Berlin – Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) hat ihr von DFL und DFB unterstütztes neues Bildungs- und Forschungsprojekt "Fußball für Vielfalt" vorgestellt. Gemeinsam mit dem 52-maligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger präsentierte der Vorsitzende der Stiftung, Jörg Litwinschuh, auf einer Pressekonferenz mit anschließender Podiumsdiskussion das Projekt gegen Diskriminierung Homosexueller im Sport.

"Im Fußball gibt es noch kein Umfeld für ein Coming-out", sagte Thomas Hitzlsperger auf der von Katrin Müller-Hohenstein moderierten Veranstaltung.

Seitdem Hitzlsperger seine eigene Homosexualität öffentlich gemacht hat, engagiert sich der 32-Jährige für die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH). Für ihn war es wichtig zu sehen, "dass es in Deutschland viele Leute gibt, die sich für das Thema informieren." Er betont aber auch, dass "Vorurteile abgebaut werden müssen." In der Informationsbroschüre des Projektes bezieht er deutlich Stellung: "Der moderne Fußball ist kein Lebensraum für Gestrige und Leute mit angestaubten Vorurteilen. Deshalb brauchen wir dringend mehr Aufklärung und klare Zeichen aller Verantwortlichen gegen Homophobie im deutschen Fußball."

Homosexualität soll enttabuisiert werden

Das ist auch für Jörg Litwinschuh ein zentrales Anliegen der BMH. "Es gibt viele Klischees, die wir aufbrechen müssen, um die Akzeptanz von Homosexualität im Sport zu fördern", sagte der Stiftungsvorstand. Ziel muss es sein "Homosexualität zu enttabuisieren". Zu diesem Zweck arbeitet die BMH mit der Universität Vechta an einer fundierten wissenschaftlichen Umsetzung des Projekts "Fußball für Vielfalt". Der wissenschaftliche Leiter des Bildungsprojektes, Prof. Dr. Martin Schweer, sagte: "Es muss gelingen, in die Vereine zu kommen, um das Thema anzusprechen."

Dabei kann die Initiative auch auf Unterstützung der DFL Deutsche Fußball Liga und des DFB zählen; dies nicht zuletzt in der Form eines Schecks über 20.000 Euro, den der Präsident des Ligaverbandes, Dr. Reinhard Rauball, sowie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei einem Charity Dinner Anfang September vergangenen Jahres in Berlin an Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh überreicht hatten. Rauball sagt darüber hinaus: "Vielfalt muss noch selbstverständlicher werden. Das gilt für alle gesellschaftlichen Bereiche. Der Profifußball kann und möchte etwas dazu beitragen. Denn gerade unser Sport vermag es, Menschen über vermeintliche Grenzen hinweg zu verbinden."

"Der DFB wird niemals fordern, dass Spieler ihre sexuelle Identität öffentlich machen müssen", ergänzt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Es ist und bleibt eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Wenn aber jemand dabei unsere Unterstützung möchte, dann kann er sich auf uns verlassen."

Ein wichtiger Beitrag der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

In der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Profi- und Amateurfußball wurde deutlich, dass es bereits Fortschritte im Umgang mit Homosexuellen im Fußballsport gibt, jedoch in einigen Bereichen wie beispielsweise in den Landesverbänden noch Verbesserungspotential besteht. "Der DFB macht neue Schritte. Uns fehlt es jedoch noch an Erfahrung", sagte die Leiterin der AG-Vielfalt des DFB, Claudia Wagner-Nieberding. Thomas Hitzlsperger hob den Verband dennoch als wichtigen Partner hervor.

Das Podium war sich einig, dass das Programm "Fußball für Vielfalt" einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Akzeptanz von Homosexualität im Sport leistet und begrüßten die Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Das ist "Fußball für Vielfalt":

Zentrales Ziel der Initiative "Fußball für Vielfalt –Fußball gegen Homophobie" ist der Abbau von Homo- und Transphobie auf allen Ebenen des Sports, also jeglicher Form versteckter und offener Diskriminierung aufgrund negativer Einstellungen gegenüber homosexuellen Menschen und allen anderen, die nicht dem gängigen heteronormativen Bild der Gesellschaft entsprechen.

Als der mit Abstand beliebtesten Sportart in Deutschland gelingt es dem Fußball in besonderer Weis, die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen anzusprechen, miteinander zu verbinden und Veränderungsprozesse anzustoßen. Die Initiative "Fußball für Vielfalt" mit ihren Bildungs- und Forschungsaktivitäten ist aber grundsätzlich auf alle Bereiche des (Fußball-)Sports ausgerichtet, sie will damit nachhaltige Zeichen setzen gegen Diskriminierung aufgrund sexueller und/oder geschlechtlicher Identität und für gelebte Vielfalt. Ungeachtet der Schwerpunktsetzung auf homosexuelle Orientierungen wird insofern selbstverständlich auch die Übertragung auf weitere sexuelle Orientierungen und LSBTTI*-Lebensformen angestrebt.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld:

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld versteht sich als Impulsgeberin bei der Erforschung und Wissensvermittlung hinsichtlich der Repression, Diskriminierung und des Alltags von Lesben, Bisexuellen, Schwulen, Transgender, trans*- und intersexuellen/-geschlechtlichen Menschen (LSBTTI*) in Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist Initiatorin der "Berliner Erklärung. Gemeinsam gegen Homophobie – für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport" (vom 17. Juli 2013), zu deren ersten Unterzeichnern auch die DFL gehörte, und der Forschungs- und Bildungsinitiative "Fußball für Vielfalt – Fußball gegen Homophobie". Das Referat "Bildung und Antidiskriminierung" der BMH betreut das Projekt.

Benannt ist die Stiftung nach dem Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung Magnus Hirschfeld (1868-1935).

Homepage Fußball für Vielfalt: www.ffv-online.de

Über die Stiftung: http://mh-stiftung.de/ueber-die-stiftung/