Hamburg - 129 Mal trafen der Hamburger SV und der FC St. Pauli in ihrer Geschichte bisher aufeinander. Die Bilanz spricht ganz klar für den sechsmaligen Meister HSV, der 89 Mal als Sieger den Platz verließ und bei 17 Unentschieden nur 23 Niederlagen hinnehmen musste. Auch das Torverhältnis von 414:158 spricht klar für den HSV.

In der Bundesliga haben die Ortsrivalen bisher 14 Mal ihre Kräfte gemessen. Nur einmal feierten die Anhänger des FC St. Pauli: Das erste Bundesliga-Duell überhaupt gewann der "Stadteil-Club" am 3. September 1977 auswärts mit 2:0. Fünf Mal konnten die Braun-Weißen einen Punkt erkämpfen. Das letzte Derby entschied der HSV am 19. April 2002 mit 4:0 zu seinen Gunsten.

"Hamburg groß genug für zwei Bundesliga-Vereine"

"Ich freue mich sehr, dass es endlich wieder ein Derby gibt", sagt Uwe Seeler zu bundesliga.de. "Hamburg ist groß genug für zwei Bundesliga-Vereine. Und die tollen Fans haben es verdient, dass ihre Teams in der Bundesliga spielen."

Der 72-malige Nationalspieler, nicht nur in Hamburg liebevoll "Uns Uwe" genannt, bedauert, dass es zu seiner Zeit in der Bundesliga "nie ein Derby" gegeben habe, "aber in der Oberliga-Nord haben wir uns tolle Duelle geliefert".

Besonders gern denkt Seeler an zwei Partien zurück: "1957 haben wir am Rothenbaum klar 9:0 gewonnen. Ich habe drei Treffer erzielt. Das Rückspiel hat St. Pauli dann allerdings 1:0 gewonnen."

Das zweite Spiel in der Erinnerung des Stürmers fand 1960 im HSV-Meister-Jahr am Millerntor statt: "Da hatten wir eine tolle Mannschaft beisammen und klar 6:1 gewonnen. Ich habe zwei Tore gemacht."

"Habe St. Pauli den Aufstieg gegönnt"

"Den Aufstieg habe ich dem FC St. Pauli mehr als gegönnt. Trainer Holger Stanislawski hat eine gute Mannschaft zusammengestellt. Sie spielt einen erfrischenden Offensiv-Fußball und stellt sich nicht hinten rein", lobt der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft den "kleinen Nachbarn".

Für das Duell mit seinem HSV genügt dieser erfrischende Fußball aber nicht zum Sieg, ist sich die HSV-Ikone sicher: "Ich erwarte eine harte, aber faire Partie. Die Spieler wissen natürlich um die Bedeutung eines solchen Derbys, und die Fans werden sie nach vorne peitschen. Am Ende gewinnt der HSV 2:1."

"Ansonsten kann St. Pauli von mir aus jedes Spiel gewinnen", gibt sich Seeler sofort wieder loyal dem Ortsrivalen gegenüber und ist "ganz sicher, dass St. Pauli die Klasse hält. Ich freue mich auf viele Derbys in den nächsten Jahren."

Champions League ist drin

Seinem HSV traut der bisher einzige Sportler, der zum Ehrenbürger der Hansestadt ernannt wurde, in dieser Saison einiges zu, aber nicht ohne warnend den Zeigefinger zu heben: "Der Kader ist auf jeden Fall stark genug für einen Platz im Europapokal. Aber wir sind in den vergangenen Jahren immer stark in die Saison gestartet und haben dann am Ende abgebaut. Da wünsche ich mir mehr Konstanz", erklärt Seeler, der von 1953 bis 1972 in 476 Punktspielen für den HSV 404 Tore erzielte und seinem Verein immer treu blieb, auch als Inter Mailand 1961 mit dem damaligen Wahnsinnsgehalt von 1,2 Millionen D-Mark lockte.

"Wenn alles gut läuft, ist die Champions League drin", hofft Seeler auf den großen Wurf. Ein Sieg über den FC St. Pauli am vierten Spieltag wäre nach sieben Punkten in den ersten drei Spielen ein weiterer Schritt in die Richtung.

Jürgen Blöhs