Geburtstagskind Louis van Gaal grummelte, die Profis zeigten sich selbstkritisch, nur Manager Uli Hoeneß spendete Lob: Beim Vizemeister Bayern München war das Spektrum der Gefühle nach dem 1:1 (1:1) im Spitzenspiel bei 1899 Hoffenheim weit gestreut.

Dabei löste der Niederländer gleich zum Saisonauftakt Hoeneß als Chefkritiker ab. "Das negative Gefühl überwiegt, weil ich denke, dass wir am Ende gewinnen mussten", sagte van Gaal. An seinem 58. Geburtstag wurde der Coach nur mit einem Punkt beschenkt und machte seinem Ruf als "harter Hund" gleich alle Ehre: "In der Pause habe nur ich gesprochen. Von der ersten Halbzeit war ich enttäuscht."

Selbstkritische Bayern-Spieler

Die Bayern-Profis zeigten sich einsichtig. "Wir sind auf keinen Fall zufrieden und wissen selbst, dass wir das besser können", sagte Philipp Lahm, der nach der verletzungsbedingten Auswechslung Mark van Bommels die Kapitänsbinde übernahm. Und der meist auf verlorenem Posten stehende Neuzugang Mario Gomez fügte hinzu: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Der FC Bayern fand bis zur Führung nur schwer ins Spiel, konnte sich danach jedoch erfolgreich in der Hälfte des Gegners festsetzen. Dennoch gelang den Kraichgauern noch vor der Pause der Ausgleich durch einen Konter, der auf einen Einwurf folgte. "Beim Gegentor waren wir unprofessionell", kritisierte van Gaal.

"Das darf uns nicht passieren", stimmte Abwehrchef Daniel van Buyten zu. "Die Abstimmung hat gefehlt, da war der Trainer zu Recht sauer."

Viele Bayern-Stars fehlten

Van Gaal musste bei seiner Bundesliga-Premiere auf etliche Leistungsträger verzichten. Neben Franck Ribery fehlten auch Miroslav Klose, Martin Demichelis und Luca Toni. Weil auch José Ernesto Sosa angeschlagen war, brachte van Gaal Alexander Baumjohann auf der Position hinter den Spitzen. "Er bringt die für die Position nötige Kreativität mit und hat das auch ordentlich gemacht. Von mir aus hätte er ruhig auch noch ein Tor schießen können", so das Fazit des neuen Bayern-Trainers.

Auch wenn sich der Erfolg zunächst nur teilweise einstellte, ist das Wirken des neuen Trainers in München bereits zu spüren. "Nach so kurzer Zeit erkennt man schon deutlich die Handschrift von van Gaal. Taktisch ist der FC Bayern schon viel weiter als letztes Jahr", bestätigte sogar Trainerkollege Ralf Rangnick. Immer wieder versuchten die Münchener, sich aus engen Situationen spielerisch mit Kurzpassspiel zu befreien.

Lob für van Gaal

Vor allem in der zweiten Halbzeit waren klare Fortschritte erkennbar. Uli Hoeneß lobte van Gaal: "Wir haben ganz klar gesehen, was er will. Das wurde speziell in der zweiten Halbzeit sehr gut umgesetzt: beim Pressing, beim Spiel mit dem Ball, beim Spiel ohne Ball." Lahm fügte hinzu: "Wir haben jetzt eine bessere Ordnung. Es macht mehr Spaß. Der Trainer legt Wert auf Disziplin. Er ist direkt und spricht Fehler schonungslos an. So muss das auch sein."

Aus der Kabine kamen die Bayern-Profis aufgeweckter, während die Spieler von 1899 dem hohen Tempo der ersten Hälfte und dem schwülen Wetter Tribut zollen mussten. Das spürten auch die Bayern: "Die letzten 20 Minuten waren die Hoffenheimer müde. Da hätten wir nachlegen müssen", erklärte van Buyten.

Die Münchner hoffen nun beim kommenden Heimspiel gegen Werder Bremen auf die Rückkehr von Franck Ribery. "Seine Kreativität hat gefehlt", bekannte Vereinspräsident Franz Beckenbauer.

Aus Hoffenheim berichtet Daniel Dillmann