Köln - Mit neun Punkten aus den letzten sechs Spielen hat sich der TSV 1860 München im Abstiegskampf etwas Luft verschafft. Nun können die Löwen mit einem Dreier im direkten Duell gegen den Mitkonkurrenten FC Erzgebirge Aue einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen. Vor dem richtungsweisenden Spiel spricht Daniel Adlung im Interview mit bundesliga.de über die Lage der Löwen.

bundesliga.de: Daniel Adlung, Wie bewerten Sie nach der Länderspielpause die Ausgangssituation der Löwen im Abstiegskampf vor den letzten acht Punktspielen?

Daniel Adlung: Ich glaube, dass wir im Moment in einer guten Situation sind. Für uns ist es auch ein kleiner Vorteil, dass Aalen zwei Punkte abgezogen wurden, auch wenn das nicht schön ist. Wir haben in den letzten Wochen gut gearbeitet und uns einiges an Selbstvertrauen zurückgeholt. Im Heimspiel gegen Aue müssen wir nun nachlegen. Dann können wir uns etwas absetzen.

"Man wird daran gemessen, wenn man sagt, dass man Meister werden will"

bundesliga.de: Sie haben in dieser Saison bereits drei Trainer erlebt. Es sieht so aus, als habe nun Torsten Fröhling die nötige Stabilität in die Mannschaft reingebracht.

Adlung: Das hat er definitiv geschafft. Mit seiner Art kommt er in der Mannschaft sehr gut an. Und er kann mit jungen Spielern super umgehen. Das hat man schon bei der U21 gesehen. Er erreicht die Mannschaft. Man sieht, dass wir stabiler und im Spiel nach vorne viel mutiger geworden sind. Wir spielen auch über einige Strecken des Spiels einen ansehnlichen Fußball. Das müssen wir noch mehr verfeinern und die Fehler minimieren. Dann sieht es ganz gut aus.

bundesliga.de: In dieser Saison machen Sie eine Achterbahnfahrt mit. Am Anfang wurde der Aufstieg als Ziel ausgegeben, jetzt geht es gegen den Abstieg. Kommen Sie sich manchmal vor wie im falschen Film?

Adlung: Es ist immer schwierig, wenn man vor dem Start sagt, dass man Meister werden will. Daran wird man dann gemessen. Aber die 2. Bundesliga ist sehr ausgeglichen. Es kann dann sehr schnell passieren, dass man sich unten wiederfindet. Das ist uns in dieser Saison leider passiert. Das hatte sicher niemand so einkalkuliert. Es hat vielleicht auch ein bisschen gedauert, bis wir die Situation realisiert und angenommen haben. Aber mittlerweile weiß jeder, worum es geht. Schon in den letzten Wochen haben wir darauf hingearbeitet, in dieser Saison den Klassenerhalt zu schaffen. Erst danach können wir uns für die neue Saison auch neue Ziele stecken.

bundesliga.de: Welche Trümpfe sprechen für 1860 im Abstiegskampf?

Adlung: Wir sind aufgrund der negativen Erlebnisse als Team zusammengewachsen. Man kann nicht nur im Erfolg zusammenwachsen, sondern auch im Misserfolg. Wir sind als Mannschaft gefestigt. Jeder arbeitet für jeden. Das ist die Basis. Darüber hinaus haben wir auch ordentliche Fußballer in unseren Reihen, das steht außer Frage. Wir müssen das jetzt alles konsequent umsetzen und auf den Platz bringen. Dann haben wir von den Mannschaften, die unten stehen, die beste Ausgangslage.

"Wir brauchen ein Erfolgserlebnis"

bundesliga.de: Auswärts läuft es bei den Löwen recht gut, wie Platz 7 in der Auswärtstabelle zeigt. Nur im eigenen Stadion ist die Punkteausbeute nicht gut. Es gab erst zwei Heimsiege. Wo liegen die Probleme, ist es schon ein psychologisches Problem?

Adlung: Das würde nicht sagen, auch wenn es nicht einfach ist, damit umzugehen, wenn man ständig eingetrichtert bekommt, wie schlecht man zuhause ist. Vielleicht spielt es im Unterbewusstsein eine Rolle. Es ist so, dass sich viele Gegner in München noch weiter hinten reinstellen und auf Konter lauern. Da haben wir uns in der Vergangenheit zu naiv angestellt. Wir müssen jetzt den Bock umstoßen. Das ist zwar eine Floskel, aber es ist so. An der Unterstützung der Fans mangelt es nicht. Wenn man sieht, was im Stadion los ist, muss es einfach Spaß machen, vor eigenem Publikum auch wieder Siege einzufahren. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, dann können wir auch daheim ganz schnell wieder in einen positiven Lauf kommen.

bundesliga.de: Wie groß ist Ihre Zuversicht, dass der Klassenerhalt gelingt?

Adlung: Die ist definitiv sehr groß. Wir sind wie gesagt sehr gefestigt. Wir müssen den Weg weitergehen und uns darauf konzentrieren, die noch fehlenden Punkte zu sammeln.

bundesliga.de: Nach dem Heimspiel gegen Aalen (1:1) haben die Löwen nun erneut daheim gegen Erzgebirge Aue die große Chance, den Befreiungsschlag zu landen und den Konkurrenten bei einem Sieg auf sieben Punkte zu distanzieren. Wie schwer wird die Aufgabe?

Adlung: Das wird sehr schwer, weil es für Aue die Riesenchance ist, einen direkten Konkurrenten unten mit reinzuziehen. Bei den wenigen Spielen, die noch verbleiben, wird für Aue die Luft immer dünner. Wenn wir in dem Spiel einen Dreier landen können, wäre das auch für uns ein Big Point. Wir könnten uns absetzen und uns Luft verschaffen. Das wollen wir tun.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski