Der VfB Stuttgart kann aufzuatmen. Nach den vielen Negativ-Erlebnissen der letzten Monate kommen die Schwaben mit dem neuen Trainer Christian Gross wieder auf Kurs. Mutigere Spieler, neues System, gleich bessere Resultate - so einfach lautet die Erfolgsformel des Schweizers.

Mit zwei Siegen und einem Unentschieden hat der neue VfB-Trainer in seinen ersten drei Spielen die Hoffnung ins Schwabenland zurückgebracht. Beim verdienten 3:1-Sieg gegen 1899 Hoffenheim erlebten die Zuschauer in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena eine Mannschaft, die nach den vielen Monaten der Tristesse wie verwandelt aufspielte.

Frischer Schwung

Kompakt in der Defensive und trotz schwieriger Bodenverhältnisse bei arktischen Temperaturen mit vielen gelungenen Ballstafetten zeigten die VfB-Spieler das Potenzial, das zuletzt unter dem alten Trainer Markus Babbel wie verschüttet schien.

Neun Spiele ohne Sieg, das zehrte an den schwäbischen Nerven. Dem neuen Mann auf der Kommandobrücke ist es in seiner kurzen Amtszeit gelungen, speziell den Führungsspielern frisches Selbstbewusstsein einzuimpfen. Der auch gegen Hoffenheim überragende und in Nationalmannschaftsform agierende Sami Khedira meinte nach dem Sieg: "Gross hat frischen Schwung in die Mannschaft gebracht und uns neu motiviert."

Die Stürmer treffen wieder

Speziell im Sturm hat Gross zuletzt wahre Wunderdinge vollbracht. Die fast schon ausgemusterten Pavel Pogrebnyak und Ciprian Marica kämpfen, tricksen, schießen Tore und übernehmen Verantwortung, so wie Marica bei seinem Elfmeter zur VfB-Führung. Die Verunsicherung scheint aus den Stuttgartern Köpfen gewichen zu sein, ein Verdienst von Gross. "Das war eine super Mannschaftsleistung heute, ich bin hochzufrieden mit diesem Sieg", sagte Timo Gebhart und sprach damit aus, was allen Beteiligten am wichtigsten war: Die Stuttgarter Mannschaft hält wieder zusammen.

Gross hat einzelne Spieler stark gemacht, aber in sehr kurzer Zeit auch das Spielsystem deutlich verändert. Bevorzugten die Schwaben unter Markus Babbel noch den breiten, langsamen Aufbau, wählen sie unter Gross nun das vertikale, schnelle Spiel nach vorne. Zudem greifen sie den Gegner merklich früher an und sind abgekommen von der früheren, abwartenden und ängstlichen Spielweise. "Das kommt uns Stürmern natürlich sehr entgegen, So bekommen wir deutlich mehr Torchancen", bestätigt auch Marica.

Gross bleibt auf dem Boden

Zudem ist der sachlich auftretende Gross keiner, der sich von den jüngsten positiven Resultaten blenden lässt. "16 Punkte nach der Vorrunde sind sehr bescheiden. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Gefallen hat mir das kompakte Auftreten der Mannschaft. Was mir dagegen nicht gefallen hat, war, dass wir nach der Führung zuviel nach hinten gespielt haben", erklärte er in der Pressekonferenz.

Auf den VfB wartet eine schwierige Rückrunde. Zum einen ist da in der Bundesliga der existentielle Abstiegskampf, zum anderen freuen sich die VfB-Spieler im Februar auf eine Herausforderung der besonderen Art. Denn dann geht es im Achtelfinale der Champions League gegen den großen FC Barcelona, ein Highlight jeder Fußballer-Karriere. Diesen Spagat gilt es jetzt zu meistern.

Was aus VfB-Sicht zuversichtlich stimmt, ist auch die Tatsache, dass zwei Problemfelder in den letzten Tagen aus dem Weg geräumt werden konnten. Das Theater um Jens Lehmann ist bereinigt und auch die Harmonie mit den eigenen Fans ist wiederhergestellt. Nach dem Sieg gegen Hoffenheim feierten die Spieler ausgelassen in der Cannstatter Kurve. Weihnachten kann also kommen, nun auch beim VfB.

Jens Fischer