"Yannic0109" vom FC Augsburg ist der Deutsche Meister der Virtual Bundesliga - © via www.imago-images.de/imago images / Jan Huebner
"Yannic0109" vom FC Augsburg ist der Deutsche Meister der Virtual Bundesliga - © via www.imago-images.de/imago images / Jan Huebner
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Fünf Dinge zum VBL Grand Final by ING

Mit Yannic "Yannic0109" Berderke gibt es 2020 einen Deutschen Meister im eFootball, den kaum jemand auf der Rechnung hatte, während sich viele Favoriten schon früh verabschiedeten. Ein Routinier erlebt seinen zweiten Frühling, ein aufstrebender Youngster musste zwischen den Spielen auch noch zur Abiturprüfung und ein No-Name sorgte für die große Überraschung - fünf Dinge über das VBL Grand Final by ING.

1) Yannic “Yannic0109" Berderke ist der neuer Deutscher Meister

Obwohl Yannic "Yannic0109" Berderke schon im Grand Final 2019 im Xbox-Finale gestanden hatte, galt er nicht unbedingt zu den größten Favoriten. Der Augsburger konnte sich mit seinem Team nicht über die Club Championship qualifizieren und löste als einer der letzten Qualifikanten über die Playoffs noch das Ticket zum VBL Grand Final by ING. Weil er parallel noch eine Ausbildung zum Notarfachangestellten absolviert hat, ist sein Trainingspensum ohnehin von Natur aus begrenzter als bei vielen Kollegen, die sich voll auf den eSport konzentrieren können.

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Umso beeindruckender, was der 19-Jährige dann auf der Xbox ablieferte. Vor allem auch dank einer enorm guten Defensivleistung gelang es den favorisierten "DullenMIKE" und "deto" im Xbox- und Cross-Console-Finale nicht mehr, den frühen Rückstand gegen "Yannic0109" aufzuholen. "Ich freue mich riesig, dass ich dieses Turnier mit dem FC Augsburg für mich entscheiden konnte und nun den Titel 'Deutschlands bester FIFA20-Spieler' tragen darf. Es war ein langer Weg bis hierhin, aber es hat sich mehr als gelohnt. Jetzt wird erstmal gefeiert", gab Bederke im Anschluss zu Protokoll. Das Preisgeld von 25.000 Euro will der neue Meister nun nutzen, um sich als Vollprofi im eSport zu etablieren. Die Voraussetzungen dafür sind spätestens seit Sonntag bestens.

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2) Kai "deto" Wollin erlebt zweiten Frühling

Mit 31 Jahren ging Kai "deto" Wollin bereits als Oldie in das VBL Grand Final by ING. Der Weltmeister von 2011 und 2012 hatte vor allem bei FIFA19, als er bei Manchester City unter Vertrag stand, mit großen Formproblemen zu kämpfen. Dass man den Routinier nicht abschreiben darf, machte er aber in dieser Saison im Trikot von Bayer 04 Leverkusen mehr als deutlich. Schon in der Club Championship hatte er an der Seite von Fabian "DUBZJE" de Cae eine überragende Saison gespielt und war auf Platz drei gelandet.

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Im VBL Grand Final by ING legte "deto" aber noch einmal eine Schippe drauf, wurde in der Playstation Gruppe 1 souverän Gruppensieger und setzte sich anschließend in der KO-Phase gegen extrem starke Gegner durch, wobei er in keines dieser Spiele als wirklicher Favorit ins Rennen ging. Vor allem im Playstation-Finale gegen Weltmeister Mohammed "MoAuba" Harkous, zeigte der abschlussstarke "deto" ein hervorragendes Spiel und sicherte sich letztlich über ein Golden Goal den Titel zum besten Playstation-Spieler Deutschlands. Ausgerechnet im Cross-Console-Finale wurde er seiner Favoritenrolle gegen "Yannic0109" dann aber nicht gerecht. "Leider hat es für den Overall-Sieg nicht gereicht", war "deto" enttäuscht. "Da muss ich mich selber hinterfragen, bin das Spiel falsch angegangen. Aber wie sagt man so schön: Win or Learn!"

3) Das große Favoritensterben

Alle Spieler, die im Vorfeld als große Favoriten gehandelt wurden, gingen in diesem Jahr leer aus. Allen voran natürlich Michael "MegaBit" Bittner vom SV Werder Bremen, der nicht als Titelverteidiger, sondern auch als Club Champion an den Start ging. Bereits im Achtelfinale musste sich der große Favorit jedoch gegen den Gladbacher Richard "Der_Gaucho10" Hormes geschlagen geben, den er noch in der Club Championship in diesem Jahr klar mit 3:0 besiegt hatte. "Vom Spielverlauf her ging das völlig in Ordnung! Großartiger Spieler und dazu noch ein unfassbar fairer Sportsmann", gratulierte "MegaBit" seinem Kontrahenten.

Mit Erhan "DrErhano" Kayman (Bremen) und Yannick "Jeffryy95" Reiners (Gladbach) verabschiedeten sich zwei Favoriten, die beide auch für Deutschland in der eNationalmannschaft aktiv sind, sogar schon in der Gruppenphase. Und auch für die in der Club Championship so starken Fabian "DUBZJE" De Cae (Leverkusen) und Fabian "Fifabio97" Sabbagh (Fürth) war das Aus nach der Gruppenphase bzw. dem Achtelfinale besiegelt. Da lief es für "MoAuba", dieses Jahr im Dress des VfL Wolfsburg, noch am besten. Der amtierende Weltmeister hatte jedoch im Halbfinale gegen "deto" mit technischen Problemen zu kämpfen, konnte am Ende nicht mehr auswechseln und musste sich schließlich geschlagen geben.

4) "DullenMIKE" sorgt für Spektakel

Ein weiterer Favorit hatte im Xbox-Finale gegen den späteren Deutschen Meister "Yannic0109" das Nachsehen: Dylan "DullenMIKE" Neuhausen. Der gerade 18-Jährige, von "MegaBit" im Vorfeld als größtes Talent der deutschen eSport-Szene beschrieben, wurde diesem Ruf zunächst gerecht. Vor allem zum Auftakt des VBL Grand Final by ING sorgte der Wolfsburger für ein Spektakel, als er in einem vorgezogenen Auftaktmatch erst Titelverteidiger "MegaBit" recht deutlich in die Schranken verwies, dann mal eben seine mündliche Abiturprüfung in Sport ablegte, um wenige Stunden später dann auch noch den Leverkusener Favoriten "DUBZJE" zu besiegen.

Spätestens jetzt war klar, dass "DullenMIKE", dessen Spiel vor allem in der Vorwärtsbewegung einzigartig wie spektakulär ist, in diesem Jahr zu den Titelanwärtern gehören würde. Der Youngster leistete sich in der späteren Gruppenphase und letztlich auch im Xbox-Finale dann aber einige Unkonzentriertheiten, die ihm letztlich den Titel kosteten. Doch eines dürfte auch klar sein: Mit "DullenMIKE" wird in den nächsten Jahren noch zu rechnen sein, wenn es um die großen Titel geht. Vor allem, weil ja dann auch noch der Abi-Stress wegfällt.

5) Neue Namen: "HakunaMatata" überrascht als Underdog

Die Virtual Bundesliga sorgt auch immer wieder für Überraschungen. Als großer No-Name hatte sich Leroy "HakunaMatata" Richter über die "Last Chance" bei den Playoffs für das VBL Grand Final by ING qualifiziert. Spätestens dort hätte man eigentlich schon hellhörig werden müssen, schaltete der Herthaner in den Playoffs doch den deutschen Ex-Meister Cihan Yasarlar und Umut Gültekin, den derzeit besten deutschen Playstation-Spieler in der Weltrangliste, aus.

Und auch beim Finale schien es, als könnte der Underdog für die ganz große Nummer sorgen, obwohl er ausgerechnet in der mit Favoriten gespickten "Todesgruppe" 2 im Playstation-Zweig zugelost worden war. Schon im Auftaktspiel gegen Club Champion "DrErhano" sorgte er mit einem 9:1-Sieg für Furore. Es war der höchste Sieg des gesamten VBL Grand Final by ING. Auch dem in diesem Jahr so starken Fürther "Fifabio97" ließ er keine Chance. Gegen die Nationalspieler "MoAuba" und "Jeffry95" holte er immerhin noch ein Remis. Im Achtelfinale endete dann aber die Erfolgsgeschichte des Underdogs jäh, nach einer knappen 2:3-Niederlage gegen den Leipziger "Lefti-I". Dennoch: Vor "HakunaMatata" dürften in Zukunft auch die großen Favoriten gewarnt sein.