Borussia Dortmund tritt auf der Stelle und wartet nach dem 1:1 gegen Energie Cottbus weiter auf den ersten Sieg im Jahr 2009. Nach dem Spiel stellte sich BVB-Mannschaftskapitän Sebastian Kehl den Fragen von bundesliga.de und erklärte, woran es der Borussia noch fehlt und wie er als Kapitän die Mannschaft auf das Derby gegen Schalke am kommenden Freitag einstimmen will.

bundesliga.de:Herr Kehl, 1:1 gegen Energie Cottbus. Damit kann Borussia Dortmund sicher nicht zufrieden sein. Warum hat sich der BVB so schwer getan, ins Spiel zu kommen?

Sebastian Kehl: Wir haben uns sehr bemüht, hatten auch die eine oder andere Möglichkeit. Aber es war am Ende zu wenig, um die Cottbuser so richtig unter Dauerfeuer zu setzen. Energie stand sehr kompakt und hat aufopferungsvoll gekämpft. Wir waren nicht schlagkräftig genug, um ein zweites Tor zu machen.

bundesliga.de: Das 1:1 gegen Cottbus war im elften Heimspiel bereits das achte Unentschieden. Die wieder 66.300 Zuschauer haben gepfiffen und sind unzufrieden nach Hause gegangen.

Kehl: Das Wort Unentschieden hängt mir inzwischen auch zum Hals heraus, gerade was die Heimspiele angeht. Aber wir können es jetzt nicht mehr ändern. Natürlich sind die Zuschauer unzufrieden, das sind wir aber auch. Noch haben wir 14 Spiele vor der Brust und die Möglichkeit, sie zu gewinnen. Dazu müssen wir zunächst zuhause klarer auftreten. Uns fehlt zu oft eine gewisse Dominanz, auch eine gewisse Zielstrebigkeit, um ein zweites oder drittes Tor zu machen und ein Spiel auch klarer zu gewinnen. Selbst wenn es gegen Cottbus nicht einfach war, hätten wir das Spiel trotz allem gewinnen müssen.

bundesliga.de: 2009 hat die Borussia noch kein Pflichtspiel gewonnen. Kann man da schon von einem Fehlstart sprechen?

Kehl: Wir haben uns den Start in die Rückrunde sicher auch anders vorgestellt und in drei Bundesliga-Spielen nur zwei Punkte geholt. Dazu sind wir im DFB-Pokal zuhause rausgeflogen. Deswegen war ein Sieg gegen Cottbus Pflicht. Wir haben es leider nicht geschafft. Natürlich kommt hier und da Unruhe auf. Aber wir stehen weiter zusammen und werden als Einheit weiter agieren. Am Freitag haben wir das Derby, da können wir eine Menge gutmachen.

bundesliga.de: Sie haben das Derby gegen Schalke am kommenden Freitag angesprochen. Beide Mannschaften stehen im Mittelfeld, dem Verlierer droht dauerhaftes Mittelmaß. Ist das schon ein kleiner "Krisen-Gipfel"?

Kehl: Das ist doch für die Medien eine Top-Ausgangssituation. Da gibt es eine Menge zu berichten. Wir hätten uns natürlich noch mehr auf das Spiel gefreut, wenn wir gegen Cottbus drei Punkte geholt hätten. Sicher stehen beide Mannschaften unter Druck, denn beide sind nicht optimal gestartet. Aber ein Derby hat immer seine eigenen Gesetze. Deswegen spielt es keine Rolle, wie die Spiele davor ausgegangen sind. Wir orientieren uns allerdings nicht an den Schalkern. Wir gucken auf uns. Und wir können sicher deutlich besser Fußball spielen.

bundesliga.de: Sind Sie jetzt in dieser Situation als Mannschaftskapitän besonders gefordert?

Kehl: Jeder Einzelne ist gefordert, an sich zu arbeiten, sich Gedanken zu machen, sich auf das Freitagsspiel gut vorzubereiten. Wir haben uns in den letzten Spielen keine optimale Ausgangssituation erarbeitet, und jetzt sind natürlich die erfahrenen Spieler besonders gefragt. Da nehme ich mich nicht aus. Ich war gegen Cottbus wieder das erste Mal über 90 Minuten auf dem Platz, habe versucht, viel Verantwortung zu übernehmen, viel vorne weg zu gehen. Ich hatte ja auch eine große Torchance kurz vor Schluss. Da fehlten mir leider die Kraft und die Konzentration. Dass noch nicht alles rund läuft bei uns im Team angesichts langer Verletzungspausen von wichtigen Spielern, ist normal. Im übrigen fehlte auch das eine oder andere Mal ein bisschen das Glück.

bundesliga.de: Wie ist es nach Ihrer langen Verletzungspause um Ihre persönliche Fitness bestellt?

Kehl: Ich bin sicherlich noch nicht bei 100 Prozent. Die Spiele sind jetzt sehr wichtig für mich. Ich werde versuchen, jedes zu nutzen, um einen Schritt vorwärts zu kommen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski