Köln - Friedhelm Funkel ist der Rekordmann im deutschen Fußball. Der 61-Jährige blickt auf eine Erfahrung von 1.157 Spielen in der Bundesliga und der 2. Bundesliga als Spieler und Trainer zurück, mehr als jeder andere. Unzählige Male ist er in der Winterpause mit seinen Vereinen ins Trainingslager in wärmere Gefilde aufgebrochen, um sich dort in Ruhe konzentriert auf die Rückrunde vorzubereiten.

Im Interview mit bundesliga.de berichtet von den Vorzügen der Winterpause, der Wichtigkeit von Trainingslagern und seine besten Wintertransfers.

bundesliga.de: Herr Funkel, wie gut tut die Winterpause den Bundesligisten? Inwieweit können die Protagonisten in dieser Zeit einmal wirklich abschalten?

Friedhelm Funkel: Die Winterpause ist sehr gut für die Spieler, weil sie sich nach einer langen und anstrengenden Halbserie erholen können, insbesondere tut sie den Nationalspielern oder den Spielern gut, die in den internationalen Wettbewerben spielen aktiv sind. Der deutsche Fußball und die DFL sind sehr vernünftig, dass sie diese Winterpause einrichten. Jeder Spieler hat mindestens 14 Tage Pause und kann die Akkus wieder aufladen. Die Vorbereitung dauert dann drei bis vier Wochen. Dann sind die deutschen Mannschaften wieder topfit.

"Wir sind bei der Belastbarkeit am Limit"

bundesliga.de: Andere internationale Topligen pausieren kaum oder gar nicht. Ist die Winterpause für die Bundesliga ein Luxus oder eine Notwendigkeit?

Funkel: Es ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, weil die Belastungen der Spieler aufgrund der zunehmenden Anzahl der Spiele immer größer werden. Es ist dann sinnvoll, nach einer anstrengenden Hinserie auch einmal den Körper zu regenerieren. Die Verletzungen häufen sich ja bei den Spielern, wenn man sieht wie oft ein Marco Reus, um nur die bekanntesten zu nennen, verletzt waren. Wir sind hinsichtlich der Belastbarkeit der Spieler am Limit. Deswegen sind wir in Deutschland auch für die Winterpause.

bundesliga.de: Konnten Sie als Trainer richtig abschalten?

Funkel: Nein, das ging nicht. Da macht man sich seine Gedanken, lässt die Hinrunde Revue passieren und überlegt, was man verändern kann und verbessern muss. Man plant die Trainingsgestaltung vom ersten Tag an, das Trainingslager, die Testspiele. Als Trainer kann man nicht so abschalten wie als Spieler. Ein Spieler muss sich nicht so viele Gedanken machen, was kommt. Das macht das Trainerteam. Für die Spieler ist es aber auch wichtiger abzuschalten als für uns Trainer.

"Eine Woche nur auf Fußball konzentrieren"

bundesliga.de: Alle Bundesligisten fahren im Januar ins Trainingslager. Das war auch nicht immer so. Einige Clubs blieben lieber zuhause, um unter den gleichen klimatischen Bedingungen zu trainieren, die dann auch zum Rückrundenstart herrschen. Worin liegen die Vorteile von Trainingslagern?

Funkel: In der Regel hat man in der Türkei, Spanien oder Portugal bessere Bedingungen. Ich war oft in Portugal oder der Türkei. Sinn und Zweck ist, dass sich in dieser Woche alle nur auf Fußball konzentrieren. Die Belastung ist in der Vorbereitung auch etwas höher. Pflege und Regeneration werden eingehalten. Man hat eine andere Umgebung. Die Spieler, die in der Winterpause dazu gekommen sind, können besser integriert werden. Das macht alles Sinn. Ich bin seit ich 1991 Trainer und auch vorher schon als Spieler immer ins Trainingslager gefahren. Man kann in der Sonne immer etwas Energie tanken. Bei 15 bis 22 Grad kann man besser trainieren als in Deutschland.

bundesliga.de: Sie haben die Wintertransfers angesprochen. Welche war in Ihrer Trainerkarriere Ihre beste Verpflichtung in einer Winterpause?

Funkel: Mein bester Griff gelang mir im Winter 2004/05 als ich bei Eintracht Frankfurt war. Im Winter lagen wir sieben oder acht Punkte hinter den Aufstiegsplätzen. Wir haben den Kämpfer Jermaine Jones und Innenverteidiger Aleksandar Vasoski verpflichtet. In der Rückrunde haben wir zwölf Siege zu Null geholt und sind noch aufgestiegen. Das waren die besten Transfers, die ich in der Winterpause getätigt habe.

"Bayern wird Meister - alles andere wird spannend"

bundesliga.de: Bislang hat sich noch nicht so viel getan. Aktuell hat Freiburg Nils Petersen und Dortmund Kevin Kampl geholt. Machen diese Transfers aus Ihrer Sicht Sinn?

Funkel: Diese Transfers machen 100 Prozent Sinn. Kampl hätte der BVB wahrscheinlich im Sommer eh geholt. Auch Freiburg hat vorne ein paar Probleme. Sie haben Petersen verpflichtet, der seine Tore auch schon gemacht hat. Auch wenn er im Moment nicht spielt, ist er ein guter Bundesliga-Spieler.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von der Rückrunde?

Funkel: Es wird spannend von Platz zwei bis sieben und genauso spannend von Platz zehn bis 18. Wer kommt in die Champions-League-Plätze, wer schafft den Klassenerhalt, wer muss in die Relegation, wer steigt ab. Das alles wird sehr interessant. Über den kommenden Deutschen Meister brauchen wir uns dagegen nicht zu unterhalten. Das wird Bayern München. Alles andere wird sehr spannend.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski