Wroclaw - Sie konnten ihr Glück kaum fassen: Als der erlösende Abpfiff endlich ertönte, rannten die tschechischen Spieler sofort vor die Kurve ihrer Fans, wo sie minutenlang feierten und gefeiert wurden. Tschechien steht im Viertelfinale dieser Europameisterschaft.

Der Wolfsburger Profi Petr Jiracek machte in der 72. Minute durch seinen zweiten Treffer bei diesem Turnier den 1:0-Sieg gegen Gastgeber Polen perfekt. Die Tschechen ziehen als Erster der Gruppe A in die Runde der besten acht Mannschaften bei dieser Fußballschau ein. Kaum jemand hätte das nach dem 1:4 zum Auftakt gegen Russland erwartet. "Aber eine Euro ist nicht nur das erste Spiel", wusste der tschechischen Torwart Petr Cech nach der Vorrunde.

Vater Kadlec verlor EM-Finale gegen Deutschland



Auch Jiraceks künftiger Mannschaftskollege in Wolfsburg, Vaclav Pilar, machte ebenso wie Abwehrspieler Michal Kadlec von Bayer Leverkusen, ein starkes Spiel. Kadlec ist der Sohn des ehemaligen Bundesligaprofis und tschechischen Nationalspielers Miroslav Kadlec.

Der "alte" Kadlec, einst beim 1. FC Kaiserslautern aktiv, verlor 1996 in London mit Tschechien das EM-Endspiel gegen Deutschland. Nur Sekunden vor dem Abpfiff bewahrte der junge Kadlec nun in Breslau seine Mannschaft vor dem Aus, als er nach einem Heber von Jakub Blaszczykowski den Ball von der Torlinie beförderte. Wäre da der Ausgleich gefallen, hätten die Tschechen die Heimreise antreten müssen. Über diese Situation und wie er den Auftritt seiner Tschechen bewertet, sprach Michal Kadlec nach dem Spiel in den Katakomben des Stadions von Wroclav.

Frage: Herr Kadlec, was ist das für ein Gefühl, im Viertelfinale einer EM zu stehen?

Michal Kadlec: Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, für solche Momente spielt man Fußball. Es ist schwer, Worte zu finden. Der Schlusspfiff und dann der Jubel, es war unglaublich.

Frage: Nach dem 1:4 zum Auftakt gegen Russland sah es ja nicht nach einem Weiterkommen aus.

Kadlec: Nach dem Spiel gegen Russland war es hart. Wir sind sehr hart kritisiert worden. Aber vielleicht brauchen wir dies als Motivation.
Gegen Russland haben wir gesehen, wie hart der Fußball sein kann, gegen Polen nun wie schön er sein kann.

Frage: Ihr habt euch gesteigert im Spiel gegen Polen…

Kadlec: …ja, wir wussten, ein Unentschieden ist nicht genug für uns. Wir wollten unbedingt als Zweiter ins Viertelfinale, nun sind wir Erster, das ist großartig. Wir wussten in der Halbzeit, dass Griechenland gegen Russland führt und wussten, dass wir gewinnen müssen.

Frage: Sie retteten in der letzten Minute auf der Linie und sicherten so den Erfolg. Wie erlebten Sie die Situation?

Kadlec: Das war einfach nur verrückt.

Frage: Sie wurden von den Fans anschließend euphorisch gefeiert.

Kadlec: Unsere Fans waren großartig, aber auch die polnischen Fans waren das. Sie waren natürlich gegen uns, aber nach dem Abpfiff haben sie auch uns applaudiert. Das war ein schöner Moment, so sollte es sein.

Frage: Haben Sie Kontakt mit Ihren Kollegen aus Leverkusen in der deutschen Nationalmannschaft?

Kadlec: Mit Andre Schürrle noch nicht, aber mit Lars Bender. Als wir uns aus Leverkusen verabschiedet haben, haben wir gesagt, dass wir uns wiedersehen bei der EM. Das wird vielleicht passieren, ob im Viertelefinale? Das glaube ich nicht, weil ich glaube, dass die Deutschen erster in der Gruppe werden. Sie spielen wahrscheinlich am Freitag in Danzig das Viertelfinale, wir das am Donnerstag in Warschau.

Aus Wroclav berichtet Tobias Schächter