Aachen - Der FC Bayern München steht wieder einmal im Halbfinale des DFB-Pokals. Souverän nahm der Titelverteidiger die Viertelfinal-Auswärtshürde beim Zweitligisten Alemannia Aachen. Mit 4:0 gewannen die Bayern im ersten Spiel nach dem Abgang ihres langjährigen Kapitäns Mark van Bommel.

Im Interview nimmt dessen Nachfolger im Amt, Bayerns rechter Außenverteidiger Philipp Lahm Stellung.

Frage: Philipp Lahm, Glückwunsch zum Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. Die Mannschaft hat 4:0 beim "Angstgegner" Alemannia Aachen gewonnen. Wie haben Sie das Spiel gesehen?

Philipp Lahm: Wir haben die letzten drei Spiele hier nicht gewonnen. Deswegen haben wir sehr aggressiv und konzentriert gespielt und hochverdient gewonnen. Nach der Pause hatte die Alemannia zwar eine gute Phase. Aber wir haben gezeigt, dass wir uns befreien können. Danach haben wir dann endlich unsere Torchancen genutzt, was vorher nicht so der Fall war.

Frage: Am alten Tivoli konnten die Bayern die Alemannia in den letzten drei Spielen nicht schlagen. Am neuen hat Tivoli hat es jetzt direkt geklappt. Was nehmen Sie noch Positives mit?

Lahm: Das ist schon etwas Positives. Ansonsten stehen wir im Halbfinale des Pokals. Wir wollen unbedingt nach Berlin, weil wir wissen, wie schön es ist, einen Titel zu gewinnen.

Frage: Haben Sie einen Wunschgegner für das Halbfinale?

Lahm: Nein, Fußball ist kein Wunschkonzert. Schön wäre es, ein Heimspiel zu haben und vor eigenen Zuschauern zu spielen. Das wünschen wir uns.

Frage: Der bisherige Bayern-Kapitän Mark van Bommel hat den Verein verlassen. Was bedeutet sein Weggang für den FC Bayern?

Lahm: Es war Marks Entscheidung zu gehen. Der Verein hat ihm keine Steine in den Weg gelegt. Das muss man akzeptieren. Es ist heutzutage so, dass Spieler gehen und kommen. Das gehört zum Fußballgeschäft. Wir haben qualitativ eine breite Mannschaft mit einem sehr guten Mittelfeld. Das hat man gegen Aachen auch gesehen.

Frage: Sie haben in Aachen die Kapitänsbinde getragen. Wird das bis zum Saisonende so bleiben?

Lahm: Das wird der Fall sein, so lange ich fit bin. Es ist sehr reizvoll, beim FC Bayern Kapitän zu sein. Ich bin froh, dass ich es geworden bin.

Frage: In der Innenverteidigung haben zum zweiten Mal hintereinander Tymoshchuk und Badstuber gespielt. Gegen Aachen hat die Abwehr nur ein, zwei Chancen der Alemannia zugelassen. Läuft es schon besser?

Lahm: Es läuft immer besser. Trotzdem war es "nur" ein Zweitligist. Aber insgesamt spielen wir immer besser zusammen. Es ist ja auch immer der ganze Abwehrverbund gefordert. Wir hatten nur wenige brenzlige Situationen zu überstehen und haben sehr ordentlich gespielt haben.

Frage: Welchen Eindruck haben Sie nach drei Spielen von Luiz Gustavo?

Lahm: Das wird man sehen, wenn er länger da ist und öfter spielt. Der FC Bayern ist etwas anderes als alle anderen Vereine. Dann wissen wir, ob er zu diesem Verein passt.

Frage: Bayern-Torwart Thomas Kraft hat gegen Aachen einige starke Paraden gezeigt. Hat er das Vertrauen des Trainers bestätigt oder wussten Sie schon vorher, wie gut er ist?

Lahm: Ich trainiere jeden Tag mit ihm. Deswegen weiß ich, was er für eine Qualität hat.

Frage: Ihr Trainer nennt solche Spiele wie gegen Aachen gerne Tod-oder-Gladiolen-Spiele. Glauben Sie, dass der FC Bayern in der Rückrunde wieder mehr davon gewinnt?

Lahm: Das ist natürlich unser großes Ziel. In der Hinrunde hat unsere Auswärtsschwäche oft eine Serie verhindert, weil wir nicht punkten konnten. Wir wollen jetzt endlich eine Serie starten, um Platz 2 zu sichern.

Frage: In der Bundesliga stehen gleich zwei weitere Aufgaben auswärts an. Zunächst beim krisengeschüttelten SV Werder Bremen, danach beim 1. FC Köln. Wie gehen Sie die Aufgaben an?

Lahm: Das ist ja oft am Gefährlichsten, wenn eine Mannschaft mit dem Rücken zur Wand steht. Wir schauen auf uns. Wir müssen hochkonzentriert spielen, so aggressiv wie gegen Aachen. Dann werden wir auch in Bremen gewinnen.

Frage: Ist der DFB-Pokal für den FC Bayern in dieser Saison nur ein Trostpreis, wenn es mit der Meisterschaft nicht klappt?

Lahm: Das ist ein sehr schöner Wettbewerb. Wir freuen uns, wenn wir in Berlin sind.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski