München - Weltmeister Andreas Brehme war sowohl mit dem FC Bayern München als auch direkt im Anschluss mit Inter Mailand erfolgreich. Mit beiden Clubs gewann er jeweils eine Meisterschaft, mit den Italienern siegte er dazu 1991 im UEFA-Cup.

Für das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) erwartet er eine ausgeglichene Partie. "Beide Teams werden aber sehr offensiv auftreten", sagte er im bundesliga.de-Interview. Wie die aufstrebenden Mailänder zu knacken sind, weiß Brehme auch.

bundesliga.de: Herr Brehme, freuen Sie sich auf das Spiel Ihrer beiden Ex-Vereine?

Andreas Brehme: Ich schaue mir eh fast jede Partie der Bayern und von Inter an. Dass sie jetzt gegeneinander spielen, macht die Sache für mich natürlich noch interessanter.

bundesliga.de: War der Trainerwechsel bei Inter Mailand von Rafael Benitez zu Leonardo vonnöten?

Brehme: Rafael Benitez hatte es von vorneherein nicht leicht. Es war ja eigentlich klar, dass Inter Mailand das hohe Niveau aus der Vorsaison nicht würde halten können.

bundesliga.de: Aber unter Leonardo läuft es wieder. Ist das nicht auch ein Motivationsproblem der Spieler?

Brehme: Nein, überhaupt nicht. Es ist ja umgekehrt der Fall: Die Gegner sind gegen eine Mannschaft, die alles gewonnen hat, doppelt motiviert. Und das machte es für Inter von Beginn an schwierig.

bundesliga.de: Hat Inter mit Leonardo schon wieder das höchste Niveau erreicht?

Brehme: Er hat auf jeden Fall gezeigt, was er mit der Mannschaft bewirken kann. Inter ist nur noch fünf Punkte vom AC Milan entfernt. Und das Derby steht ja noch an. Nur muss Leonardo jetzt zeigen, dass er die Mannschaft weiter auf diesem Level halten kann.

bundesliga.de: Gegen die Bayern fehlt Diego Milito verletzt, Giampaolo Pazzini ist nicht spielberechtigt. Ein Vorteil für den FCB?

Brehme: Nein, das fällt nicht so sehr ins Gewicht. Inter Mailand ist in der Offensive exzellent besetzt. Ob ein Diego Milito nun fehlt oder nicht - das darf keine Entschuldigung sein.

bundesliga.de: Was erwarten Sie für eine Partie im Giuseppe-Meazza-Stadion?

Brehme: Das ist schwer vorherzusagen. Beide Teams werden aber sehr offensiv auftreten. Man darf gespannt sein, wie sich die Innenverteidigung der Bayern schlagen wird. Denn andere Top-Teams in Europa sind auf der Position sicherlich besser aufgestellt.

bundesliga.de: Müsste also ein Daniel van Buyten oder ein Breno wieder eine Chance bekommen?

Brehme: Nein, das würde ich nicht sagen. Denn die beiden haben Trainer Louis van Gaal im Training sicherlich nicht überzeugt, sonst würde er nicht Anatoliy Tymoshchuk aufstellen.

bundesliga.de: Die Außenverteidiger und das defensive Mittelfeld müssen also eng zusammenrücken?

Brehme: Auf alle Fälle. Am Wochenende in Mainz haben die Bayern auch schon wieder einige Chancen zugelassen. Inter nutzt so etwas aus. Das hat man im Champions-League-Finale in Madrid gesehen. Das darf nicht passieren.

bundesliga.de: Wie sind die Mailänder zu knacken?

Brehme: Gegen Inter darf man sich nicht verstecken. Aber das tut der FC Bayern auch nicht. Das haben sie zuletzt gezeigt - auch wenn zum Beispiel die Mainzer natürlich ein anderes Kaliber als Mailand sind. Aber beim 3:1 am letzten Spieltag haben sich die Bayern sensationell verkauft und richtig guten Fußball gespielt.

bundesliga.de Was erwarten Sie von Bayerns Weltklasse-Flügelzange "Robbery"?

Brehme: Die Mailänder Außenverteidiger sind diese Art Spieler natürlich aus der Champions League gewohnt. Aber wenn sich Robben und Ribery so präsentieren, wie sie es in Mainz getan haben, dann bekommt auch die Abwehr von Inter große Probleme.

bundesliga.de: Wie ist Ihr Tipp für die Partie am Mittwoch?

Brehme: Ich tippe auf ein 1:1.

Das Gespräch führte Michael Reis