Mirko Slomkas Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne verlief zu Beginn alles andere als positiv. Seine ersten sechs Spiele als Trainer von Hannover 96 gingen verloren. Die Mannschaft rutschte immer weiter in den Abstiegssumpf hinein. Doch ausgerechnet beim Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt, dem SC Freiburg, gelang der Befreiungsschlag.

Die Anspannung, der Frust und die Verzweiflung der vergangenen Wochen waren nach dem 2:1-Sieg im Breisgau auf einmal wie weggewischt aus den Gesichtern der 96er Spieler und Verantwortlichen. Stattdessen überwiegt wieder die Hoffnung.

Dies wird auch in Slomkas Interview mit bundesliga.de deutlich. Der Trainer spricht über die gute Arbeit seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen und geht optimistisch ins Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Außerdem stärkt er Florian Fromlowitz den Rücken und erklärt, wie er versucht, seinem "Heimatverein" nach dem Freitod von Robert Enke zu helfen.

bundesliga.de: Herr Slomka, war der Sieg beim SC Freiburg der vielleicht wichtigste Ihrer Trainerlaufbahn?

Mirko Slomka: Ich will da keine persönlichen Abstufungen vornehmen. Aber klar ist: Der Sieg war für uns alle bei Hannover 96 nach der langen Negativserie ungemein wichtig, eine Art Befreiung.

bundesliga.de: Ist die Mannschaft anders aufgetreten als in den Spielen zuvor?

Slomka: Schon gegen Wolfsburg hatte sich angedeutet, dass die Mannschaft konzentriert, kompakt und engagiert spielen kann, anders als in vielen Spielen zuvor. Der Sieg gegen Freiburg war glücklich, aber wir hatten uns das durch intensives Training auch verdient.

bundesliga.de: Wie ist es Ihnen gelungen, sich selbst trotz all der Niederlagen jeden Morgen wieder neu zu motivieren?

Slomka: Ich habe immer an die Mannschaft geglaubt und schon länger bemerkt, dass das intensive, zielgerichtete Training bei ihr ankommt. Das galt es endlich auch in einem Spiel zu zeigen. Ich wusste, das würde kommen.

bundesliga.de: Ein Spieler, der immer wieder in die Kritik geraten ist, ist Florian Fromlowitz. Welchen Anteil hatte er am Sieg in Freiburg und können Sie diese Kritik überhaupt nachvollziehen?

Slomka: Ich habe großen Respekt vor Florian Fromlowitz. Er hat jetzt mehrfach bewiesen, dass er eine gute Nummer 1 ist. Er gibt der Mannschaft auch Rückhalt, den sie braucht, um nach vorne zu spielen.

bundesliga.de: Sie verbindet sehr viel mit Hannover 96. War es für Sie trotz der schwierigen vergangenen Monate bei 96 eine Herzensangelegenheit, zu den "Roten" zurückzukehren?

Slomka: Ja - denn Hannover 96 ist so etwas wie mein Heimatverein. Für den Erfolg hier gebe ich alles und noch ein bisschen mehr…

bundesliga.de: Nach dem Freitod von Robert Enke war es Verein, Mitarbeitern, Spielern und Fans sicher nicht möglich, einfach so in den Alltag zurückzukehren. Da gerät der Fußball schnell zur Nebensache. Wie viel Aufbauarbeit müssen Sie auch abseits des Platzes leisten?

Slomka: Ich habe beobachtet, dass die Mannschaft sich von diesem furchtbaren Ereignis, von den Bildern lösen will. Deshalb habe ich meinen Schwerpunkt von Beginn an auf die sportliche Arbeit gelegt. Unabhängig davon gilt für alle Spieler: Robert Enke bleibt ein Verlust - menschlich und sportlich. Das müssen wir als gegeben akzeptieren - aber trotzdem in der Bundesliga erfolgreich sein.

bundesliga.de: Hat der Sieg in Freiburg eine Blockade bei Ihren Spielern gelöst. Mit anderen Worten: Kann Hannover jetzt frei aufspielen und vielleicht eine Serie starten?

Slomka: Wir müssen möglichst viele Punkte machen, ob in Serie oder immer mal wieder ist dabei nicht vorauszusehen. Aber: Natürlich wäre eine Serie von erfolgreichen Spielen jetzt das Beste für uns.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag geht es gegen Eintracht Frankfurt. Wie werden Sie Ihre Mannschaft auf dieses Spiel einstellen?

Slomka: Die Eintracht spielt eine herausragende Saison aber wir werden uns intensiv auf das Team von Michael Skibbe vorbereiten. Sie sind schlagbar - das hat ja zuletzt Schalke bewiesen.

bundesliga.de: Sie verfügen über ein abgeschlossenes Lehramtsstudium in Mathematik. Wie viele Punkte werden nötig sein, um den Klassenerhalt zu sichern?

Slomka: Einen Klassenerhalt kann man nicht errechnen. Wir müssen uns auf jedes der letzten Spiele konzentrieren und Punkte sammeln, damit es am Ende reicht. Ich bin überzeugt: Das werden wir schaffen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz