Bayern hatte dank Tim Borowski und einer Portion Glück einen Punkt gerettet. In München fühlt man sich als Sieger und ist bereit für große Taten.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war derart glücklich über das 1:1 (0:1) beim AC Florenz, dass er sich sogar zu einer Drohung an die Titelanwärter der Champions League verstieg: "Wir sind vielleicht nicht der große Favorit, aber es ist sehr schwierig, diesen FC Bayern zu schlagen."

Schwächen offenbart

Auch wenn Trainer Jürgen Klinsmann "sehr zufrieden" war, Uli Hoeneß von einem "überragenden" und Rummenigge von einem "klasse Spiel" sprachen, müssen sich die Bayern weiter steigern, um die Spitzenclubs aus England, Spanien und Italien nachhaltig zu beeindrucken.

Der FC Bayern lieferte zwar abermals den Nachweis herausragender Fitness und überzeugte in der Schlussphase mit Kampfes- wie Siegeswillen, so dass Rummenigge das "Ziel Platz eins" ins Auge fassen konnte. Das gute Ende bei den sieglosen Italienern täuschte aber wohl nicht über die Schwächen des Rekordmeisters hinweg.

Selbstkritisch

Rummenigge und Hoeneß redeten noch, als sich die ersten direkt Beteiligten im Bauch des Stadio Artemio Franchi frisch geduscht den Reporterfragen stellten. Und einige analysierten offen und unverblümt. Allen voran Mark van Bommel.

"Die erste Halbzeit war schlecht. Da haben wir ängstlich gespielt, sind nur in Alibi-Zweikämpfe gegangen und haben nicht überzeugend gegen den Ball gearbeitet", kritisierte der Kapitän. Er vermisste Galligkeit: "Man muss den Gegner spüren lassen: Bis hierher und nicht weiter. Das haben wir nicht getan."

Die Abwehr verteidigte nachlässig, das Mittelfeld fand lange nicht ins Spiel und die Spitzen, darunter von Beginn an der erneut glücklose Lukas Podolski, blieben stumpf.

Rensing und "Boro" mit guten Leistungen

Nur der starke Torhüter Michael Rensing hielt die Bayern nach dem frühen 0:1 durch Adrian Mutu (11.) im Spiel und erntete ein Sonderlob von Manager Hoeneß: "Er hat der Mannschaft in entscheidenden Situationen den nötigen Rückhalt gegeben und ist cool geblieben, als es nötig war."

Weil sich Rensings Vorderleute auch nach der Pause zunächst nicht steigerten, waren weitere Paraden des Keepers nötig, bis "wir dann aus dem Nichts das 1:1 gemacht haben", wie van Bommel richtig feststellte. Nach 78 Minuten war das, als Nationalspieler Borowski erneut Vollstreckerqualitäten bewies.

Mit einem Bein im Achtelfinale

Mit seinem sechsten Tor für die Bayern verhinderte er die erste Pleite in der "Königsklasse" 2008 und eröffnete den Bayern die Chance, am 25. November gegen Steaua Bukarest den Achtelfinal-Einzug perfekt zu machen.

Borowski sprach von einem "Sieg der Mentalität", und obwohl es für die Bayern keinen Dreier gab, durfte er sich neben Rensing als Gewinner fühlen.

Nach verletzungsbedingten Startschwierigkeiten ist der Ex-Bremer jetzt fester Bestandteil von Klinsmanns Planungen und überzeugt mit meist ansprechenden Leistungen sowie wichtigen Toren. "Er haut sich fantastisch rein, man kann nichts Negatives finden", lobte Hoeneß, Rummenigge freute sich über Borowskis "cooles Tor".

Steigerung erforderlich

Doch wie die gesamte Mannschaft muss sich auch Borowski gegen Schalke am Sonntag steigern, "einen Tick präsenter werden", wie er es selbst von sich forderte. "Das wird ein sehr schwieriges Spiel", darin waren sich van Bommel und Rummenigge einig.

Der Vereinschef forderte vom Team deshalb höchste Konzentration: "Wir dürfen nicht den Fehler machen wie nach dem Sieg in Bukarest, als wir dachten, es läuft - und dann gegen Bremen auf die Mütze bekamen. Wir müssen aufpassen, dass wir auf Schalke nicht etwas Ähnliches erleben."