Nach der höchsten Europapokal-Pleite der Vereinsgeschichte ist für den FC Schalke 04 der Traum von der Champions League geplatzt.

Die "Königsblauen" verpassten durch ein 0:4 (0:1)-Debakel bei Atletico Madrid den Einzug in die "Königsklasse" und müssen sich mit der Teilnahme am UEFA-Cup zufrieden geben.

"Eine schwere Niederlage"

Mit der ersten Niederlage unter dem neuen Trainer Fred Rutten verspielte der Bundesliga-Dritte der vergangenen Saison beim neunmaligen spanischen Meister den 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel.

"Das war eine schwere Niederlage für Schalke. Die Fans und wir auch wollten gerne in die Champions League. Das tut jetzt weh, aber wir müssen das schnell vergessen und weitermachen - am Samstag gegen Bochum", meinte Fred Rutten. "Daran werden wir ein bisschen zu knabbern haben. Zum Schluss waren wir sicher sehr fahrlässig, im Großen und Ganzen waren wir heute wohl ein Stück zu naiv", sagte Fabian Ernst.

Pander sieht Rot

Wenn am Donnerstag die Gruppen für die Champions League ausgelost werden, sind die Schalker nach ihren Teilnahmen 2001, 2005 und 2007 nur Zuschauer. Einen Tag später erfahren sie dann, auf wen sie in der ersten Runde des UEFA-Cups am 18. September treffen.

Vor 55.000 Zuschauern im ausverkauften Estadio Vicente Calderon machten Olympiasieger Sergio Agüero (19.), der Uruguayer Diego Forlan (51.), der eingewechselte Luis Garcia (82.) und der Argentinier Maxi Rodriguez per Foulelfmeter (87.) mit ihren Toren die Schalker Hoffnungen zunichte. Zu allem Überfluss sah Christian Pander für sein mit dem Strafstoß geahndeten Foul an Simao die Rote Karte (86.).

Agüero macht den Unterschied

Unter den Augen seines künftigen Schwiegervaters Diego Maradona erzielte Agüero die überraschende Führung: Nachdem zunächst der Schalker Kapitän Marcelo Bordon nach einem Forlan-Schuss auf der Linie gerettet hatte, traf der argentinische Jungstar nach einer Flanke von Luis Perea zum 1:0. Bis dahin hatten die Schalker gegen verhalten beginnende Madrilenen das Spiel eigentlich noch im Griff gehabt.

Für die Entscheidung sorgte Forlan kurz nach der Pause. Nach einem unnötigen Ballverlust von Fabian Ernst im Mittelfeld ließ der Uruguayer die gesamte Schalker Hintermannschaft schlecht aussehen und überwand Torhüter Mathias Schober zum 2:0. Vor dem dritten Treffer hatte Schober zunächst noch einen Schuss von Agüero abgewehrt, gegen Luis Garcia war er dann aber machtlos.

Jones beißt auf die Zähne, Jefferson muss passen

Ein überraschendes Blitz-Comeback feierte bei den "Königsblauen" Jermaine Jones. Nur eineinhalb Wochen nachdem er beim Bundesliga-Start gegen Hannover 96 (3:0) einen Syndesmoseriss erlitten hatte, stand der Nationalspieler bereits wieder in der Anfangsformation.

Dabei hatte Jones am Tag vor dem Spiel einen Einsatz noch praktisch ausgeschlossen. Verzichten musste Trainer Rutten dagegen auf Rekordeinkauf Jefferson Farfan, dem eher eine schnelle Rückkehr zugetraut worden war. Der Peruaner, der vor zwei Wochen im Hinspiel eine Schultereckgelenksprengung erlitten hatte, war zwar mit nach Madrid geflogen, saß aber nur auf der Tribüne.

Schalke erschreckend schwach

Auch Olympiateilnehmer Rafinha, der mit seiner Chinareise für viel Ärger gesorgt hatte, musste zunächst zuschauen. Der Brasilianer kam erst beim Stand von 0:2 in der 65. Minute. In ihrem 105. Europapokal-Spiel boten die "Königsblauen" über weite Strecken eine schwache Leistung.

Bezeichnenderweise musste für die erste brenzlige Situation vor dem Atletico-Tor ein Madrilene sorgen. Perea verfehlte mit einem verunglückten Rückpass nur knapp das eigene Gehäuse (60.). Die erste eigene Schalker Torchance hatte Heiko Westermann in der 70. Minute, als er aus fünf Metern an Torhüter Leo Franco scheiterte. Erst nach dem 0:2-Rückstand wachten die Schalker, die auch auf ihre verletzten Stammspieler Manuel Neuer und Orlando Engelaar verzichten mussten, auf und verstärkten ihre Angriffsbemühungen. Das Atletico-Tor geriet nur selten in Gefahr.