Dortmund - Das Revierderby ist gelebter Fußball – und das Duell zwischen dem BVB und Schalke 04 am Sonntag war einmal mehr der beste Beweis dafür: Gleich fünf Tore, intensive Zweikämpfe und Spieler, die mit Bestleistungen zu neuen Helden werden, wie die Derby-Nachlese von bundesliga.de zeigt.

Mit dem 3:2-Erfolg der Dortmunder gab es am Ende einen Sieger in Schwarz-Gelb, an dessen Feiermodus allein man den Wert dieses Spiel ablesen konnte. Thomas Tuchel ballte mit dem Abpfiff die Fäuste und brüllte seine Freude heraus, die Spieler hüpften wie kleine Kinder über den Rasen und das ganze Stadion skandierte ausgelassen „Derbysieger, Derbysieger“.

Aber es gab noch einen weiteren Gewinner an diesem Tag, und das war der Fußball. Leidenschaftlich und intensiv ging es auf dem Platz zur Sache. Umkämpft waren die Zweikämpfe, aber nicht unfair. Sieben Mal musste Schiedsrichter Felix Brych trotzdem die Gelbe Karte zücken – nur in vier anderen Duellen dieser beiden Klubs gab es überhaupt mehr Gelbe Karten.

Ein echtes Torspektakel

Mit fünf Treffern sorgten die Mannschaften zudem für ein Torspektakel, das es so seit 13 Duellen zwischen den beiden Revierklubs nicht mehr gegeben hat. Man muss schon bis in den September 2008 zurückdenken, um ein Revierderby zu finden, das noch torreicher war – 3:3 endete das Spiel damals.

Auch die Gäste aus Gelsenkirchen hatten ihren Anteil daran, dass aus der Partie ein echtes Top-Spiel wurde. Schalke gab neun Torschüsse ab. Mehr waren es seit jenem 3:3 vor sieben Jahren bei einem Auswärtsspiel in Dortmund nur ein Mal. Auf der anderen Seite hielt sich der BVB dieses Mal für seine Verhältnisse zurück. Lediglich 14 Torschüsse gaben die Borussen ab - nur ein Mal waren es in einem Heimderby seit 2008 weniger, dafür aber in der vergangenen Saison mit 31 Versuchen sogar mehr als doppelt so viele.

Das war vor allem der starken Defensive der Schalker geschuldet, die den Dortmundern zu Beginn des Spiels das Leben schwer machte. Der BVB gab erst nach 28 Minuten seinen ersten Torschuss ab. Dafür war Schwarz-Gelb dieses Mal ein Muster an Effektivität. Jeder fünfte Torschuss traf ins Schwarze – das war am Ende entscheidend.

Einer, der dabei auf Dortmunder Seite offenbar besonders gerne gegen die Königsblauen trifft, ist Shinji Kagawa. Der Japaner erzielte bereits sein drittes Derbytor und schoss damit gegen keinen anderen Klub der Bundesliga mehr Tore als gegen Schalke. Dass ausgerechnet der nur 175 Zentimeter große Kagawa zum erst zweiten Mal in seiner Karriere per Kopf traf, geht als kuriose Randnotiz in die Geschichte ein, passte aber ins Bild dieser Partie: Insgesamt gewann der BVB 68 Prozent aller Kopfballduelle und hatte deutlich die Lufthoheit.

Ginter schwingt sich zum Helden auf

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Aber nicht nur der gefeierte Shinji genießt nach diesem Derby Heldenstatus bei den schwarz-gelben Anhängern. Gleiches gilt natürlich für die Tormaschine des BVB, Pierre-Emerick Aubameyang. Zum vierten Mal lief er von Beginn an in einem Derby gegen Schalke auf. Und in all diesen Spielen schoss er ein Tor. Dass der Gabuner mit seinem 14. Saisontor in der Torjägerliste der Liga zu Bayerns Robert Lewandowski aufgeschlossen hat, rundete den Derbytag für ihn ab. So viele Treffer hatte im BVB-Dress übrigens zuvor einzig Manni Burgsmüller in der Saison 1980/81 auf dem Konto.

Auf der anderen Seite hätte ein Schalker fast zum Derby-Helden werden können. Klaas-Jan Huntelaar schnürte in seinem zehnten Duell gegen den BVB seinen ersten Derby-Doppelpack, weil er seine beiden Chancen konsequent nutzte. Erstmals traf er dabei überhaupt in Dortmund und schob sich ganz nebenbei mit 72 Bundesligatoren auf Rang drei der königsblauen Torschützenliste hinter Klaus Fischer und Ebbe Sand. Und mit Leroy Sane sorgte auch einer seiner potentiellen Nachfolger als Schalke-Goalgetter bei seiner Derby-Premiere gleich für Furore. Der 19-Jährige legte zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich auf.

Die Heldenrolle aber steht den Siegern zu – und darum war mit Matthias Ginter auch ein Dortmunder Borusse am Ende der Mann dieses Spiels, der ganz entscheidend die Geschichte dieses Revierderbys schrieb. Der Rechtsverteidiger glänze als Torschütze mit Saisontreffer Nummer zwei – so viele wie in seinen ersten vier Bundesliga-Spielzeiten zusammen. Zudem legte er für Kagawa auf und verbuchte damit bereits den fünften Assist. Kein Dortmunder und auch kein Defensivspieler gab ligaweit mehr Torvorlagen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte