München - Schadensbegrenzung statt Meisterschaft, Pokal-Double statt Triple-Traum: Nachdem Bayern München das erste große Ziel so gut wie verspielt hat, steht der deutsche Rekordmeister nun in der Champions League und im DFB-Pokal verstärkt in der Pflicht, um die Saison doch noch zu retten. Allerdings forderte Trainer Jupp Heynckes seine frustrierten Stars eindringlich auf, auch im Bundesliga-Endspurt "den Motor noch einmal anzuschalten".

Er habe den Spielern nach dem 0:1 in Dortmund bereits am Donnerstag "klipp und klar gesagt, dass sie das wegstecken und zum Kampf übergehen müssen. Das heißt, dass wir in der Pflicht stehen, unsere Spiele zu gewinnen, auch wenn die Konstellation in der Liga schwierig ist", sagte Heynckes vor der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 am Samstag (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) und appellierte an die Ehre seines Teams: "Aus Niederlagen kann man viel mehr Motivation ziehen, jetzt muss man Charakter zeigen."

Eine Titelchance dahin, zwei verbleiben



Sportdirektor Christian Nerlinger schlägt in die gleiche Kerbe. "Wir müssen die nächsten Herausforderungen annehmen. Zunächst gilt es, gegen Mainz zu gewinnen und dann das Halbfinale gegen Real Madrid in der Champions League."

Die Chancen, vielleicht doch noch Meister zu werden, schätzen Heynckes ("Alle Trümpfe liegen bei Dortmund") und Nerlinger als verschwindend gering ein. Aber der FC Bayern dürfe "das Fünkchen Hoffnung nicht aufgeben", betonte Heynckes. "Wir müssen alles versuchen, solange rechnerisch noch was möglich ist", schloss Nerlinger an.

Philipp Lahm hat auf etwaige Rechenspielchen keine Lust, war aber auch tapfer bemüht, den Blick nach vorne zu richten. "Wir haben noch zwei Wettbewerbe. Es gibt noch Ziele, darauf sollten wir uns jetzt konzentrieren", sagte der Kapitän. "Wir dürfen uns nicht verrückt machen und müssen den Kopf oben behalten", meinte Torwart Manuel Neuer. Und Jerome Boateng ergänzte schließlich: "Es ist schwer aus den Köpfen herauszubekommen, aber wir müssen es schaffen. "

Nach Mainz wartet Madrid



Es wird allerdings nicht leichter für den FC Bayern. Im Halbfinale der Champions League kommt es am kommenden Dienstag und am 25. April zum großen Duell mit dem spanischen Starensemble von Real Madrid. Im DFB-Pokal-Endspiel wartet dann am 12. Mai in Berlin erneut Borussia Dortmund. Gegen den BVB gab es in der Liga zuletzt vier Niederlagen in Folge.

Für den Schlager gegen Real machte immerhin "Kaiser" Franz Beckenbauer seinen Bayern höchstpersönlich Mut. "Wenn sie das rüberbringen, was sie in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, haben sie sicherlich eine Chance, Madrid auszuschalten", meinte der Münchner Ehrenpräsident.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist nach der großen Enttäuschung von Dortmund sogar überzeugt, "dass unsere Spieler extrem motiviert zu Werke gehen werden", um den Traum vom Heim-Finale in der Champions League am 19. Mai zu realisieren.

Heynckes schont einige Stars



Doch an Real wollte Heynckes am Freitag nur insofern denken, als er sagte, dass ein Sieg gegen Mainz auch deshalb von Bedeutung sei, "um uns positiv auf Madrid einzustimmen". Ansonsten wiegelte er alle Fragen zu seinem Ex-Club, auch von Medienvertretern aus Spanien, ab: "Wir müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren, und das ist Mainz."

Eine Rolle spielt Real aber doch - und zwar in Bezug auf die Aufstellung der Bayern. Heynckes wird einige Stars mit Blick auf das Halbfinale schonen. "Es ist bei so vielen Spielen unabdingbar, dass man die Anfangsformation verändern muss. Ich muss aber das richtige Maß und eine Mannschaft finden, die das Spiel gegen Mainz gewinnt", sagte der 66-Jährige.

Zu diesem Team gehört auch Arjen Robben, der mit seinem Elfmeter-Fehlschuss von Dortmund wohl die Meisterschaft entschieden hat. Doch Heynckes ist überzeugt, dass der Niederländer das Trauma bis Samstag verarbeitet hat: "Das ist nicht so dramatisch, wie es von außen gesehen wird. Er ist ein Spieler, der das auch wegsteckt. Ich denke, dass er auch wieder zum Elfmeterpunkt gehen wird."

Tuchel mit positiver Bilanz gegen Bayern



"Die Vorteile liegen bei Bayern München - zu 100 Prozent", gestand Mainz-Coach Thomas Tuchel indes ein. Kampflos werden die Nullfünfer die Punkte dem Favoriten aber nicht überlassen. Zumal Mainz beim 4:0 gegen Köln ein echtes Ausrufezeichen setzte und im Abstiegskampf wieder alle Karten selbst in der Hand hält. Tuchel sagt aber: "Es macht keinen Sinn zu rechnen, oder auf das Restprogramm der anderen Mannschaften zu schauen." Mainz erwartet noch Wolfsburg und Gladbach und muss in Hamburg bestehen.

In die Partie in München Bayern geht Tuchel sogar mit einer positiven Bilanz. Von bislang fünf Bundesligaspielen als Mainz-Coach konnte er gegen den FCB drei gewinnen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich meine Quote gegen die Bayern in den nächsten Jahren verschlechtert ist ziemlich hoch", sagt Tuchel. So oder so seien Spiele gegen Bayern für ihn ein "Riesenansporn" und ein "Gradmesser dafür, auf höchstem Niveau in Deutschland Fußball zu spielen". Personell können die Rheinhessen fast wieder aus dem Vollen schöpfen. Allein Marcel Risse und Bo Svensson fehlen dieser Tage im Mannschaftstraining, in das Stefan Bell jüngst wieder eingestiegen ist




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