Die "Fohlen" setzen auf Stallgeruch: Bundesligist Borussia Mönchengladbach hat sechs Tage nach dem Abschied von Trainer Hans Meyer Michael Frontzeck als dessen Nachfolger verpflichtet und setzt damit wieder einmal auf einen Ex-Borussen als Chefcoach.

Der einen Spieltag vor Saisonende beim späteren Absteiger Arminia Bielefeld entlassene Ex-Nationalspieler, der einen Zweijahresvertrag bis zum 30. Juni 2011 erhält, ist der 19. Trainer in der Bundesliga-Geschichte des fünfmaligen Deutschen Meisters - und bereits der neunte, der zuvor selbst für die Gladbacher gespielt hatte.

"Es ist schon so, nach Hause zu kommen"

"Ich bin hier geboren und aufgewachsen, es ist fußballerisch meine Heimat, ich war hier lange Spieler und auch Co-Trainer, daher ist es für mich emotional ein großer Augenblick. Es ist schon so, nach Hause zu kommen", sagte Frontzeck, der zunächst an die gute Rückrunde unter seinem Vorgänger Meyer mit 20 Punkten anknüpfen will.

"Wir werden nicht sagen, wir wollen in den UEFA-Cup, dafür war die letzte Saison zu knapp. Aber der Club hat eine Mannschaft mit ausreichend Qualität, mit der in den nächsten beiden Jahren die Stabilisierung in der Bundesliga erreicht werden kann", erklärte er.

"Unser Anforderungsprofil war ein junger, fleißiger, loyaler und innovativer Trainer mit einer eigenen Persönlichkeit, dessen Philosophie mit Borussia kompatibel ist: In diesem Puzzle war Michael Frontzeck das beste Puzzleteil", sagte Sportdirektor Max Eberl, der schon seit Beginn des Jahres auf Trainer-Scouting war - allerdings eigentlich für 2010.

Noch mehrere Clubs auf Trainersuche

Die Borussen sind damit der erste von vier Bundes- und zwei Zweitligisten, die nach Saisonende einen neuen Trainer suchen mussten, der Vollzug meldete.

Dagegen sind im Oberhaus der Hamburger SV (Wechsel Martin Jol nach Amsterdam), Eintracht Frankfurt (Rücktritt Friedhelm Funkel) und der 1. FC Köln (Kündigung Christoph Daum) sowie in der 2. Liga die Bundesliga-Absteiger Energie Cottbus (Rücktritt Bojan Prasnikar) und Bielefeld (keine Weiterbeschäftigung von Jörg Berger) die Trainerposten noch unbesetzt.

Ein Gladbacher Urgestein

Der 45 Jahre alte gebürtige Mönchengladbacher Frontzeck trug als Spieler von 1982 bis 1989, in der Saison 1995/96 und noch einmal von 1998 bis 2000 das Trikot mit der Raute und wurde als Borusse auch Nationalspieler (19 Länderspiele).

Der Deutsche Meister von 1992 (mit dem VfB Stuttgart) absolvierte 213 seiner insgesamt 436 Spiele für die Borussia (18 Tore), dazu noch 25 Zweitliga-Spiele.

Start der Trainerlaufbahn in Gladbach

Nach Ende seiner aktiven Laufbahn begann er als Assistent von Hans Meyer und später Ewald Lienen von 2000 bis 2003 ebenfalls in Gladbach seine Trainerlaufbahn. Als Co-Trainer von Lienen arbeitete er von 2004 bis 2005 auch bei Hannover 96, bevor er nach dem dritten Spieltag der Saison 2006/07 bei Alemannia Aachen seinen ersten Posten als Cheftrainer antrat.

Am Ende der Saison stieg er mit dem Aufsteiger aber wieder in die 2. Bundesliga ab und erklärte danach seinen Rücktritt.

Kampf um den Klassenerhalt in Bielefeld

Mehr Erfolg hatte er zunächst bei Arminia Bielefeld, wo er im Januar 2008 die Nachfolge von Ernst Middendorp antrat und die Ostwestfalen noch zum Klassenerhalt führte. In der abgelaufenen Saison wurde er nach dem 33. Spieltag entlassen, als die Arminen auf dem Relegationsplatz standen.

Unter "Feuerwehrmann" Berger rutschte die Arminia am letzten Spieltag aber sogar noch auf den letzten Platz und stieg direkt ab.

Meyer machte Weg frei für Neuaufbau

In Gladbach tritt Frontzeck als neunter Ex-Borusse nach Jupp Heynckes, Bernd Krauss, Rainer Bonhof, Norbert Meier, Ewald Lienen, Holger Fach, Horst Köppel und Christian Ziege jetzt die Nachfolge seines früheren Chefs Meyer an, zu dem er noch immer ein gutes Verhältnis hat.

Der 66-Jährige war nach seinem Rücktritt in der vergangenen Woche auch noch in die Suche nach seinem Nachfolger eingebunden. Meyer selbst hatte sich nach dem gesicherten Klassenerhalt trotz eines noch bis 2010 laufenden Vertrages zurückgezogen, um den Weg für einen Neuaufbau freizumachen.

"Mit Hans Meyer, mit einem fast 67-Jährigen kann man keine Mannschaft aufbauen. Mit meiner Erfahrung konnte ich helfen, die Klasse zu erhalten. Alles andere ist nicht produktiv, nicht für Hans Meyer und nicht für den Fußball-Club Borussia Mönchengladbach", hatte der Trainer-Routinier gesagt.

Michael Frontzecks Trainerstationen:


  • Saison 2006/2007: Alemannia Aachen

  • Saison 2007/2008: Arminia Bielefeld

  • Saison 2008/2009: Arminia Bielefeld