Viele Fans des Hamburger SV erinnern sich gerne an den 11. Mai 1977. Damals feierten die Rothosen eine Premiere. In Amsterdam besiegten sie vor 60.000 Zuschauern den RSC Anderlecht mit 2:0 und gewannen den Europapokal der Pokalsieger - es war der erste Titel auf europäischer Bühne für die Hamburger.

Gut 33 Jahre später heißt der Gegner wieder Anderlecht. Das Endspiel ist jedoch noch ein bisschen entfernt. Heute steht erst einmal das Hinspiel im Achtelfinale in der Europa League an (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker). Die Vorzeichen sind aber damals wie heute ähnlich. Der RSC ist in Belgien das Maß aller Dinge, der HSV hat in der Bundesliga Ambitionen nach oben. Stürmer Mladen Petric ist sich jedoch sicher: "Gegen Anderlecht sind wir der Favorit!"

HSV vor "sehr, sehr wichtigen Wochen"

Für die Hamburger ist die Partie der Auftakt von vier immens wichtigen Spielen in Folge. Anderlecht, Leverkusen, Anderlecht, Schalke lautet die Serie, in der die Norddeutschen eine ganze Saison verspielen könnten.

Der HSV träumt vom Finale der Europa League am 12. Mai vor heimischem Publikum, da soll der RSC nur ein weiteres Hindernis sein. Und in der Bundesliga muss gegen die beiden direkten Konkurrenten unbedingt dreifach gepunktet werden, will man sich noch für die Champions League qualifizieren. "Das sind jetzt sehr, sehr wichtige Wochen für uns", sagte Linksverteidiger Dennis Aogo, denn "wir wollen in Europa weiterkommen und in der Bundesliga den Abstand nach oben verringern."

Trainer Bruno Labbadia weiß um die Brisanz und tritt daher auf die Euphoriebremse. "Wir wissen, dass die Zuschauer ein Spektakel sehen wollen. Aber im Moment geht es in erster Linie darum, Ergebnisse zu liefern", sagt er.

"Van the Man" gelassen

Verzichten muss Labbadia bei dieser Aufgabe auf Jerome Boateng, der sich immer noch mit Oberschenkelproblemen quält. Auch Marcus Berg steht dem Team wegen Knieproblemen nicht zur Verfügung. Ob Ruud van Nistelrooy endlich von Beginn an zum Einsatz kommt, wird erst kurzfristig entschieden.

""Ich bin ganz ruhig. Wenn der Trainer mich jetzt aufstellt, ist es gut. Wenn nicht, ist es auch kein Problem. Es gibt keine Hektik", erklärte van Nistelrooy, der seine Oberschenkelverletzung nach eigenem Bekunden auskuriert hat.

Wer für den HSV die Tore schießt, ist natürlich nebensächlich. Wichtig ist, dass die Hanseaten mit einem guten Ausgangsergebnis nach Belgien reisen. Denn der RSC gilt als extrem heimstark und hat in der Liga erst einmal zu Hause verloren.

Labbadia erwartet "enge Spiele"

Das Hauptaugenmerk sollten die "Rothosen" dabei auf Nachwuchstalent Romelo Lukaku legen. "Lukaku kann mit seinen 16 Jahren schon den Unterschied machen. Wenn du ihn im Strafraum an den Ball kommen lässt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er ihn auch reinmacht", erklärte der ehemalige Schalker Marc Willmots im bundesliga.de-Interview.

Auf Hamburgs Innenverteidiger Joris Mathijsen und David Rozehnal kommt also viel Arbeit zu. Trainer Labbadia prophezeit: "Anderlecht ist gut organisiert und dadurch eine große Herausforderung. Es werden enge Spiele." Eine Herausforderung sind die Belgier sicherlich. Aber sie sind eine Herausforderung, die der HSV gewachsen sein sollte.


Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hamburg: Rost - Rincon, Rozehnal, Mathijsen, Aogo - Jarolim, Ze Roberto - Torun, Jansen - Elia, Petric

Anderlecht: Proto - Gillet, Mazuch, Juhasz, Deschacht - Kouyate, Biglia, van Damme - Kanu, Lukaku, Boussoufa

Schiedsrichter: Laurent Duhamel (Frankreich)


Michael Reis