Mönchengladbach - Nun hat es sie also erwischt. Zum ersten Mal in dieser Saison steht die Mannschaft des SC Paderborn 07 nicht mehr über dem Strich, sondern auf dem Relegationsplatz.

Nach der 0:2-Niederlage in Mönchengladbach (Spielbericht) und dem Berliner Sieg gegen Augsburg stecken die Ostwestfalen nun auch tabellarisch mitten im Abstiegskampf. Doch aus der Ruhe bringt das niemanden.

"Es ist kein besonderes Gefühl, auf dem Relegationsplatz zu stehen", sagt Paderborns Mannschaftskapitän Uwe Hünemeier. "Für uns war es von Anfang an klar, dass es für uns bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt geht. Jetzt stehen wir ein Stück weit tiefer als vorher in der Saison. Aber wir haben es in der eigenen Hand."

Harmlosigkeit als roter Faden

Nach dem missglückten Rückenrundenstart, dem kurzen Zwischenhoch mit vier Punkten aus den beiden Spielen in Köln und Hannover war der Aufsteiger gegen die Bayern und in Mönchengladbach weitgehend chancenlos. Die nächste Aufgabe gegen den Vierten Leverkusen wird auch nicht einfacher, danach folgen dann wieder die Gegner, gegen die sich Paderborn berichtigte Chancen ausrechnet.

Im Borussia-Park spielte der SCP gefällig mit, blieb bei seinen Offensivaktionen allerdings harmlos. Das zieht sich nun seit Wochen wie ein roter Faden durch die Partien des Neulings, der in den letzten sieben Spielen sechsmal ohne Torerfolg blieb. "In der Hinrunde hat uns stark gemacht, dass wir viele Tore geschossen haben. Das war unser Faustpfand", weiß Uwe Hünemeier. "Leider schaffen wir es im Moment nicht, aus unseren Möglichkeiten Tore zu erzielen."

Die Unbekümmertheit ist verloren gegangen, der Hurrafußball der ersten Spieltage Vergangenheit. Nur ein Sieg gelang in den letzten 13 Spielen, die Konkurrenz hat sich inzwischen auf Paderborn eingestellt, das Überraschungsmoment fällt weg. Die Ostwestfalen müssen sich jeden einzeln Punkt hart erkämpfen. Vier waren es in der Rückrunde. 2:17 lautet die Torbilanz im Jahr 2015, bei allen vier Niederlagen hatte die Elf von Andre Breitenreiter nicht viel zu bestellen.

Kein Anlass zur Panik

Doch Anlass zur Panik besteht auch nicht. Erfreulich unaufgeregt geht Paderborn mit der Situation um, die erst viel später eingetreten ist, als allgemein erwartet worden war. "Wir waren darauf vorbereitet. Es kommen aber noch genügend Gegner, gegen die wir punkten können und müssen", glaubt Freistoßspezialist Alban Meha. "Die Saison ist noch lange, die anderen punkten auch nicht. Es ist noch alles drin für uns."

Um wieder in die Spur zu kommen, muss wieder mehr defensive Stabilität ins Spiel des Aufsteigers. Auch das Glück, das bei zwei abgefälschten Bällen, die in Mönchengladbach zu den Gegentoren führten, fehlte, wollen sie wieder auf ihre Seite ziehen. "Wir müssen uns das Glück erarbeiten", sagt Uwe Hünemeier. "Die Mannschaft ist intakt, keiner fällt aus der Reihe. Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass wir schon tot sind. Das sind wir noch lange nicht. Und das werden wir im nächsten Spiel zeigen und mit uns allem wehren, was wir haben."

Am nächsten Sonntag bekommt der SC Paderborn 07 gegen den Champions-League-Achtelfinalisten Bayer 04 Leverkusen die nächste Gelegenheit seine Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. Im Hinspiel entführte der SCP beim 2:2-Unentschieden einen Punkt aus der BayArena. Das sollte Mut machen.

Tobias Gonscherowski