Dieter Hoeneß, seit dem 15. Januar Vorsitzender der Geschäftsführung beim VfL Wolfsburg, will beim Deutschen Meister die Wende herbeiführen.

Im Interview mit bundesliga.de gibt Hoeneß "auf Sicht eine Platzierung im oberen Tabellendrittel" vor. Auch beim Thema Neuzugänge redet der Ex-Hertha-Manager Tacheles: "Wenn jemand auf dem Markt ist, der uns weiterbringt und wir es finanziell realisieren können, werden wir handeln. Aber auch nur dann."

bundesliga.de: Herr Hoeneß, herzlich willkommen zurück in der Bundesliga. Sie sind ein "alter Hase" im Profifußball. Hat es vor der Partie in Stuttgart nach einem halben Jahr Pause dennoch besonders gekribbelt?

Dieter Hoeneß: Natürlich war eine gewisse Nervosität da. Aber die hatte nichts damit zu tun, dass ich jetzt wieder in die Bundesliga zurückgekehrt bin. Dieses Kribbeln gibt es vor jedem Spiel. Die Pause habe ich nach über 13 Jahren bei Hertha BSC Berlin gebraucht, um Zeit für mich zu haben, meinen Akku wieder aufzuladen. Mit dem Engagement beim VfL ist das Kapitel Hertha jetzt endgültig abgeschlossen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Niederlage beim VfB?

Hoeneß: Sie ist natürlich ärgerlich, vor allem, weil mehr drin war. Was mich aber optimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass die Mannschaft reagiert hat und am Ende richtig guten Fußball gezeigt hat. Auch wenn es nicht mehr für einen Punkt oder Sieg reichte.

bundesliga.de: Der VfL hat bereits 35 Gegentore kassiert. Ist das der alleinige Grund für die bisher recht enttäuschend verlaufende Saison, oder sehen Sie noch andere "Baustellen"?

Hoeneß: 35 Gegentore sind definitiv zu viel für eine Spitzenmannschaft und natürlich ausschlaggebend für unsere momentane Situation. Ich bin erst zu kurz bei der Mannschaft, um mir ein umfassendes Gesamtbild zu machen. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass großes Potenzial im Team steckt.

bundesliga.de: Die Erwartungshaltung ist in Wolfsburg - vor allem bei den Fans - nach der Meisterschaft riesengroß. Lastet dieser Druck zu sehr auf den Schultern der Spieler?

Hoeneß: Diesen Eindruck könnte man mit Blick auf die Hinrunde haben. Ich denke, da spielen mehrere Faktoren zusammen. Die Mannschaft muss sich davon freimachen, den Titel erfolgreich verteidigen zu müssen. Davon konnte vor der Saison niemand im Verein und im Umfeld ausgehen. Was wir aber auf Sicht verlangen, ist eine Platzierung im oberen Tabellendrittel.

bundesliga.de: Werden Sie den Kader im Januar noch verstärken?

Hoeneß: Das haben wir vor, ja. Wenn jemand auf dem Markt ist, der uns weiterbringt und wir es finanziell realisieren können, werden wir handeln. Aber auch nur dann.

bundesliga.de: Am kommenden Wochenende gastiert der 1. FC Köln in der Volkswagen Arena. Auch die "Geißböcke" sind mit einer Niederlage in die Rückrunde gestartet. Beide Mannschaften stehen unter Druck. Was für eine Partie erwarten Sie?

Hoeneß: Ich schaue in erster Linie auf meine Mannschaft. Ich erwarte eine deutliche Reaktion. Gegen Köln muss ein Sieg her.

bundesliga.de: Was ist für den VfL in der Rückrunde noch drin? Geht der Blick nur nach oben, oder richtet er sich auch nach unten?

Hoeneß: Wir können die Lage realistisch einschätzen. Natürlich wollen wir versuchen, den fünften Platz noch zu erreichen, auch wenn die Ausgangsposition mit einem Sieg in Stuttgart sicherlich eine bessere gewesen wäre. Aber wir verlieren dabei die Gesamtsituation nicht aus den Augen.

bundesliga.de: Sie hatten nach eigenen Angaben mehrere Angebote. Was hat den Ausschlag für Ihr "Ja"-Wort in Wolfsburg gegeben?

Hoeneß: Der VfL Wolfsburg ist ein Verein mit Perspektive, der über hervorragende Strukturen verfügt, aber auch Gestaltungsspielraum hat. Mich hat in den Gesprächen außerdem begeistert, mit welchem Elan und welcher Power die Verantwortlichen von Volkswagen aufgetreten sind.

bundesliga.de: Wo sehen Sie Ihre größten Aufgaben beziehungsweise Herausforderungen beim VfL?

Hoeneß: Das Ziel ist, dem Verein eine feste Struktur zu geben, die Erfolg auf lange Sicht ermöglicht. Mit einem Partner wie Volkswagen schlummern hier enorme Potenziale. Es ist wichtig, für Nachhaltigkeit zu sorgen. Das bezieht sich nicht nur auf den Profifußball, sondern auch auf andere Bereiche wie beispielsweise die Nachwuchsarbeit oder das Scouting.

bundesliga.de: Sie werden in den Medien oft als ein Manager bezeichnet, der sich gerne mit einer großen Machtfülle umgibt. Wie würden Sie sich als Manager selbst beschreiben?

Hoeneß: Da ist natürlich auch viel Schubladendenken dabei. Jeder hat seine Art, und ich kann von mir behaupten, dass ich eine Sache mit Haut und Haaren angehe. Vielleicht entsteht da auch mal ein solcher Eindruck. Aber ich bin ganz sicher auch ein Teamplayer. Fakt ist, dass der VfL eine Persönlichkeit suchte, ein Gesicht wollte. Dafür stehe ich!

bundesliga.de: Haben Sie sich die Stadt Wolfsburg oder auch das VW-Werk schon angeschaut?

Hoeneß: Dazu hatte ich leider noch keine Gelegenheit. Aber sobald sich die Zeit dafür bietet, werde ich das sicher auch tun. Ich bin überzeugt, dass auch Wolfsburg seine Reize hat.

bundesliga.de: Werden Sie in Wolfsburg wohnen?

Hoeneß: Ja. Ich werde zwar auch meinen Wohnsitz in München behalten, aber ich werde mir mit meiner Frau hier eine Bleibe suchen.

Die Fragen stellte Sven Becker