Dortmund - Nach dem Abpfiff feixte Pierre-Emerick Aubameyang mit seinen Mitspielern, knipste breit strahlend Selfies mit einem Fan und verschenkte auch noch sein Trikot. Der Gabuner hatte sichtlich gute Laune – und auch allen Grund dazu. Er selbst feierte mit seinem 75. Bundesligator ein kleines Jubiläum, Borussia Dortmund mit dem 6:2-Sieg über Bayer 04 Leverkusen eine gelungene Generalprobe vor den Wochen der Wahrheit.

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Keine Frage, Aubameyang hat seine Durststrecke überwunden. Letzte Woche zwei Treffer in Freiburg, jetzt ein Doppelpack gegen die überforderte Bayer-Elf – erstmals in seiner Karriere traf der Stürmer zweimal in Folge doppelt. Das bleibt nicht unbelohnt: Mit seinen Bundesligatreffern Nummer 74 und 75 hat er Robert Lewandowski in der schwarz-gelben Hierarchie überholt und sich im Vereinsranking auf Platz fünf vorgeschoben. Und mit jetzt 21 Saisontoren führt Aubameyang auch die Torjägerliste wieder vor dem Polen in bayrischen Diensten an.

Erstmals 2016/17 drei Bundesliga-Siege in Folge

Aber nicht nur die Treffsicherheit seines Topstürmers ließ Thomas Tuchel nach dem Spiel ein kleines Loblied singen. Dass sich die Borussia insgesamt wieder spielfreudig und in ausgesprochener Torlaune präsentierte, nahm der Trainer hochzufrieden zur Kenntnis: "Seit Wochen gelingt es uns, viele Torchancen herauszuspielen. Auch gegen Freiburg und Wolfsburg hatten wir viele Hochkaräter. Man sieht, dass wir Selbstvertrauen haben und dass wir uns fokussieren."

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Zwölf Tore aus den letzten drei Bundesligapartien und erstmals in dieser Saison drei Ligasiege in Folge sprechen eine deutliche Sprache. Der 6:2-Erfolg über Leverkusen war dabei die effektivste Leistung. Der BVB traf schon früh nach sechs Minuten und hatte auch auf die Anschlusstreffer der Gäste immer eine Antwort. "Super Tore und hervorragende Aktionen" hatte Sportdirektor Michael Zorc gesehen. Und auch Roman Bürki befand: "Wir haben die Tore toll herausgespielt und nie nachgelassen. Es war überragend, wie wir den Sack zugemacht haben."

Schürrle tut was fürs eigene Selbstbewusstsein

Den Schlusspunkt durfte der eingewechselte Andre Schürrle mit seinem verwandelten Foulelfmeter setzen, der damit auch den Tag der Jubiläen in Dortmund um ein Kapitel bereicherte: Der Nationalspieler erzielte sein insgesamt 50. Bundesligator und tat etwas fürs eigene Selbstbewusstsein: "Ich habe im Moment nicht so viel Einsatzzeit, darum ist es umso wichtiger, sie zu nutzen – und das tue ich."

Mit Ausnahme der Niederlage in Darmstadt – für Sokratis "das schlechteste Spiel, das wir je gemacht haben" – ist der schwarz-gelbe Express insgesamt in den letzten Wochen gut ins Rollen gekommen ist. Mittelfeldmotor Gonzalo Castro weiß genau, warum: "Unsere Abläufe passen wirklich gut. Wir haben Positionen und Passwege im Kopf und wissen, wo die Mitspieler sind. Das macht uns im Moment unberechenbar."

Vier Spiele innerhalb von zehn Tagen weisen die Richtung

Und das kam selten so gelegen wie im Moment: Mit dem Rückspiel in der Champions League gegen Benfica Lissabon am Mittwoch und dem DFB-Pokalviertelfinale nur eine Woche später geht es gleich in zwei Pokalwettbewerben um den Einzug in die nächste Runde. Dazu tritt der BVB in der Bundesliga in Berlin an und erwartet Ingolstadt – vier Spiele innerhalb von zehn Tagen weisen der Borussia die Richtung.

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Gefragt ist jetzt Konstanz auf hohem Niveau – gerade auch der torhungrigen Offensivabteilung, der Bayers Trainer Roger Schmidt nach dem Spiel ein Top-Niveau bescheinigt hat, "das mit Real Madrid oder Bayern München zu vergleichen ist".

Marco Reus: Einziger, aber gewichtiger Wermutstropfen

Mit Marco Reus wird dem schwarz-gelben Prunkstück allerdings schon am Mittwoch bei der Aufholjagd gegen Lissabon ein wichtiger Baustein fehlen. Sein Faserriss war an diesem Wochenende der einzige Wermutstropfen im Dortmunder Lager, allerdings ein gewichtiger. "Marco war auch gegen Leverkusen von Anfang an sehr präsent und hat unseren Karren in letzter Zeit auch richtig gut gezogen", haderte Michael Zorc mit der Verletzung des Nationalspielers.

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An den Zielen der Borussia und am gesunden Selbstbewusstsein ändert der Ausfall von Reus allerdings nichts, betonte der Sportdirektor im gleichen Atemzug: "Wir haben eine sehr hohe Motivation, am Mittwoch mit einer Top-Leistung in die nächste Runde einzuziehen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte