Rudi Völler, Stürmerlegende, Ex-Bundestrainer und Sportdirektor bei Herbstmeister Bayer 04 Leverkusen.

Im Exklusiv-Interview bei bundesliga.de spricht Völler über die tolle Hinrunde der Leverkusener, was die Mannschaft jetzt noch starker macht und die Erwartungen für das Saisonende.

bundesliga.de: Herr Völler, wie sehr haben Sie es als Bayer-Sportdirektor genossen, mit der Herbstmeisterschaft die Weihnachtstage verbringen zu können?

Rudi Völler: Ja, es ist natürlich eine schöne Angelegenheit, wenn man eine gute Vorrunde spielt. Wir haben kein einziges Mal verloren. Wir hatten einige verletzungsbedingte Ausfälle, die wir hervorragend durch junge Spieler, die wir im Sommer verpflichtet haben, aufgefangen haben. Deshalb freut es uns natürlich, dass wir vorne stehen - obwohl wir mit dieser Herstmeisterschaft sehr realistisch umgehen. Wir wissen, dass die Mannschaften hinter uns sehr, sehr stark sind. Vor allen Dingen Bayern München ist immer der große Favorit.

bundesliga.de: Welches Spiel der Hinrunde von Bayer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Völler: Wir haben sehr souverän das Derby in Köln gewonnen. Das war mit das wichtigste Spiel, gerade nach einer Niederlage vorher im Pokal, dass du dann drei Tage später wieder zurück schlägst. Ich glaube, das hat uns sehr großen Auftrieb gegeben.

bundesliga.de: Wie groß ist der Anteil von Trainer Jupp Heynckes am Erfolg bisher?

Völler: Wie immer, wenn es dann so gut läuft, hat der Trainer zu Recht einen großen Anteil. So hatten wir uns das auch vorgestellt: Jupp Heynckes mit seiner Riesenerfahrung, mit seinem Wissensschatz und vor allen Dingen auch mit seiner Gabe mit jungen Spielern umgehen zu können. Das hat er immer bewiesen, bei allen Vereinen, wo er unter Vertrag war. Er versucht wirklich die jungen Spieler zu fördern, sie besser zu machen und ihnen etwas beizubringen. Das hat funkitoniert. Unabhängig von der Tabellensituation, das würde ich auch sagen, wenn wir jetzt nicht so weit oben stehen würden. Das hat bis jetzt hervorragend geklappt.

bundesliga.de: Welche Spieler sind Ihrer Meinung nach das Gerüst für den Erfolg der Mannschaft?

Völler: Der Spieler der Vorrunde war auf jeden Fall Stefan Kießling, der für mich in den letzten zwei Jahren einen Riesensprung gemacht hat, was seine Möglichkeiten anbetrifft. Er hat sich fußballerisch verbessert, er ist kopfballstärker geworden, er ist robuster geworden und hat den Torinstinkt, den man als Mittelstürmer braucht, um viele Tore zu erzielen. Er hat eine tolle Vorrunde gespielt. Natürlich gibt es auch Sami Hyypiä, der in aller Munde ist. Toni Kroos hat eine super Vorrunde gespielt - er hat sich auch als Typ auf dem Platz weiterentwickelt: Auch er ist robuster geworden, geht noch extremer in die Zweikämpfe, arbeitet viel nach hinten, schießt tolle Tore.

bundesliga.de: Gibt es eigentlich einen Zeitpunkt in der Saison, ab wann man Sie konkret auf einen möglichen Gewinn der Deutschen Meisterschaft ansprechen darf?

Völler: Ich glaube, das ist im Grunde gar nicht so wichtig. Wir sind selbstbewusst genug, dass wir vorne dabei bleiben wollen, dass wir wieder international spielen wollen - wenn es geht auch die Teilnahme an der Champions League, das ist das große Ziel. Ob es dann für ganz vorne reicht, das hängt von Verletzungsproblemen ab und auch von Bayern München, die ja immer die besten sind im Grunde…

bundesliga.de: Aber Sie wehren sich auch nicht dagegen, wenn es zum Titel reicht?

Völler: Ja, aber es ändert ja nix, ob wir jetzt irgendwelche Dinge raushauen, das wir Deutscher Meister werden oder nicht. Wir gucken von Spiel zu Spiel und versuchen, relativ lange vorne zu bleiben. Aber dafür ist es vorne einfach zu eng zusammen.

Das Gespräch führte Thomas Mörs