Freiburg - Robin Dutt ist den meisten Fußballfreunden in Deutschland wohl erst seit Sommer 2007 ein Begriff. Damals übernahm der in Köln geborene und in Baden aufgewachsene schwäbische Halb-Inder das Traineramt beim SC Freiburg.

Keine leichte Geburt, schließlich schied Vorgänger Volker Finke nach 16 Jahren Dienstzeit alles andere als freiwillig aus dem Amt. Und viele SC-Fans fragten sich, ob dieser Nobody, der bis dahin die drittklassigen Stuttgarter Kickers trainierte, in der Lage sei, einen Club zu coachen, dessen Anspruch es ist, erstklassig zu sein.

Diese Frage ist längst beantwortet, mittlerweile muss Dutt die Lobpreisungen schon kanalisieren. Bei der Mitgliederversammlung Anfang des Monats bekam Dutt minutenlang Applaus für eine Warnung in eigener Sache: "Machen Sie sich nie, nie abhängig vom Cheftrainer. Auch nicht von Robin Dutt."

Zwölf aus sieben

Solche Sätze sagt man natürlich nur, wenn es gut läuft. Und das tut es beim SC Freiburg. Zwölf Punkte aus den ersten sieben Spielen hat man erwirtschaftet und von den drei Niederlagen gegen Schalke, Wolfsburg und St. Pauli war nur die gegen den Aufsteiger verdient.

Wäre nicht das Überraschungsteam aus Mainz, es würden sich derzeit wohl alle Fußballinteressierten fragen, was mit dem SC Freiburg passiert ist, diesem Club, der in der vergangenen Saison erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt unter Dach und Fach brachte. Dabei kommt der Erfolg zwar überraschend - aber nicht von ungefähr.

Jede Position ist doppelt besetzt

Zum einen hat Trainer Dutt seit Sommer mehr Variationsmöglichkeiten. Nach den Transfers von Rückkehrer Yacine Abdessadki, Jan Rosenthal, Kisho Yano, Anton Putsila, Maximilian Nicu und Zvonko Pamic kann Dutt so gut wie jede Position im Kader doppelt besetzen.

Gleiches gilt auch für die Torwartposition, traditionell eher ein Schwachpunkt im SC-Kader, wo dem guten Stammkeeper Simon Pouplin in U-21-Nationalkeeper Oliver Baumann ein hochtalentierter Konkurrent erwachsen ist, der den Franzosen jüngst drei Mal sehr gut vertrat. Besonders im Mittelfeld ist die Leistungsdichte jetzt höher, zumal Neuzugang Rosenthal immer besser in Schwung kommt und seine anfänglichen Übereifer in den Griff bekommen hat.

Torjäger Cisse sticht heraus

Und dann wäre da natürlich noch Papiss Demba Cisse, der mit sieben Treffern die Torschützenliste anführt - obwohl er nach gutmütigen Zählungen gut und gerne auch vier Treffer mehr auf dem Konto haben könnte. Der Senegalese hat nicht nur einen starken Abschluss, er ist technisch enorm stark, hat ein gutes Spielverständnis und schirmt die Bälle prima ab: Kurzum, er ist so gut, dass er trotz eines Vertrages bis 2014 wohl nicht mehr lange in Freiburg zu halten sein wird.

Doch unabhängig von der individuellen Besetzung ist das Team als Ganzes gereift. Das ist auch nötig, denn nach wie vor finden sich Spieler in der Startformation, die es bei anderen Bundesligisten schwer hätten, zum Stamm zu zählen. Systemumstellungen wie jüngst die von 4-1-4-1 auf 4-4-2 (und gegen Köln wieder retour) verkraftet das Team aus dem Effeff, die Taktikschulungen in der Sommerpause tragen Früchte. Zudem ist der Fitnesszustand des Teams verblüffend, das derzeit auch noch in der Nachspielzeit im jeden Meter laufen kann – auch das lässt sich trainieren.

Dutt: Jahrhunderttrainer der Kickers

Am kommenden Samstag wird Robin Dutt das Training des SC Freiburg leiten. Der Termin mitten in der Länderspielpause scheint ihm so wichtig zu sein, dass er dafür ein Happening sausen lässt, bei dem es weit mehr Applaus gegeben hätte als bei einer Trainingseinheit vor den üblichen 15 Freiburger Kiebitzen.

Soeben ist Dutt nämlich von den Fans der Stutttgarter Kickers zum Jahrhunderttrainer der "Blauen" gewählt worden - als Coach von Spielern wie Wolfgang Wolf, Guido Buchwald und Karl Allgöwer, die allesamt ihre Teilnahme beim Spiel zum 111-jährigen Clubjubiläum zugesagt haben. Robin Dutt setzt Prioritäten - dem SC kann das nur lieb sein.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf