Mönchengladbach - Nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte und den Turbulenzen durch den Rücktritt von Lucien Favre hat sich Borussia Mönchengladbach am 6. Spieltag mit einem 4:2-Sieg gegen den FC Augsburg fulminant zurückgemeldet. Im Vergleich zur 0:1-Derby-Niederlage beim 1. FC Köln präsentierte sich die Fohlenelf beim ersten Saisonsieg wie ausgewechselt. Das macht Hoffnung für die anstehende Partie beim Tabellennachbarn VfB Stuttgart.

Die "ominösen Trainerwechsel-Effekte", wie Manager Max Eberl es ausdrückte, haben in diesem Fall mal wieder eindrucksvoll gegriffen. Interimscoach André Schubert hat offensichtlich in der Kürze der Zeit die richtigen Stellschrauben gedreht, um dem zuletzt völlig verunsicherten Tabellenschlusslicht wieder neuen Mut einzuflößen. "Mit jedem Zweikampf, über jeden Torschuss und jeden abgeblockten Schuss des Gegners holen wir uns ein Stück Selbstvertrauen zurück", hatte der bisherige U23-Trainer der Gladbacher am Tag vor dem richtungsweisenden Spiel gesagt. "Wir wollen einfach mutig sein und in unserer Fähigkeiten vertrauen", meinte er und betonte, dass man nicht einfach die Hand auflegen könne und "alles wird gut. Wir sind ja keine Zauberer".

Änderungen vor allem im mentalen Bereich

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Etwas Magisches hatte es jedoch, wie die Elf vom Niederrhein vor allem in der ersten Hälfte auftrumpfte. Kamen am vergangenen Samstag in Köln kaum drei Pässe in Folge an den Mann, liefen diesmal die Kombinationen wie am Schnürchen. Hinzu kam, dass in Patrick Herrmann, Alvaro Dominguez und Fabian Johnson drei wichtige Akteure nach Verletzungen wieder ins Team zurückkehrten und das Gladbacher Spiel belebten. "Die Jungs haben ihr Herz in beide Hände genommen, sind losmarschiert und haben sich belohnt. Dazu gehört eine Menge Mut", so Schubert, der nach 20 Minuten an der Seitenlinie ungläubig abwinkte.

"Wir haben endlich wieder die alte Borussia aus der vergangenen Saison gesehen", sagte Flügelstürmer Patrick Herrmann, der sich nach saisonübergreifend sechs Bundesliga-Niederlagen in Folge wieder über ein "super Spiel" freuen durfte. Ein Gefühl, dass man im Borussia Park gefühlt ziemlich lange nicht mehr hatte. Woher der plötzliche Umschwung kam, versuchte Granit Xhaka zu erklären: "Es ist ja nicht so, dass wir das Fußballspielen verlernt haben. André Schubert hat nur ein paar wenige Dinge verändert, vor allem im mentalen Bereich. Er hat uns mitgegeben, dass wir auch Fehler machen dürfen und mutig spielen sollen", so der Schweizer. Mut, der sich in Kombination mit der Bereitschaft in jeder Situation hart zu arbeiten, letztlich auszahlte.

Nicht alles umkrempeln

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Kleine Änderungen, einige neue Reize, große Wirkung. Alles umkrempeln wolle und könne der Trainer ohnehin nicht, denn "sonst gehen die Spieler mit Kopfschmerzen vom Trainingsplatz", sagte Schubert. Vielmehr gehe es darum, den Kopf frei zu bekommen. Das hat der 44-Jährige zwar zunächst einmal geschafft.: "Aber", warnt Sportdirektor Max Eberl, "es sind lediglich die ersten drei Punkte", die allerdings psychologisch sehr wichtig seien und Kräfte für die nächsten Aufgaben freisetzen dürften.

"Von einem Trainerwechsel erhofft man sich natürlich immer einen gewissen Effekt. Aber wenn man auf die Tabelle schaut, sieht man, dass noch viel Arbeit vor uns liegt", sagte Ibrahima Traore, der am kommenden Spieltag auf seinen ehemaligen Verein trifft.

Beim VfB Stuttgart, der seinerseits ebenfalls den ersten Dreier (3:1 In Hannover) eingefahren hat, wartet am Samstag die nächste schwere Aufgabe auf die wieder erstarkte "Elf vom Niederrhein". Dann wird sich zeigen, ob der berühmte "ominöse Effekt" weiter anhält.  

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann