Bei Werder Bremen läuft in der Bundesliga nicht mehr viel zusammen. Nach der 0:1-Niederlage beim 1. FC Köln haben die Norddeutschen ihren 10. Tabellenplatz zementiert. Nach oben geht bei sechs Punkten Rückstand nicht mehr viel, nach unten bei vier Punkten Vorsprung auf Rang 11 auch nicht. So bitter das für Werder ist: Der Vizemeister ist in dieser Saison Mittelmaß.

Während es in der Hinrunde auch in der Liga Fußballfeste wie die drei "Fünferpacks" gegen die damalige Top 3 der Liga gab (5:4 gegen Hoffenheim, 5:2 in München und 5:1 gegen Hertha), hat sich Werder die Highlights im Jahr 2009, mit Ausnahme eines 4:0 gegen den VfB Stuttgart, für die Pokalwettbewerbe aufgehoben.

Ob im UEFA-Pokal beim AC Mailand (2:2) oder im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund (2:1), beim Tabellenführer VfL Wolfsburg (5:2) oder in Hamburg (4:2 nach Elfmeterschießen), die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf zeigte in den K.o.-Spielen ein ganz anderes Gesicht.

Drei Stammspieler fehlten

Vielleicht war Sportdirektor Klaus Allofs gerade deshalb "ziemlich geladen", wie er nach der Pleite in Köln unumwunden zugab. "Was wir auswärts veranstalten, ist sensationell", meinte er sarkastisch. "Ich sehe immer die tanzenden Mannschaften der Gastgeber anschließend auf dem Monitor."

Zwar führte auch Allofs das Fehlen wichtiger Stammspieler (Diego, Mesut Özil, Hugo Almeida) speziell in der Offensive an, doch wollte er dies nicht als Entschuldigung gelten lassen. "Wir hätten keinen Zauberfußball zeigen müssen, um in Köln zu gewinnen. Da muss man nur diszipliniert die Dinge umsetzen. Dann hätten wir zumindest keinen Gegentreffer bekommen", sagte Allofs. "Das ist das Mindeste, was man abrufen muss. Doch das haben wir nicht."

Der zweite Anzug zwickt

Spieler wie Sebastian Prödl, Peter Niemeyer, Jurica Vranjes oder Martin Harnik, die ansonsten selten zur Startelf zählen, konnten sich nicht für weitere Aufgaben empfehlen. "Das war eine gute Gelegenheit für den zweiten Anzug", haderte der Sportdirektor. "Aber es nutzt diesen Spielern nichts, immer zu sagen, dass sie gut genug sind, wenn man das nicht mit Ergebnissen untermauert."

Zumindest redeten die Kicker nicht um den heißen Brei. "Das war eine mehr als desolate Leistung von uns, besonders in der zweiten Halbzeit", war Per Mertesacker die Vorstellung in Köln peinlich. "So eine Leistung abzuliefern, darf uns nicht passieren. Wir sind mitten in der Saison, haben noch wichtige Wochen vor uns. Wir sehen uns als Spitzenmannschaft, aber dem Anspruch sind wir in keinster Weise gerecht geworden", gestand Werders rechter Außenverteidiger Clemens Fritz.

Zwei Eisen im Feuer

Immerhin haben die Werderaner trotz des schwachen Bundesliga-Abschneidens noch zwei Eisen im Feuer, um doch noch die Qualifikation für den Europapokal zu packen. Das Pokalendspiel ist bereits erreicht, und am Donnerstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) steht das Rückspiel im UEFA-Pokal-Halbfinale beim Hamburger SV an. Doch nach der 0:1-Heimpleite stehen Werders Chancen dort eher schlecht.

"Wir haben uns eine andere Ausgangsposition gegen Hamburg für das Rückspiel vorgestellt", ärgerte sich Clemens Fritz.. "Nun müssen wir gewinnen. Aber wir haben schon oft bewiesen, dass wir auch auswärts gegen Spitzenmannschaften gewinnen können. Da muss dann aber eine ganz andere Leistung her als gegen Köln."

Allofs appelliert an die Einstellung der Spieler

Bis zum Spiel in Hamburg dürfte sich aber auch Werders Lazarett wieder lichten und die angeschlagenen Diego und Özil wieder fit werden. Klaus Allofs appelliert an die Einstellung seines kickenden Personals, so wie sie Werder im Pokalspiel gezeigt hat. "Selbst mit einem Finaleinzug sind wir noch nicht am Ziel", forderte er.

"Gerade dann muss man nachsetzen und noch energischer und konzentrierter sein", so Werders starker Mann. "Das haben wir in der ersten Halbzeit im UEFA-Pokal nicht hingekriegt, das haben wir gegen Köln nicht hingekriegt. Ich muss ja nichts erzählen. Wer jetzt nicht weiß, was einen am Donnerstag und am nächsten Sonntag wieder gegen den HSV in der Bundesliga erwartet, dem können wir sowieso nicht helfen."

Doch das dürften bei Werder alle verstanden haben.

Tobias Gonscherowski