Mit 1.157 Spielen als Spieler und Trainer in der Bundesliga und der 2. Bundesliga ist Friedhelm Funkel Rekordhalter im deutschen Fußball. Fünf Mal stieg er mit seinen Vereinen in die Bundesliga auf. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 60-Jährige über den guten Start der diesjährigen Aufsteiger, die prominenten Neuzugänge der Topvereine (Transferbörse) und seine Meisterschaftsfavoriten.

bundesliga.de: Herr Funkel, am Wochenende treffen die beiden toll gestarteten Aufsteiger SC Paderborn und 1. FC Köln im direkten Duell aufeinander (zur Duellvorschau). Sie sind fünf Mal mit Vereinen in die Bundesliga aufgestiegen und können es beurteilen. Wie bewerten Sie die Leistungen der beiden Aufsteiger?

Friedhelm Funkel: Paderborn hat in Hamburg 3:0 gesiegt, die Kölner 2:0 in Stuttgart. Das ist schon stark. Beide Clubs machen in der Bundesliga dort weiter, wo sie in der 2. Bundesliga aufgehört haben. Sie überzeugen durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit und treten als Team auf. Das Mannschaftsgefüge stimmt, die Neuzugänge wurden sorgfältig ausgewählt. Es wurde kein Superstar oder Exot geholt, sondern Spieler, die gut in das Gefüge passen. Das haben die Verantwortlichen beider Vereine super hinbekommen.

bundesliga.de: Wie überraschend kommt für Sie das gute Abschneiden?

Funkel: Es ist noch viel zu früh, um das beurteilen zu können. Man muss erst einmal die ersten zehn, zwölf Spiele, also ein Drittel der Saison, abwarten, um zu sehen, wohin die Reise geht. Fakt ist aber, dass sie gut gestartet sind. Das bringt Selbstvertrauen. Und das ist ganz wichtig für einen Aufsteiger. Inwieweit es dauerhaft zum Erfolg führen wird, bleibt abzuwarten. Allerdings werden beide Vereine jetzt aufgrund der Ergebnisse von der Konkurrenz sehr ernst genommen werden. Ich wünschen ihnen alles Gute.

"Die Neuverpflichtungen machen Sinn"

bundesliga.de: War damit zu rechnen, dass die Topvereine wie Borussia Dortmund, der FC Bayern München oder der FC Schalke 04 etwas mühsam in die Saison starten würden?

Funkel: Ja, das kommt nicht überraschend. Das kennt man nach Weltmeisterschaften, wenn Vereine wie Dortmund oder der FC Bayern viele Spieler abgestellt haben. Aber diese Vereine werden in den nächsten Wochen auch wieder den Weg an die Spitze zurückfinden. Da bin ich ganz sicher.

bundesliga.de: Dortmund und Bayern haben personell mit Topspielern wie Shinji Kagawa oder Xabi Alonso nach einmal nachgelegt.

Funkel: Das macht Sinn bei dem Programm, das diese Vereine zu bewältigen haben. Man weiß nicht, wie lange Spieler wie Thiago oder Javier Martinez ausfallen. Das sind ganz wichtige Spieler, die langfristig fehlen. Auch die Verpflichtung von Kagawa war richtig, nach der Verletzung von Marco Reus erst recht. Aber auch wenn Reus wieder fit ist, wird Kagawa ein ganz wichtiger Mann für Dortmund. Er muss sich nicht einfügen in Dortmund, er kennt dort alles. Es ist richtig, bei den Belastungen, denen beide Vereine in den nächsten Wochen ausgesetzt sind, einen großen und starken Kader zu haben.

"Die großen Namen tun der Bundesliga gut"

bundesliga.de: Wie gut tun diese großen Namen dem Image der Bundesliga?

Funkel: Sehr gut. Kagawa oder Alonso sind große Namen. Auf der anderen Seite hat die Bundesliga bereits ein super Image im Ausland. Alle Spieler, die hier spielen, sagen, dass diese Liga und ihre Atmosphäre großartig sind. Die Stadien sind immer ausverkauft, das gibt’s in Spanien nur dann, wenn Real, Barca oder vielleicht noch Atletico spielen. Sonst nicht. Bei uns sind die Stadien dagegen immer voll. Deswegen kommen die Stars auch gerne in die Bundesliga.

bundesliga.de: Rechnen Sie damit, dass das Meisterschaftsrennen in diesem Jahr spannender wird als in den letzten beiden Spielzeiten?

Funkel: Ich glaube schon, dass es ein bisschen spannender wird, weil die Bayern einige Zeit brauchen werden, um in die Saison reinzukommen. Wenn die Dortmunder das ausnutzen können, wird es spannend. Bei Bayer 04 Leverkusen muss man abwarten, ob sie in der Lage sind, die derzeitigen Leistungen über 34 Spieltage zu bringen. Im letzten Jahr hatte Leverkusen eine tolle Hinrunde gespielt und ist dann eingebrochen. Einen anderen Verein sehe ich nicht unter den ersten Drei.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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