München - Zuhause ist es doch immer noch am schönsten. Das denken sich in dieser Saison wohl auch die Kicker des FC Bayern München.

Denn in ihrem "Wohnzimmer", der Allianz Arena, spielen die Stars des FCB meisterlich. Das bestätigt ein Blick auf die . Dort belegen die Bayern den ach so geliebten Platz an der Sonne. 23 Zähler sammelte der Rekordmeister zuhause und lässt damit sogar den souveränen Spitzenreiter Borussia Dortmund hinter sich. Der BVB holte im heimischen Signal Iduna Park lediglich 21 Punkte (Platz 3).

Magere Ausbeute

Während es zuhause also läuft, drückt in der Ferne der Schuh - und das enorm. Lediglich drei Auswärtssiege stehen nach dem 21. Spieltag zu Buche. Nur in Hoffenheim, Stuttgart und Bremen punktete die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal dreifach - allesamt keine Teams, die in der aktuellen Spielzeit Angst und Schrecken verbreiten.

Hinzu kommen noch vier Remis, so dass es die Münchner auswärts bisher auf magere 13 Pünktchen und Platz 8 in der bringen - viel zu wenig um ganz oben mitzuspielen.

Weniger Zug zum Tor

Aber warum läuft es bei den Bayern zuhause besser als auswärts? Was machen die Münchner in der Allianz Arena anders als auf fremden Plätzen? bundesliga.de hat in der Statistik-Datenbank nachgeforscht.

Zuhause präsentiert sich der amtierende Meister deutlich torgefährlicher. Im Schnitt schießen die "Roten" ein Tor mehr pro Spiel als auswärts. Zudem gab der FCB im heimischen Stadion bisher im Schnitt fünf Schüsse pro Spiel mehr ab als fern der Heimat.

Aber auch die Defensive steht daheim sicherer. In Heimspielen kassiert der FCB durchschnittlich ein Gegentor pro Partie weniger. Fünf Mal spielten die Bayern zuhause zu Null, auswärts erst ein Mal.

Mangelnde Einstellung?

Zudem gehen die Bayern zuhause offenbar deutlich konzentrierter und leidenschaftlicher zu Werke als auf des Gegners Platz. Denn: Auswärts lag der FCB sieben Mal in Führung, konnte aber in der Folge nur drei Siege einfahren (drei Remis, eine Niederlage). Dabei verloren die Mannen von Trainer van Gaal in Gladbach , Wolfsburg und Köln nach einer Pausenführung noch Punkte.

Zuletzt ist der FCB in Köln nach einer 2:0-Pausenführung sogar förmlich eingebrochen. In der ersten Halbzeit war die Bilanz aus Bayern-Sicht noch erfreulich. 7:5 Torschüsse und 4:1 Ecken standen zu Buche. In den zweiten 45 Minuten das umgekehrte Bild: 5:12 Torschüsse und 3:4 Ecken.

Müller spricht von "Dummheit"

Das ärgerte Karl-Heinz Rummenigge gewaltig. "Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit komplett die Einstellung vermissen lassen. Das ist schon in Mönchengladbach, in Leverkusen, auf Schalke und was weiß ich wo noch passiert ist", grollte der Vorstandsvorsitzende. In der Bundesliga verloren die Bayern zuletzt am 30. November 1997 beim 2:4 bei Bayer Leverkusen nach einer 2:0-Führung.

Mittelfeldspieler Thomas Müller sprach nach der bitteren, wie unnötigen Pleite in der Domstadt sogar von "Dummheit" und fügte frustriert an: "Wir haben im Kopf wohl wieder etwas abgeschlossen. Wir machen uns die ganze Saison kaputt." Gegenüber der "Bild"-Zeitung vermutete Müller zuletzt ein mentales Problem: "Wir haben da wohl unterbewusst ein Kopf-Problem. Die ersten 15 Minuten nach der Halbzeit verschlafen wir, die können wir uns derzeit echt schenken. Da müssen wir in Zukunft viel konzentrierter zur Sache gehen."

Übrigens: In 46 Jahren Bundesliga hatten die Münchener nur sechs Mal weniger Punkte nach elf Auswärtsspielen auf dem Konto als aktuell. Zuletzt war dies 1993/94 der Fall, als der FCB nur neun Punkte aus den ersten elf Partien in fremden Stadien holte (umgerechnet auf Drei-Punkte-Regel). Dennoch wurden die Bayern damals am Ende Meister.

Doch daran glaubt in dieser Saison (wohl) keiner mehr...