"Jetzt können wir uns ganz auf die Bundesliga konzentrieren." Patrick Owomoyela sprach's und stutzte selbst. "Müssen wir", korrigierte sich der BVB-Profi schnell. Schon am Freitag erwarten die Dortmunder Hertha BSC, doch das Pokal-Aus in Osnabrück wirkt noch nach.

Mitten hinein in den Aufschwung in der Bundesliga platzte die Pokalpleite, die so niemand auf der Rechnung hatte und die auch für die Bundesliga manche Frage aufwirft. Dass der Drittligist die Borussia mit 3:2 aus dem lukrativen Wettbewerb befördert hat, hinterließ bei den Schwarz-Gelben eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Ärger.

"Einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig"

Ein "kaum zu beschreibendes Fehlverhalten" hatte Sportdirektor Michael Zorc ausgemacht. Und Mats Hummels befand schlicht: "Das war einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig!"

Das bezog der Verteidiger zwar vor allem auf jene Szene in der 69. Minute, als der Bundesligist sich nach einem eigenen Freistoß von den Amateuren eiskalt auskontern ließ, weil es defensiv an jeglicher Absicherung fehlte. Doch der Satz hatte auch für andere Situationen Gültigkeit.

Etwa für jene beiden in der ersten Hälfte, die das Stadion an der Bremer Brücke schon früh in ein Tollhaus verwandelten. Nach einem Einwurf erzielte VfL-Kapitän Angelo Barletta unbedrängt per Fallrückzieher die Führung, nur fünf Minuten später köpfte er nach einer Ecke genauso frei ein.

Probleme bei Standards

Abwehrverhalten auf Seiten des BVB war in dieser Szene faktisch nicht vorhanden. "Dilettantisch", schimpfte Sportdirektor Michael Zorc, "wir haben verteidigt wie im Kindergarten." Es waren einmal mehr Standardsituationen, bei denen die Borussia immer wieder eine erstaunliche Naivität offenbart - die auch Osnabrück nicht verborgen geblieben war. "Wir wussten, dass der BVB bei Standards Probleme hat und das wollten wir nutzen", streute VfL-Coach Karsten Baumann nach dem Coup Salz in offene Wunden.

Sogar bis in die 3. Liga hatte es sich herumgesprochen, wie anfällig der BVB in dieser Saison bei ruhenden Bällen ist. In der Bundesliga stehen bereits sieben Gegentreffer nach Standardsituationen zu Buche - ein Bestwert, auf den Jürgen Klopp gern verzichten würde. "Wir sind bei Standards einfach nicht nah genug dran an den Gegenspielern", klagte Owomoyela. Mehr Biss und mehr Konsequenz fordert Klopp jetzt von seinen Profis.

Dominanz, aber keine Torgefahr

Vor dem Spiel gegen Hertha BSC aber plagt die Borussia nicht nur ein Defensivproblem. Nimmt man vor allem die erste Halbzeit der Pokalpartie zum Maßstab, hakt es auch offensiv wieder. Zwar war der BVB auch in Osnabrück spielbestimmend, hatte viel Ballbesitz und konnte läuferische Vorteile für sich reklamieren. "Dominant, aber nicht gefährlich", nannte das Neven Subotic.

Denn Chancen und Tore blieben weitgehend Mangelware. "Rund um den Strafraum haben wir gar nichts richtig gemacht", stellte Jürgen Klopp frustriert fest und lag damit auf einer Linie mit dem Sportdirektor. "Wir waren überhaupt nicht zwingend, das war einfach schlecht", monierte Zorc.

Barrios trifft und trifft und trifft

Einzig auf Lucas Barrios war auch in Osnabrück Verlass. Der Stürmer stellte seine Qualität unter Beweis, traf erst den Pfosten und dann noch das Tor - wie in den letzten drei Bundesligaspielen auch.

Am Freitag gegen Berlin will Klopp jetzt von seinen Profis eine klare Reaktion sehen - und zwar "mit Selbstvertrauen und Mut". Der Pleite gegen den Drittligisten soll auf keinen Fall die Blamage gegen den Tabellenletzten folgen. So sieht's auch Michael Zorc: "Gegen Berlin steht die Mannschaft in der Schuld!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte