Köln - 1993 ist der SC Freiburg zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen. Mit einem Trainer Volker Finke, der als vormaliger Studienrat auffiel unter den anderen Cheftrainern, die meist eine Karriere als Profifußballer hinter sich hatten. Unter Finke wurde der Sportclub zu einem außergewöhnlichen Bundesliga-Club, und auch das aktuelle Museum des SC Freiburg fällt aus dem üblichen Rahmen heraus.

Denn das SC Freiburg Museum mit mehr als 3000 Ausstellungsstücken steht nicht irgendwo im MAGE SOLAR Stadion. Es ist ein Online-Museum, das von einem Fan aus Hamburg geführt wird. Ronald "Minus" Becker (47), eigentlich Fan des FC St. Pauli seit Anfang der achtziger Jahre, hat die Sammelleidenschaft rund um den Sportclub seit etwa 20 Jahren gepackt.

"Hat mich unglaublich fasziniert und über alle Maße neugierig gemacht"

"Volker Finke ist damals einen ganz eigenen und anderen Weg gegangen als sonst üblich im Profifußball. Er hat ganz neue Impulse gesetzt, er war praktisch ein Gegenentwurf zu den anderen Trainern. Das hat mich unglaublich fasziniert und über alle Maße neugierig auf den Club gemacht", erzählt Becker.

Mit einem ersten Trikot der Freiburger fing Becker 1992 seine Sammlung an. Mehr und mehr Fanartikel kamen hinzu – in Zeiten vor online und eBay eine aufwändige Angelegenheit. "Man muss Leute ausfindig machen, die möglicherweise noch alte Eintrittskarten, Stadionhefte oder Trikots irgendwo in Kartons im Keller stehen haben. Ich habe auch ehemalige Freiburger Profis angeschrieben. Man braucht über die Jahre viel Glück, um noch an alte Schätze zu kommen", meint Becker.

Kostspielige Sammelleidenschaft

Als sich Anfang der 2000er Jahre die Möglichkeiten der Online-Auktionen boten, gab Becker erst richtig Vollgas bei seiner kostspieligen Sammelleidenschaft: "Ich habe mich dann richtig reingesteigert, es wurde fast schon bedenklich." Irgendwann stellte sich heraus, dass der private Sammler über mehr historische Gegenstände verfügte als der Sportclub selbst. Wie bei so manch anderem Verein waren auch bei den Freiburgern bei diversen Umzügen einige Dokumente verloren gegangen.

2005 nahm Becker erstmals offiziell Kontakt zum SC Freiburg auf, doch erst als der Hamburger seine Museumsseite 2006 online stellte, kam der Doppelpass so richtig in Schwung. Weil der Sportclub das einmalige Sammelsurium nun richtig ein- und wertschätzen konnte, arbeiten beide Partner seit 2007 intensiv zusammen.

Alle Artikel in Beckers Besitz

Der Sportclub unterstützt Becker seitdem mit Trikots und anderen Fanartikeln, die Becker auf seiner Museumsseite sämtlich mit Bild und Datum auflistet. Alle abgebildeten Artikel – darauf legt Becker großen Wert – sind tatsächlich in seinem Besitz und keineswegs irgendwo abfotografiert. Nicht nur für Nostalgiker lohnt sich das Stöbern auf der Museumsseite: Von einer Skulptur von 1917 über Festschriften aus den 20er und 30er Jahren bis zu den ersten Trikots mit Brustwerbung reicht das enorme Angebot.

Der ganz große Sammelrausch ist heute bei Becker "zum Glück" vorbei. Sport treiben steht jetzt an erster Stelle: Fußball bei den Senioren des FC St. Pauli, Laufen in der Marathon-Abteilung des Kiezclubs und auch Tai Chi. "Ich habe wahnsinnig viel beim Sammeln erreicht, das kann mir keiner mehr nehmen. Aber natürlich kommt man irgendwann zwangsläufig an einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Das hat aber auch etwas sehr Befriedigendes, weil mehr geht im Grunde nicht."

Freiburg wird alles erben

Die Sammlung wird irgendwann komplett in den Besitz des SC Freiburg übergehen. Das hat Becker jetzt schon klar entschieden: "Ich habe keine Frau und keine Kinder, also wird alles mal an Freiburg vererbt."