München - Comedian Michael Mittermeier ist Bayern-Fan mit Leib und Seele. Bei ihm ging es sogar so weit, dass er nach zwei verlorenen Champions-League-Finals sein Ticket für Wembley "dem Fußball-Gott opferte", damit sein FCB endlich triumphiert.

Im zweiten Teil des Interviews vor dem Kracher zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern (Samstag, ab 18 Uhr im Live-Ticker) spricht Mittermeier mit bundesliga.de über Bayern-Bettwäsche, Thomas Müllers Comedy-Talente und BVB-Stars in seinem Show-Publikum.

bundesliga.de: Sie machen ja auch bei Ihren Auftritten kein Geheimnis daraus, dass Sie Bayern-Fan sind. Seit wann sind Sie denn eigentlich Bayern-Fan?

Michael Mittermeier: Ich bin schon Bayern-Fan, seitdem ich ein kleiner Junge war. Das wechselt auch nicht mehr.

bundesliga.de: Können Sie sich noch daran erinnern, wie das damals war?

Mittermeier: Irgendwann habe ich angefangen, ins Stadion zu fahren und mir Spiele anzugucken. Klar habe ich vorher auch Radio gehört oder die Sportschau angeschaut. Aber interessant wurde es dann, als ich mit ein paar Freunden nach München gefahren bin ins Olympiastadion. Das sind meine Kindheitserinnerungen, dass ich Beckenbauer hab' spielen sehen, Schwarzenbeck, Breitner, Rummenigge, Hoeneß - lauter große Namen. Das prägt einen natürlich als Kind. Das werde ich auch nie vergessen. Das hab' ich im Blut.

bundesliga.de: Wie äußert sich denn sonst Ihr Fan-Sein? Schlafen Sie in Bayern-Bettwäsche oder bleibt es beim Schal um den Hals?

Mittermeier: Bettwäsche würde meine Frau nicht zulassen. Aber ich würde auch nie Bayern-Bettwäsche kaufen. Das ist so fancy Fantum. Das ist nicht mein Bier. Ich habe drei Trikots und das ist für mich schon die volle Packung. Je nachdem ziehe ich das eine oder andere an. Beim Finale in Wembley bin ich in meinem Schweinsteiger-Trikot vom Finale dahoam vor dem Fernseher gesessen und habe es erlöst. Jetzt kann ich es weiterhin tragen.

bundesliga.de: Früher haben Sie gerne Oliver Kahn parodiert. Gibt es im aktuellen Bayern-Kader einen Spieler, der sich zur Parodie eignen würde?

Mittermeier:Oli Kahn ist im aktuellen Programm wieder mit drin. Ich wüsste jetzt keinen, den ich parodieren könnte. Ich bin kein guter Parodist. Aber Oli Kahn kann ich.

bundesliga.de: Nach dem Triple-Sieg hat Thomas Müller Co-Trainer Hermann Gerland parodiert. Schlummert im Sturm des FC Bayern ein verborgenes Comedy-Talent?

Mittermeier: Keine Ahnung, dazu müsste er ein bisschen mehr machen. Wenn einer einen Witz macht, heißt es, der könnte eine Comedy-Karriere starten. Umgekehrt ist es nie so. Wenn ich ein Tor schieße irgendwo auf dem Bolzplatz, sagt ja auch keiner: "Oh, der Mittermeier, der sollte sich mal anmelden für die Champions League." Ist eigentlich ein bisschen unfair.

bundesliga.de: Mittermeier, der Fußballstar?

Mittermeier: Es wird nichts bei rauskommen. Ich bin ein lausiger Fußballspieler. Wenn ich spiele, bin ich schon engagiert, aber engagiert sein reicht ja nicht.

bundesliga.de: Fußballer wie Kahn sind nicht nur Teil Ihres Programms, sondern immer mal wieder auch als Zuschauer im Publikum, unter anderem BVB-Torhüter Roman Weidenfeller. Freuen Sie sich dann, auch wenn es ein Dortmunder ist?

Mittermeier: Ich freue mich. Ein paar von den Jungs waren mal bei mir in der Show. Weidenfeller, Sebastian Kehl und noch ein paar andere. Ich finde das schön. Ich hab' ja keinen, wie man heute sagt, Beef mit denen. Es sind tolle Spieler. Und selbst Jogi Löw hat ja jetzt mal einen lichten Moment gehabt, den Weidenfeller mitzunehmen. Ich fänd's toll, wenn der nächstes Jahr mit zur WM fährt. Wir brauchen einen, der eine abgezockte Sau ist und weiß, was Schlagerspiele bedeuten. Natürlich ist Manuel die Nummer eins, aber du brauchst immer einen Back-up. Und da habe ich lieber einen, der weiß, was er tut, als ein junges Talent.

bundesliga.de: Sehen Sie zwischen einem Comedian auf Tour und einem Fußballspieler eigentlich Parallelen?

Mittermeier: Die Parallele ist vielleicht die: Wenn du auf die Bühne gehst, musst du liefern. Nur mein Problem ist: Ich darf nicht verlieren. Ich bin alleine. Beim Fußballspiel kannst du verlieren. Wenn es kein gutes Spiel war, gehen die Leute nach Hause und sagen "na gut". Wenn ich verliere, gehen 5.000 Leute und sagen, das war jetzt nicht so lustig, dann hab' ich echt ein Problem. Ich kann mir nicht erlauben, zu verlieren. Wir ähneln uns also darin, dass wir zu einem gewissen Zeitpunkt Leistung abrufen müssen. 90 Minuten auf dem Platz zu laufen, ist körperlich sicherlich noch die größere Anstrengung. Aber zweieinhalb Stunden auf der Bühne ist auch kein Kaffekränzchen.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig

Teil 1:
Mittermeier über den Champions-League-Finalfluch, SMS an BVB-Fan Atze Schröder und die schwere Entscheidung "Klo oder Elfer" bei einem Stadionbesuch mit seiner Tochter.