Berlin - Ein topmotivierter Nuri Sahin auf dem Platz und der gewiefte Trainerfuchs Guus Hiddink auf der Bank: In ihrem Spiel des Jahres gegen den WM-Dritten Deutschland am Freitag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) will die türkische Nationalmannschaft mit aller Macht das Berliner Olympiastadion stürmen.

"Es wird für beide Seiten ein Festtag. Das ist ein Klassiker, sozusagen ein Derby. Ich freue mich sehr darauf", sagte Dortmunds Mittelfeld-Star Sahin.

Sein niederländischer Trainer Hiddink interessiert dagegen weniger die deutsch-türkische Brisanz des Spiels, sondern vielmehr das große Ziel seiner angeblich letzten Trainermission - die EM 2012: "Natürlich ist es eine besondere Partie, das Duell der Gruppenfavoriten, auf das ganz Europa schaut."

Selbstbewusstsein und Hiddinks Erfahrung

Dass sich beide Teams zumindest nach Punkten auf Augenhöhe begegnen, ist auch für Hiddink, der schon die Nationalteams seines Heimatlandes, Südkoreas, Australiens und Russlands zu Erfolgen geführt hatte, eine kleine Überraschung. Doch nach den beiden Siegen in den Qualifikationsspielen gegen Kasachstan (3:0) und Belgien (3:2) warnte der 63-Jährige vor zu hohen Erwartungen: "Das wird ein schweres Spiel."

Sein Respekt vor dem Gegner ist durch die starken Auftritte der DFB-Elf bei der WM, bei der die Türkei nach verpasster Qualifikation zuschauen musste, noch einmal gestiegen. "Die Deutschen haben gelernt, das Tempo zu variieren", sagte der 63-Jährige. Eine Übermacht seien sie deswegen aber nicht: "Deutschland war gut, aber keineswegs revolutionär."

Doch die türkische Mentalität, bei Erfolg zu Überschwang zu neigen, hat Hiddink in zwei Monaten Amtszeit naturgemäß noch nicht beeinflussen können. "Nicht wir sorgen uns, die Deutschen müssen sich sorgen", tönte zum Beispiel Verbandspräsident Mahmut Özgener. "Wir dürfen uns ruhig das Ziel setzen, die Gruppe zu gewinnen", sagte Mittelfeldspieler Hamit Altintop von Bayern München und nannte auch gleich den Grund für seinen Optimismus: "Herr Hiddink ist ein erfahrener Stratege und Fachmann."

Mediale Lobeshymnen im Vorfeld

Doch nicht in Hiddink oder Altintop, sondern in Sahin setzten die Türken in der Heimat die größte Hoffnung. Die Zeitung "Ajansspor" ist sich sicher: "Der Mann des Tages wird Nuri Sahin sein." Auch das Blatt "Milliyet" prophezeite: "Der deutsche Verband wird sehr traurig sein, dass Nuri Sahin für die Türkei spielt."

Auch der Trainer hält große Stücke auf den 22-Jährigen, der nach dem Ausfall von Spielmacher Arda Turan (Adduktorenverletzung) von Beginn an auflaufen dürfte. "Sahin ist ein exzellenter Profi, der seine Einsatzzeit bekommt", sagte Hiddink im Interview mit dem Fachmagazin kicker. Zwar habe er zuletzt auf erfahrenere Spieler gesetzt, doch: "Dies spricht nicht gegen Sahin."