichtige Aufschlüsse gegeben.

"Wir haben unsere Gegner ganz bewusst ausgesucht, denn wir wollen Testspiele auf einem sehr hohen Niveau. Italien ist in der Defensive taktisch die variabelste Mannschaft. Und da hat man Probleme, sich darauf einzustellen und Lösungen zu finden", erklärte Joachim Löw nach seinem 100. Länderspiel als Bundestrainer.

Löw: "Sehr gute kämpferische Leistung"



Sein Fazit nach intensiven 90 Minuten auf einem nach tagelangen Regenfällen schwer zu bespielenden Rasen fiel eher positiv aus. "Ich bin schon zufrieden. Wir haben eine sehr, sehr gute kämpferische Leistung gezeigt. Die Dinge, die wir besprochen und trainiert haben, haben gut geklappt", so Löw.

In der Schule hätte man dem deutschen Kollektiv wohl ein Befriedigend erteilt. Denn auch wenn vor allem im ersten Durchgang über weite Strecken prächtig kombiniert wurde, so fiel der Spielaufbau nach der Pause doch sehr ab. "In der zweiten Halbzeit haben wir es verpasst, noch mehr nach vorne zu spielen und Italien unter Druck zu setzen", haderte Löw.

Unrunde Offensive, ordentliche Defensive



In Abwesenheit der etatmäßigen Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez agierte Mario Götze als Stürmer. Der Bayern-Star konnte sich bis zu seiner Auswechslung zu keiner Zeit durchsetzen, bekam aber auch von den offensiven Mittelfeldspielern Andre Schürrle, Toni Kroos und Thomas Müller zu wenig Unterstützung. "Vom Gefühl her hatten wir gute Passagen. Aber wir sind nur schwer in den Strafraum reingekommen", übte Müller Selbstkritik.

Während dieses Mal also die Offensive trotz dreier Aluminumtreffer einen eher schwächeren Tag erwischte, machte die Defensive ihre Sache recht ordentlich. Daran änderte auch die Nachlässigkeit beim Gegentreffer nichts.

Vor allem die beiden Außenverteidiger Benedikt Höwedes und Marcell Jansen, die etwas überraschend in der Startformation standen, gaben ein beachtliches Empfehlungsschreiben im Hinblick auf die WM ab.

"In diesem Spiel war alles drin. Pfosten, Latte, Zweikämpfe. Wir standen in der Defensive kompakt und haben es spielerisch sehr gut gelöst. Wir mussten hellwach sein und gut verschieben", meinte Jansen, für den es persönlich nun entscheidend ist, "Gas zu geben und dran zu bleiben".

Lahm auf der Sechs, Löw bei Nummer 112



Vor der Viererkette fand sich - wie im Verein beim FC Bayern - Kapitän Philipp Lahm wieder, der sich aber im Gegensatz zur Bundesliga nur selten in die Offensive einschalten konnte. "Wir wollten uns heute etwas weiter zurückziehen, damit immer einer vor der Abwehr agiert. Das war ganz ordentlich. Dass wir uns aber in jedem Spiel verbessern können, ist auch klar", sagte Lahm.

Beim nächsten Freundschaftsspiel am Dienstag in England wir der DFB-Kapitän nicht dabei sein. Löw verzichtet auf ihn sowie Torhüter Manuel Neuer und Mesut Özil. Daher dürften wohl Kroos und der Dortmunder Sven Bender als Doppelsechs auflaufen.

Insgesamt wird der Bundestrainer in seinem dann 101. Länderspiel wohl noch weitere Veränderungen im Vergleich zum Italien-Spiel vornehmen. Auf die Zahl seiner Einsätze angesprochen, reagierte Löw im "ZDF" schlagfertig und humorvoll.

"Das 100. Länderspiel war für mich gar nicht von so großer Bedeutung. Das 112. Länderspiel wäre für mich wichtig. Da gäbe es vielleicht was zu feiern, denn das wäre der Endspieltag in Brasilien. Da gäbe es dann einen Caipirinha statt einen Grappa."

Michael Reis