Fürth - Die Generalprobe haben sie verpatzt, jetzt soll es bei der Premiere besser laufen. Nach dem überraschenden Pokalaus in Offenbach freut sich die SpVgg Greuther Fürth auf ihr erstes Bundesliga-Spiel, in dem die Elf von Mike Büskens am Samstag direkt auf den Rekordmeister Bayern München trifft. Vor dem Spiel unterhielt sich Stephan Fürstner mit bundesliga.de über das Duell. Er wechselte vor vier Jahren vom Rekordmeister zu den Franken - und verfügt bereits über drei Minuten Bundesliga-Erfahrung.

bundesliga.de: Herr Fürstner, am Samstag ist es endlich soweit. Dann bestreitet die SpVgg Greuther Fürth ihr erstes Bundesliga-Spiel der Vereinsgeschichte. Wie sehr fiebern Sie dem Spiel entgegen?

Fürstner: Die Mannschaft ist voller Vorfreude. Dass es gleich mit einem Derby und dem Hammerspiel gegen Bayern München losgeht, freut uns alle. Das wird eines der schönsten Spiele.

bundesliga.de: Inwieweit spielt es noch eine Rolle, dass die Saisonpremiere im Pokal in Offenbach in die Hose gegangen ist, und die SgVgg nach dem 0:2 beim Drittligisten bereits ausgeschieden ist?

Fürstner: Man kann die Spiele nicht miteinander vergleichen. Im Pokal waren wir in der Favoritenrolle. Und Offenbach war schon im Meisterschaftsrhythmus. Trotzdem hatten wir uns mehr erhofft. Wir müssen das Spiel jetzt abhaken und uns auf die Bundesliga konzentrieren. Gegen die Bayern herrschen andere Voraussetzungen - da haben wir ein Heimspiel, und da sind wir der klare Underdog.

bundesliga.de: Beim FC Bayern sind Sie groß geworden. Welche Beziehung haben Sie noch zu den Münchenern?

Fürstner: Der FC Bayern ist der Verein, bei dem ich gereift bin. Ich habe da vor allem in der zweiten Mannschaft unter Hermann Gerland gespielt. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern aus dem Betreuerteam. Bayern ist sicher der beste Verein in Deutschland und einer der besten Europas. Als gebürtiger Münchener bin ich noch oft in der Stadt und manchmal gucke ich mir dann auch das Training der Bayern an.

bundesliga.de: Was ist drin gegen die Bayern?

Fürstner: Die Bayern sind Favorit. Aber das darf uns nicht hemmen. Wir sind heimstark und positiv gestimmt, ein ordentliches Spiel abzuliefern. Wir wünschen uns eine Sensation, wären aber ganz sicher mit einem Unentschieden zufrieden.

bundesliga.de: Wie groß ist die Herausforderung Bundesliga für die SpVgg?

Fürstner: Wir müssen als Team in der Bundesliga umstellen. In der 2. Bundesliga sind wir in jedem Spiel davon ausgegangen, dass wir es gewinnen. Wir haben das Spiel gemacht, das kam uns entgegen. Jetzt müssen wir uns etwas anpassen. In der Bundesliga werden die Fehler härter bestraft als in der 2. Bundesliga. Die renommierten Clubs spielen viel ruhiger und lassen sich auch von einem Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Wir haben in der 2. Bundesliga oft einen Rückstand umgebogen, das wird jetzt schwerer. Wir durchlaufen einen ähnlichen Reifeprozess wie ihn Augsburg im vergangenen Jahr mitgemacht hat. Die sind erst in der Rückrunde richtig aufgeblüht.

bundesliga.de: Dass Fürth mit Bundesligisten mithalten, hat der Verein im Pokal in der vergangenen Saison bewiesen.

Fürstner: Das stimmt. Wir sind im Pokal im vergangenen Jahr weit gekommen und haben Bundesligisten geschlagen. Aber da waren die Voraussetzungen auch anders. Wir waren als Zweitligist der krasse Außenseiter. Und in einem Pokalspiel geht es um alles. In einer Bundesliga-Saison läuft es anders. Aber wir wissen, dass wir Fußball spielen können.

bundesliga.de: Wie kann Fürth in der Bundesliga bestehen?

Fürstner: Wir müssen die Grundtugenden einbringen, geschlossen auftreten. Dann muss auch einmal das Glück im richtigen Moment auf unserer Seite sein. Wir müssen kaltschnäuzig werden, denn wir werden in der Bundesliga weniger Chancen bekommen. Die müssen wir dann besser nutzen.

bundesliga.de: Mit Olivier Occean hat der Torjäger den Verein verlassen. Wie schwer wiegt sein Abgang?

Fürstner: Sein Abgang tut uns sicher weh, er hat perfekt in unser Spiel gepasst. Aber das ist jetzt Vergangenheit. Wir haben Vertrauen in unsere Spieler und eine hohe Qualität in der Offensive.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Konkurrenz die SpVgg etwas unterschätzen wird?

Fürstner: Es kann sein, dass wir vielleicht einmal unterschätzt werden und uns einige nicht so auf dem Schirm haben wie die etablierten Clubs. Das müssen wir dann aber auch ausnutzen.

bundesliga.de: Wie zuversichtlich sind Sie, dass Fürth den Klassenerhalt packt?

Fürstner: Ich bin sehr zuversichtlich. Wir haben schon in der vergangenen Saison etwas Einmaliges erreicht und freuen uns auf die Bundesliga. Wir haben nicht so viele Spieler im Kader, die schon in der Bundesliga gespielt haben. Ich selbst habe vor Jahren mal unter Ottmar Hitzfeld ganze drei Minuten bekommen. Jetzt wollen wir alle mehr.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski