Fürth/Dortmund - Zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte könnte die SpVgg Greuther Fürth das Endspiel des Vereinspokals erreichen und sich damit sogar einen Startplatz für die Europa League sichern - und Präsident Helmut Hack spricht vom Karlsruher SC, dem nächsten Gegner in der 2. Bundesliga. "Gegen Karlsruhe", betonte Hack, "das wird das schwerste Spiel für uns."

"Das ist mein voller Ernst", hat der Präsident vor dem Duell mit dem amtierenden Meister Borussia Dortmund am Dienstag (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) übrigens versichert. Auch Manager Rachid Azzouzi gibt sich große Mühe, den Blick auf das Wesentliche zu lenken, und das ist nun mal nicht das Spiel gegen Dortmund. Der Pokal sei ein "Bonus", betont Azzouzi, "das Wichtigste ist die Meisterschaft".

Asamoah: "Geiles Spiel"



Das ist auch verständlich: Seit 2001 ist die SpVgg Greuther Fürth in der 2. Bundesliga ein Mal 6. geworden, sieben Mal 5. und ein Mal 4. In diesem Jahr aber soll Schluss sein mit dem ewigen Rumgeflirte und die voller Selbstironie vor Saison ausgerufene "unAufsteigbar-Tour" ein Ende finden.

Die Ambitionen der Fürther personifiziert in gewisser Weise auch Gerald Asamoah. Der frühere Nationalspieler, im Winter verpflichtet, ist eine Abkehr von der Maßgabe, hauptsächlich auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen. Der 33 Jahre alte Angreifer ist in den vergangenen Tagen so richtig in seinem Element gewesen: Er, als ehemaliger Schalker, darf noch einmal gegen Dortmund spielen. "Das ist ein geiles Spiel", sagt Asamoah, er selbst hat den Pokal 2001 und 2002 mit "Königsblau" gewonnen. Doch auch er weiß, dass er geholt wurde, damit Fürth nicht unaufsteigbar bleibt.

Für die Mannschaft ist das Pokalspiel trotzdem erst mal das Größte. "Das Spiel meines Lebens", nennt es der 19 Jahre alte Felix Klaus erwartungsgemäß und betont: "So, wie wir drauf sind, wird es auch für Dortmund nicht einfach."

"Karriere-Highlight" für Büskens



Nun ja, merkt da sein Trainer an: "Das sind alles fußballerische Vollraketen. Ein Spieler kostet bei denen mehr als die ganze Mannschaft", sagt Trainer Mike Büskens. Er nennt das Spiel ein "Karriere-Highlight", und nur auf die Meisterschaft in der 2. Bundesliga will er die Ziele bei aller Bedeutung des möglichen Aufstiegs doch nicht reduzieren: "Wenn man die Gelegenheit hat, will man alles gewinnen."

Kollege Jürgen Klopp betonte am Montag dermaßen oft die Größe des Pokals, dass daran zu erkennen war, wie wichtig die Dortmunder das Spiel nehmen. "Wir haben den angemessenen Respekt", sagte Klopp, der Tabellenführer der 2. Bundesliga habe "bestimmt die Qualität einer Mannschaft des Mittelfelds der Bundesliga."

Letzteres ist so falsch nicht, aber Klopp will den Gegner auch nicht größer machen, als er ist. "Sie haben noch nie gegen einen Gegner gespielt wie uns. Wir dagegen haben schon gegen viele Mannschaften wie Fürth gespielt." Will heißen: Wir wissen, was auf uns zukommt, ihr vielleicht nicht.

Halbfinale nichts für die Geschichtsbücher



Die Dortmunder, Deutscher Meister, seit acht Spielen ungeschlagen auf dem Spielfeld des Gegners, nehmen die Sache ernst. Es gehe schließlich darum, ins Finale einzuziehen, wiederholte Klopp, der DFB-Pokal sei immerhin "einer der größten Wettbewerbe weltweit" und ein Halbfinale ist zwar schön, aber auch "nichts für die Geschichtsbücher".

Seine Mannschaft habe deshalb im Pokal bislang "jede Aufgabe brutal ernst genommen", sie habe auch eine "besondere Gier" entwickelt. Die ist schon alleine deswegen nötig, weil der BVB bislang nur dann das Finale des DFB-Pokals erreicht hat, wenn er im Halbfinale ein Heimspiel hatte.

"Gierig", sagt Coach Büskens, gierig sei auch seine Mannschaft. Es wäre für den Deutschen Meister von 1914, 1923 und 1929 die erste Endspielteilnahme, und die Europa League gäbe es wohl als Sahnehäubchen drauf. Und ja, auch Helmut Hack ist selbstverständlich die Bedeutung des Wettbewerbs, die Größe und die Einmaligkeit des Spiels am Dienstag und die Chance, die sich der SpVgg da bietet, durchaus bewusst. "Das wird das Spiel der Spiele für uns", sagt der Präsident. Aber dann muss es erst mal wieder gut sein. Am Samstag geht's gegen Karlsruhe. Um den Aufstieg."


Die voraussichtlichen Aufstellungen:

SpVgg Greuther Fürth: Grün - Nehrig, Kleine, Mavraj, Schmidtgal - Fürstner, Prib - Klaus, Sararer - Occean, Nöthe

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Blaszczykowski, Kagawa, Großkreutz - Lewandwoski

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)