Dem schlechtesten Bremer Saisonstart seit neun Jahren folgte die Abrechnung von Sportdirektor Klaus Allofs, während am Niederrhein gejubelt werden durfte,

"Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, schmerzt mehr als die Niederlage. Für den Erfolg muss jede Mannschaft hart arbeiten, egal ob Manchester United oder Real Madrid. Das haben wir nicht getan", sagte Allofs nach der 2:3 (0:2)-Niederlage des Vize-Meisters beim Aufsteiger Borussia Mönchengladbach.

Frings verletzt sich bei PR-Termin

Ohne Einsatzwillen, Laufbereitschaft und Selbstbewusstsein waren die Bremer beim Saisoneinstand von Spielmacher Diego im Borussia-Park bis in die Schlussphase aufgetreten. Allofs kündigte nach dem Fehlstart mit nur zwei Punkten aus drei Spielen Konsequenzen an.

"Es wird für die Spieler unruhiger werden." Nationalspieler Torsten Frings, der am Sonntagabend wegen eines bei einem PR-Termin erlittenen Nasenverletzung seine Teilnahme an den WM-Qualifikationsspielen in Liechtenstein und Finnland absagte und bereits operiert wurde, zeigte sich einsichtig: "Das haben wir auch nicht anders verdient."

Geniales Tor durch Baumjohann

Bezeichnend für die enttäuschende Leistung der Norddeutschen waren die Gegentore. Beim ersten Treffer durch Karim Matmour (12.) nach toller Vorarbeit von Nationalspieler Marko Marin machte die Innenverteidigung mit Naldo und Sebastian Prödl eine schlechte Figur. Der Österreicher Prödl kam auch beim Kopfballtor von Rob Friend (30.) den entscheidenden Schritt zu spät, während beim 0:3 durch Alexander Baumjohann (71.) die Werder-Akteure kollektiv Spalier standen.

Der 21-Jährige startete in der eigenen Hälfte seinen Sololauf, den er eiskalt abschloss. Die Bremer Spieler beschränkten sich dabei auf die Rolle des Zuschauers. "Es war viel Platz da. Da dachte ich, ich nehme den Ball und dribbel los", so Baumjohann, der sein erstes Bundesligator erzielte.

Selbstkritik

"Gladbach war aggressiv, kampfbetont und erfolgshungrig. Das sind Dinge, die uns gefehlt haben", meinte Trainer Thomas Schaaf trotz des Aufbäumens seines Teams in der Schlussphase. Rückkehrer Claudio Pizarro (79.) mit seinem ersten Bundesligator seit dem 19. Mai 2007 und der brasilianische Olympia-Teilnehmer Diego (89.) per Freistoß brachten die Bremer noch einmal in die Nähe eines Punktgewinns. Dieser wäre aber nach der Leistung der ersten 75 Minuten nicht verdient gewesen.

Daher zeigten sich auch die Bremer Spieler selbstkritisch. "Das war für unsere Ansprüche viel zu wenig", meinte Kapitän Frank Baumann, während Nationalspieler Clemens Fritz "ein Scheiß-Spiel" gesehen hatte. Auch Bronzemedaillengewinner Diego schaffte es bei der guten Bewachung von Gegenspieler Gal Alberman nicht, dem Bremer Spiel seinen Stempel aufzudrücken und die notwendigen Ideen zu geben.

"Fohlen" verpflichten Bradley

Während die Bremer mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen, führten die Gladbacher nach dem ersten Saisonsieg Freudentänze auf dem Rasen auf. Man sei in der Liga angekommen, meinte der stark spielende Marin. Trainer Jos Luhukay lobte seine Mannschaft für eine Leistung mit "Herz und Leidenschaft". Der Niederländer warnte aber davor abzuheben.

Kurz vor Ende der Transferperiode am Montag sicherte sich der fünfmalige deutsche Meister die Dienste des 21 Jahre alten US-Nationalspielers Michael Bradley vom SC Heerenveen. Nachdem sich die Gladbacher mit dem Verein und dem Spieler einig geworden sind, muss der Mittelfeldmann am Montag nur noch die sportmedizinische Untersuchung absolvieren, bevor er seinen Vertrag wohl für die nächsten vier Jahr unterschreibt.