München - Für Trainer Jupp Heynckes ist er schlicht und einfach "die Seele unseres Spiels, ein Mittelfeldspieler mit außergewöhnlichen strategischen Fähigkeiten". Die Rede ist von Bastian Schweinsteiger.

Während beim FC Bayern München momentan Franck Ribery und Mario Gomez mit ihren Toren und Aktionen die Medienwelt beherrschen, verrichtet Schweinsteiger seine Aufgaben etwas diskreter, dafür aber nicht weniger eindrucksvoll. Auch der deutsche Nationalspieler hat sich unter Heynckes weiterentwickelt, legte im Vergleich zur guten, aber nicht überragenden Vorsaison wieder eine Schippe drauf und knüpft damit an die hervorragenden Leistungen der Spielzeit 2009/2010 an.

Immer am Ball

Schweinsteiger ist in dieser Saison der zentrale Spieler bei den Bayern und agiert überaus dominant. Ligaweit hatte der Mittelfeldspieler an den ersten acht Spieltagen die meisten Ballkontakte (773), pro Partie war er im Schnitt 97 Mal am Ball, in der vergangenen Saison kam er in seinen 32 Partien im Schnitt nur auf 88 Ballkontakte.

Selbst getroffen hat Schweinsteiger bislang nur in der Champions-League-Qualifikation gegen Zürich und im DFB-Pokal in Braunschweig. Er hält sich in der Bundesliga mit Abschlüssen aktuell eher zurück, hat erst sechs Torschüsse auf dem Konto. Das ist im Schnitt weniger als ein Torschuss pro Spiel (0,75), im Vorjahr waren es 1,6. Aber er bereitete bereits zwei Tore vor und in der "Königsklasse" gegen Manchester City war er mit fünf Torschüssen die treibende Kraft im Mittelfeld.

Viele Freiheiten, um das Spiel zu ordnen

Dem 27-Jährigen tut es anscheinend sehr gut, dass einerseits mit Luiz Gustavo oder Anatoliy Tymoshchuk immer ein defensiver Abräumer an seiner Seite auf der Doppelsechs steht, er andererseits dadurch das Spiel vielmehr ordnen kann, um zudem den Künstlern im Offensivbereich den Rücken freizuhalten. "Er hat den fußballerischen Instinkt, immer genau das Richtige zu tun", lobt ihn auch Heynckes für seine Vielseitigkeit. "Er ist für mich vom Niveau her in der Liga von Iniesta, Xavi und Busquets."

Vor allem seine Spielverlagerungen mit langen Pässen sind exzellent. Schweinsteiger brachte von 34 über 30 Meter geschlagenen Pässen 22 an den eigenen Mann (65 Prozent). Kein Spieler der aktuellen Saison, der mindestens 20 lange Pässe schlug, hat eine so hohe Erfolgsquote wie der Münchner. Hinzu kommen bereits sieben Flanken, die zu drei Torschüssen und anschließend zu zwei Toren führten, in der Vorsaison resultierten aus 18 Flanken "nur" vier Torschüsse.

Mut zu riskanten Pässen

Auch in der Defensive läuft es derzeit rund für den zweiten Kapitän des Rekordmeisters. Patzer wie zum Beispiel letzte Saison im Spitzenspiel gegen Dortmund leistete sich Schweinsteiger noch nicht. In den Zweikämpfen bewegt er sich auf dem guten Niveau der vergangenen Saison, denn der 27-Jährige gewann aktuell wie schon im Vorjahr 55 Prozent der Defensivzweikämpfe.

Gleiches gilt für Schweinsteigers Passspiel. Für einen zentralen Mittelfeldspieler, der durchaus auch gerne den Risikopass sucht, hat der Bayern-Star eine geringe Fehlpassquote von lediglich 14,5 Prozent.

Starker Dribbler

Überhaupt ist die "Torfabrik" bei Schweinsteiger in dieser Saison meist bestens aufgehoben, auch im Dribbling ist der Nationalspieler nur schwer vom Ball zu trennen. In 54 Prozent seiner offensiven Dribblingduelle blieb er am Ball oder wurde nur durch ein Foul gestoppt. Im Vergleich zur letzten Saison hat sich Schweinsteiger in dieser Statistik deutlich gesteigert und zwar um elf Prozent.

Die Kollegen wissen, wie wertvoll ihr "Strippenzieher" im Mittelfeld ist. Gomez findet Schweinsteigers Leistung schlicht "überragend", Ribery fügte nach dem ManCity-Spiel hinzu: "Wenn er so spielt, ist das gut für ihn, für uns, für Bayern - einfach für alle." Es gibt wohl nur wenige Fußballexperten, die da widersprechen würden.

Jessica Pulter