Bergamo - "Italien gegen Deutschland, für uns ist das immer ein großes Event, das in den wichtigen Duellen meist zu Gunsten der Azzurri ausging. Wir sagen zu Angstgegnern "bestia nera", schwarze Bestie, und das sind wir sicherlich für euch.

Es ist schwierig einen Grund dafür zu finden, warum die Deutschen häufig Probleme besitzen. Vielleicht liegt den Azzurri einfach die Spielanordnung - wir sind Meister darin, aus der geordneten Defensive blitzschnell umzuschalten und klinisch zuzuschlagen. Ein Paradebeispiel dafür war das 2:0 durch Mario Balotelli beim letzten EM-Halbfinale.

Hansi Müller war phänomenal



Unser Land besitzt trotz der erfreulichen Statistik seit Ewigkeiten immense Achtung vor dem deutschen Fußball, und so hatte ich bereits weit vor der WM 1982 einen Faible für die Deutschen entwickelt. Dann stand ich mit 18 im Finale gegen das DFB-Team und musste plötzlich gegen den großen Kalle Rummenigge spielen. Ich war noch ein Grünschnabel, er zu meinem Glück angeschlagen. Wir siegten 3:1, das damalige Trikot von Paul Breitner habe ich immer noch. Bei Inter kickte ich mit Sammer, Klinsmann, Matthäus, Brehme, Müller und Rummenigge.

Obwohl Hansi Müller irgendwann gar nicht mehr als Ausländer durchging. Er redete und erzählte Witze im Mailänder Dialekt, absolut phänomenal. Die Deutschen gaben immer alles, ob beim Training oder im Spiel. Sie waren integer und echte Männer. Wenn Lothar beispielsweise sagte: "Morgen gewinnen wir, basta", dann gewannen wir auch. Nun ja, wir wunderten uns alle schon, als Andy und Lothar im Trainingslager immer heimlich Bier auf ihr Zimmer schmuggelten. Doch Matthäus war mit Sicherheit der beste Ausländer, mit dem ich je zusammengespielt habe. So wuchsen unsere Länderspiele gegeneinander stets zu einer ganz besonderen Rivalität mit Extra-Stimulans. Einer der tristesten Momente meiner Karriere war ohne Frage, dass wir 1990 im eigenen Land nicht das WM-Finale gegen die Mannschaft unter Franz Beckenbauer erreichten.

Die Kritik ist überzogen



Lag Italien vor einigen Jahren qualitativ noch einen Tick vor der DFB-Elf, hat sie uns heute zweifelsohne überholt. Beeindruckend, was dieses Team zuletzt geleistet hat. Jung, dynamisch, brilliant, phantasievoll und mit exzellent funktionierenden Automatismen - dazu ist man taktisch reifer geworden und lässt sich nie aus der Ruhe bringen.

Das rührt aus einem enormen Selbstbewusstsein und der fundierten Überzeugung in die eigene Stärke. Ich finde die Kritik bei euch überzogen, dass dieses Team nie etwas gewinnen wird. Ich denke, man muss wie Spanien mit einem Titel bloß einmal die Blockade lösen. Angesichts der reichhaltigen Alternativen, die nachwachsen, könnte den Deutschen dann auf einige Zeit tatsächlich die Zukunft gehören."









In seiner Zeit als Fußballprofi bestritt Giuseppe Bergomi nicht weniger als 756 Spiele für Inter Mailand. Der damalige Abwehrspieler war sieben Jahre lang Kapitän der "Nerazzurri" und gewann unter anderem eine Meisterschaft und drei UEFA-Pokale. In der italienischen Nationalmannschaft bestritt Bergomi 81 Partien und wurde 1982 bereits mit 18 Jahren Weltmeister. Heute ist der 50-Jährige einer der wichtigsten Kommentatoren bei "Sky Italia" und Jugendtrainer.