Frankfurt - Es war ein Laufweg wie aus dem Lehrbuch: Mijat Gacinovic passte den Ball aus dem Zentrum zu Timothy Chandler auf den rechten Flügel, sprintete dann in Richtung erster Pfosten und kam deshalb nach der abgefälschten Flanke von Chandler einen Schritt schneller als alle anderen an die Kugel - und verlängerte diese ohne großen Luftsprung per Kopf ins Kölner Gehäuse.

So durfte sich Gacinovic über sein erstes Bundesligator überhaupt freuen, das in der fünften Minute auch schon den Siegtreffer gegen den 1. FC Köln bedeutete. Eintracht Frankfurt hat dadurch nun schon 18 Punkte gesammelt und steht nach dem vierten Spiel in Serie ohne Gegentor stabil oben in der Tabelle. Trainer Niko Kovac freut sich zwar über die "Momentaufnahme", sein Blick geht in der Tabelle aber vor allem nach unten. Abheben ist mit diesem Trainer ausgeschlossen. Disziplin und harte Arbeit predigt und verkörpert Kovac, der die neue Mannschaft in der Vorbereitung erstaunlich fit gemacht hat - eine Fitness, von der auch Gacinovic profitiert.

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"Der Kleine kann den Unterschied machen"

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Laufwege wie den von Gacinovic beim Siegtor gegen Köln verlangt Kovac von seinen Offensivkräften. "Ich erwarte von den Spielen, dass sie hinter die Viererkette kommen. Genau das ist Mijats Stärke. Es freut mich, dass der Ball wieder auf den ersten Pfosten gekommen ist und wir dort waren", sagt Kovac. Wer in den Strafraum durchläuft,  muss nicht 1, 96 Meter groß und 96 Kilogramm schwer wie Eintracht Torjäger Alexander Meier sein, um Kopfballtore zu machen - es geht dann wie im Fall von Gacinovic auch mit nur 1, 75 Meter und 66 Kilogramm.

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Von Gacinovic hält Trainer Kovac seit seiner Ankunft bei der Eintracht sehr viel. "Der Kleine kann den Unterschied machen", prophezeite Kovac schon nach der erfolgreichen Relegation gegen den 1. FC Nürnberg, durch die die Eintracht im Mai nach einer schweren Saison doch noch den Erstligaverbleib sichern konnte. Beim 1:1 im Hinspiel hatte der feine Techniker selbst ein Tor erzielt, den 1:0-Siegtreffer von Haris Seferovic im Rückspiel vorbereitet. "Retter aus dem Nichts" titelte der "kicker" damals. Denn in der Liga spielte Gacinovic zuvor keine große Rolle, kam nur zu sieben Einsätzen und tat sich auch aufgrund einer Pause wegen der Erkrankung mit dem Pfeifferschen Drüsenfiebers schwer, Fuß zu fassen. Nun aber scheint er sich immer besser an die Wettkampfhärte der Bundesliga zu gewöhnen. "Mijat hat eine gute Entwicklung genommen", findet Kovcac: "Er betreibt sehr viel Aufwand." Kovac beschreibt den beidfüßigen Linksaußen als "drahtigen, quirligen und wendigen Spieler, bei dem man nie weiß, was er als nächstes macht."

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Kam mit großen Erwartungen

Mit sieben Einsätzen hat er schon nach zehn Spieltagen in dieser Saison die Bilanz seiner schwierigen Permierenrunde eingestellt und mit dem ersten Treffer getoppt. Gekommen ist Gacinovic im Sommer 2015 mit großen Erwartungen als Kapitän der serbischen U 20 Nationalmannschaft, die in Neuseeland Weltmeister geworden war. Der Techniker kam zur Eintracht vom serbischen Erstligisten FK Vojvodina Novi Sad, wo er in seiner letzten Saison mit elf Toren drittbester Torschütze der Liga war. Nun scheint er langsam auf dem Weg vom Talent zum gestandenen Profi, auch wenn er noch immer Schwankungen im Spiel unterliegt. Doch der Auftritt gegen Köln bestätigt den Aufwärtstrend - nicht nur bei Gacinovic, sondern bei der ganzen Eintracht.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter