Dortmund - Große Szenen gab es in Dortmund nach dem Spiel: Emotionen pur, als die Gelbe Wand und das ganze Stadion Neven Subotic bei seiner Rückkehr minutenlang mit Ovationen feierte. Die Kölner Fans feierten mit – und der Verteidiger war einfach nur glücklich: "Das zähle ich zu den schönsten Momenten in meinem Leben."

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Es wirkte, als hätten Spieler und Zuschauer diesen Augenblick herbeigesehnt: Die Partie war abgepfiffen, die Punkte nach dem 0:0 zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln geteilt, da setzte sich Subotic langsam in Bewegung. Die ganze BVB-Mannschaft stand Spalier und applaudierte, als der Serbe im Trikot der Geißböcke fast bedächtig auf die Gelbe Wand zusteuerte, so als genieße er jeden einzelnen Schritt. Standing Ovations, Sprechchöre – ein ganzes Stadion zollte Subotic Respekt.

Erinnerungen an Kloppo und Dede

Achteinhalb Jahre hat er das schwarz-gelbe Trikot getragen, hat die Meisterschaft und das Double gefeiert, war wegen seiner kompromisslosen Art auf dem Platz genauso beliebt wie wegen seiner Nahbarkeit außerhalb des Spielfelds. Legendär sind noch heute die Bilder aus dem Meisterjahr, als Subotic sein Auto mitten auf der Straße spontan stoppte und mit den BVB-Fans sang und feierte.

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Im Trikot Kölns, an das der Innenverteidiger seit dem Winter ausgeliehen ist, erlebte er nun eine emotionale Rückkehr der besonderen Art. "Wir sind alle Dortmunder Jungs", skandierte das Stadion und Subotic verneigte sich tief beeindruckt. "Ich glaube, so etwas erlebt man im Leben fast nie - und schon gar nicht als Fußballer", versuchte der Serbe, seine Gefühle zu beschreiben. "Die Einzigen, an die ich mich erinnern kann, die in dieser Form empfangen und gefeiert wurden, waren Dede und Kloppo. Dass ich mich dazu zählen darf, ist für mich ein ganz großes Glück." Tränen gab es dabei keine. "Ich habe ja auch nicht auf der Meisterfeier geweint", erinnerte er sich lachend. Aber auch für ihn war ein ganz spezieller Moment, für den er auch spezielle Worte fand: "Das war ein innerlicher Emotionsausbruch aus dem Herzen."

"Seid mir bitte nicht böse"

© imago

Vor der Partie hatte sich Subotic noch per Facebook an die Dortmunder Anhänger gewandt: "Seid mir bitte nicht böse, wenn ich für 90 Minuten unsere tiefe Freundschaft vergesse. Wie ihr wisst, gebe ich immer 100 Prozent." Und das tat er dann auch, war maßgeblich daran beteiligt, dass Köln die Null hielt und einen Punkt mitnehmen konnte. Mit letztem Einsatz verhinderte er in der Nachspielzeit das Gegentor durch Ousmane Dembélé. "Eine Geschichte, wie sie wohl nur der Fußball schreibt", urteilte auch Ex-Kollege Matthias Ginter.

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Dass sich Subotic immer voll mit seiner Aufgabe identifiziert, lernten auch die Kölner Fans schnell zu schätzen. Und so trugen sie zu diesem denkwürdigen Nachmittag bei, indem auch sie den besonderen Profi und seine Geschichte feierten. Nach der Laola vor der Südtribüne setzten im Gästeblock auch die FC-Anhänger zur Welle für ihren Verteidiger an und zollten dem 28-Jährigen Sprechchöre und Beifall.

Eine ewige Bindung

Geht es nach Subotic, wird man schon bald zusammen noch mehr zu feiern haben. Er ist guten Mutes, sich mit den Domstädtern im Endspurt der Saison noch für die Europa League zu qualifizieren. Mit einem Sieg gegen Bremen könnte man am nächsten Wochenende einen großen Schritt machen. "Es war wichtig, mit dem Unentschieden in Dortmund nochmal Selbstbewusstsein zu tanken, damit wir beim nächsten Spiel gegen Werder dann mit breiter Brust auflaufen können", sagte Subotic.

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Sprach er, holte flugs seine persönlichen Sachen aus dem Kölner Bus und schüttelte in Dortmund noch viele Hände, an diesem Tag der großen Emotionen und großen Worte. Wie sagt Subotic es doch selbst? "Noch einmal die Wertschätzung zu bekommen für die ganze Arbeit, die ich investiert habe, für die ganzen schönen Momente, die wir gefeiert haben, auch die traurigen, die uns immer enger vereint haben, das ist eine Bindung, die auch in 100 Jahren noch bestehen wird."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

Video: Mythos Gelbe Wand