Köln - 20 fußballbegeisterte Kinder aus der ganzen Welt flitzen dem Ball hinterher. Und mittendrin eine schwäbische Legende. Im typischen Stuttgarter Singsang gibt Günther Schäfer Anweisungen. 331 Mal lief Schäfer in der Bundesliga für den VfB Stuttgart auf. Heute leitet der 52-Jährige die VfB Fußballschule. Seit April 2015 trainiert er neben den Teilnehmern der Kurse und Camps der Fußballschule im Rahmen der Initiative "Fußball verbindet" auch Flüchtlingskinder.

Während des Trainings merkt man schnell, dass die Sprachbarriere keine Rolle spielt. "Da zeige ich viel, mache viel vor und die Jungs und Mädels schauen die Übungen dann ab", erklärt Schäfer gegenüber der "Stuttgarter Zeitung". Dabei geht es um weit mehr als nur Fußball: "Unser Ziel ist es auch, Flüchtlinge nachhaltig zu unterstützen und sie auf den Alltag in Deutschland vorzubereiten", so Schäfer weiter.

Mehr Trainingsgruppen nach den Sommerferien

Über 3.000 Flüchtlinge leben derzeit in Stuttgart. Die Initiative zur spielenden Integration haben das Theaterhaus Stuttgart e. V., die Stadt Stuttgart und die Mercedes-Benz Bank gemeinsam mit dem VfB Stuttgart ins Leben gerufen. "Der Bedarf an Unterstützung für die Menschen, die auf der Flucht alles verloren haben und nun in unserer Mitte leben, ist groß. Für uns ist es deshalb nur folgerichtig, dass wir uns auch in diesem Bereich engagieren. Unter dem Überbegriff VfBfairplay wollen wir nachhaltig Flagge zeigen", betont VfB-Präsident Bernd Wahler.


Schäfer hat einen guten Draht zu den Kindern und Jugendlichen. Dementsprechend groß ist die Nachfrage. Über 400 Flüchtlinge haben sich bei der Stadt gemeldet. Der VfB trägt dem Rechnung und startet nach den Sommerferien unter seiner Leitung zwei weitere Kurse für Flüchtlinge. Darunter auch einen für Erwachsene. Isabel Fezer, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Stuttgart, Referat Soziales, Jugend und Gesundheit, sieht Fußball als optimalen Integrationsförderer: "Um zu kicken, braucht es nicht viel und die Regeln kennt ohnehin jeder. Deswegen bringt Fußball ja Menschen auf der ganzen Welt zusammen."

Duell mit Maradona

Wenn das Schwäbisch der jungen Flüchtlinge dann gut genug ist, wird ihnen Günther Schäfer vielleicht nach dem Training einige Geschichten aus seiner langen Karriere erzählen. Zum Beispiel, wie er 1989 im Finale des UEFA-Cups die Klingen mit dem großen Diego Maradona kreuzte. Am Ende reichte es für den VfB nicht ganz zum Titel. Den jungen Flüchtlingen wird es egal sein. Für sie ist der Günther auch so ein echter Champion.